Neue Sachlichkeit: Kraftwerk wird zu Museum

Auf eine ganz besondere Historie kann das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus zurückblicken.

Das Dieselkraftwerk war eine der wenigen Museumsgründungen der DDR.

Im Jahre 1977 ins Leben gerufen, war es eines von nur drei Kunstmuseumsneugründungen der ehemaligen DDR. 1991 in den Rang eines Landesmuseums erhoben, zog man im Jahr 2008 aus einem ehemaligen Textilkaufhaus in das sanierte Industriegebäude Dieselkraftwerk, das 1928 von dem berühmten Berliner Architekten Werner Issel im Stil der „Neuen Sachlichkeit“ entworfen wurde. Schlanke und hohe in Orangerot gefasste Fensterbahnen verleihen dem massiven Industriebau eine gewisse Leichtigkeit und sorgen für eine harmonische Einbettung in die Parkanlagen auf der Mühleninsel, die sich in zentraler Lage mitten in der Stadt Cottbus befinden.

Ein weiterer optischer Effekt geht von den Fassaden aus. Die damals verwendeten Niederlausitzer Klinker zeichnen sich durch einen hohen Anteil an Aluminiumsilikaten aus, so dass ihre Farben je nach Sonneneinstrahlung zwischen Weinrot und Violett changieren. Der Umbau in ein Museum fand mit viel Liebe fürs Detail und Respekt vor der historischen Bausubstanz statt. So riss man beispielsweise die alten türkisgrünen Industriefliesen in den Fluren und der einstigen Maschinenhalle nicht einfach heraus, sondern integrierte sie in das neue Konzept.

Heute beherbergt das Industriedenkmal die früheren Brandenburgischen Kunstsammlungen, die jetzt unter der Trägerschaft der Brandenburgischen Kulturstiftung auf einer architektonisch abwechslungsreich gestalteten Ausstellungsfläche von über 1.250 Quadratmetern mehr als 23.000 Objekte moderner und zeitgenössischer Kunst unter einem Dach vereinen. Bereits unmittelbar nach seiner Gründung im Jahr 1977 lag der Fokus des Museums auf der zweiten Generation des Expressionismus sowie Werken des neoexpressiven Aufbruchs in der DDR. Wohl einmalig ist die internationale Plakatsammlung mit vielen Raritäten aus der Zeit nach den sechziger Jahren, als die Gebrauchsgrafik der Kino- und Theaterwelt einen Höhepunkt erreichen sollte. Neben Präsentationen aus dem hauseigenen Fundus werden jedes Jahr rund sieben Sonderausstellungen organisiert, die sich einem Thema oder einem Künstler und seinem Werk widmen.

Stiftung Moritzburg: Hommage an Lyonel Feininger

Es war eine echte Herausforderung, Gebäudefragmente aus fünfhundert Jahren zu dem modernen Museumskomplex Stiftung Moritzburg – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt – zu vereinen.

Gelungene Symbiose aus historischer Substanz und Moderne.

Schließlich galt es, eine Burg, die einst als Residenz der Magdeburger Kardinäle im 15. Jahrhundert errichtet, dann aber im Dreißigjährigen Krieg teilweise zerstört wurde und in ihren erhaltenen Gemäuern seit dem Jahr 1904 das Städtische Museum für Kunst- und Kunstgewerbe beherbergte, zu einem funktionellen und architektonisch ansprechenden Ensemble zusammenzufügen. Zudem sollten unter Berücksichtigung zahlreicher Denkmalschutzaufgaben rund 2.000 Quadratmeter Fläche für Ausstellungen und Servicebereich zusätzlich geschaffen werden. Das spanische Architektenpaar Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano hat sich dieser Aufgabe mit Bravour gestellt. 

Das Resultat ist eine beeindruckende Symbiose aus Alt und Avantgarde, die seit ihrer Eröffnung im Jahr 2008 viele Kunstliebhaber in die Region lockt. Das Konzept basiert auf einer einfachen, aber raffinierten architektonischen Idee: West- und Ostflügel wurden mit einer Dachlandschaft aus Aluminium verbunden, die aufgrund ihrer Prismenstrukturen an die Gemälde des berühmten Malers Lyonel Feininger erinnert, der einige seiner bedeutendsten Werke vor Ort in Halle geschaffen hat.

Die Kombination von Gewölben aus der Frührenaissance, dem Flügel der Westruine mit seinem dominanten Mauerwerk sowie den neuen Ausstellungsflächen, die als weiße Boxen von der Dachkonstruktion abgehängt wurden, ist in ihrer Art gewiss einzigartig in der deutschen Museumslandschaft. Endlich können alle Gemälde, Skulpturen, Grafiken und Fotografien aus sechs Sammlungen in einem ihrer Bedeutung entsprechenden Rahmen präsentiert werden. Werke der Klassischen Moderne und Neuen Sachlichkeit sind ebenso zu bewundern wie Exponate des Expressionismus und Konstruktivismus. Im ersten Geschoss kann man die „Moderne Eins“ entdecken, Meilensteine des Aufbruchs der Kunst nach 1900. Hier hat auch die Sammlung Hermann Gerlinger ihren Platz gefunden. Darüber hinaus gibt es mit einer Würdigung von Künstlern wie Adolf Senff, Karl Völker und Albert Ebert, die alle in Halle gewirkt hatten, einen lokalen Bezug.

Sprengel Museum: Verzicht auf optische Spektakel

Hohe Funktionalität und eine moderne Architektursprache, die sich nicht in den Vordergrund drängen will, das sind die Markenzeichen des Sprengel Museums in Hannover.

Hannover auf dem Sprung zum internationalen Kunstzentrum.

Im Jahre 1979 auf Initiative des Schokoladenfabrikanten und Kunstmäzens Bernhard Sprengel, der damals seine private Sammlung sowie Gelder gestiftet hatte, eröffnet, wächst das Haus mit den Schwerpunkten Deutscher Expressionismus und Französische Moderne seither kontinuierlich. Entsprechend auch der Flächenbedarf.

1992 erfolgte der erste Erweiterungsbau, nun steht der bereits zweite auf dem Plan. Dadurch soll endlich Platz geschaffen werden, um die umfangreiche Sammlung der Arbeiten von Kurt Schwitters und Niki de Saint Phalle ihrer Bedeutung gemäß zu präsentieren. Darüber hinaus möchte man zusätzliche Räumlichkeiten zur Verfügung haben, um Hannover als Standort für internationale Sonderausstellungen besser positionieren zu können. Insgesamt werden weitere 4.350 Quadratmeter Nutzfläche hinzugefügt. All diesen Herausforderungen wollen die Verantwortlichen evolutionär begegnen und darauf achten, dass das Gesamtensemble weiterhin mit seiner urbanen Umgebung korrespondiert. Auf optische Spektakel wird daher ausdrücklich verzichtet.

Die Fassade des Erweiterungsbaus soll aus nüchternem Beton bestehen, der durch gestalterische Eingriffe in seiner Struktur eine Aufwertung erfährt. Rampen sowie Treppenspiralen stellen eine Verbindung zwischen den verschiedenen Ebenen des Gebäudes her. Zwar bleibt das Zürcher Architektenbüro Meili und Peter, das mit der Aufgabe betraut wurde, in Sachen Raumfolge im Ausstellungstrakt eher den klassischen Prinzipien verpflichtet. Doch mit dem Konzept der „tanzenden Räume“, das sich durch unterschiedliche Formate und Deckenhöhen auszeichnet sowie aufgrund leichter Drehungen einen ganz besonderen Rhythmus erzeugt, erhält der neue Gebäudekomplex ein gewisses Maß an Eigenständigkeit, das den Besucher überraschen soll. Darüber hinaus erlauben verglaste Loggien einen Blick auf den nahen Maschsee.

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