Ressourcenschonende Druckverfahren

Seit über vierzig Jahren hat die Jungfer Druckerei aus Herzberg am Rande des Harzes eine unangefochtene Stellung als Innovationsführer ihrer Branche. Mit welch revolutionärer Technologie das Unternehmen nun seine Branche aufmischen will, erfahren Sie in unserem Video.

Jeder Cent entscheidet über Erfolg und Misserfolg.

Porträt: Jungfer Druckerei und Verlag GmbH

Unser Porträt führt uns dieses Mal nach Herzberg an den Rand des Harzes. Dort produziert seit über 40 Jahren die Jungfer Druckerei und Verlag GmbH qualitativ hochwertige Druckerzeugnisse. Mit ihren 7 Rotationsanlagen ist die Druckerei heute spezialisiert auf Werbebeilagen und Prospekte.

In einer Branche mit sehr knappen Margen zählt jedes noch so kleine Detail.

Erfolg durch Innovation

Die Jungfer Druckerei und Verlag GmbH ist eine der innovativsten Heatset-Rollenoffset-Druckereien in Deutschland. Ihre Geschichte lässt sich bis in das Jahr 1848 zurückverfolgen. Was als kleine Buchdruckerei und Zeitungsverlag begann, ist inzwischen zu einem der Branchenführer im Rollenoffset geworden. Eine wesentliche Unternehmensphilosophie ist seit jeher der Anspruch, bestehende Prozesse und Technologien in Frage zu stellen und nach Innovationen zu suchen, wodurch das Unternehmen manche Krise der Druckbranche erfolgreich meisterte.

Die Familie Jungfer verkaufte 2007 im Rahmen eines Management-Buy-out (MBO) ihre gesamten Gesellschaftsanteile an die langjährigen Mitarbeiter Wolfgang Schreiner, Guido Lang und Roger Mellinghausen. Im selben Zuge trennte sich Jungfer vom Zeitungsverlag „Harz Kurier“. Seither konzentriert sich das Unternehmen ausschließlich auf den Heatset-Rollenoffsetdruck und produziert in großen Auflagen Prospekte und Werbebeilagen für Handelsunternehmen und Möbelmarktketten in Deutschland und im europäischen Ausland. Seit 2008 komplettiert Andreas Wulf als Nachfolger von Wolfgang Schreiner das Führungsteam.

Steigende Rohstoffpreise drücken auf die Margen

Roger Mellinghausen, Gesellschafter und Leiter Finanzen, ist Realist: Er kennt die hauchdünnen Margen der Branche. Ein weiterer Faktor, der das Geschäftsfeld erschwert, sind die seit Jahren steigenden Rohstoffpreise. Ganz gleich ob Papier, Energie oder Druckfarben: Der Preisanstieg ist nicht aufzuhalten. In einer Branche mit sehr knappen Margen zählt daher jedes noch so kleine Detail. Und genau hier setzte die Jungfer Druckerei und Verlag GmbH an und machte sich lange vor der Energiewende daran, einen ganz eigenen Weg zu beschreiten.

Ganzheitliche Lösung gesucht

Gefragt war ein ganzheitlicher Ansatz: Statt lediglich hier und da Energie oder Papier zu sparen, setzte man sich das übergeordnete Ziel, ab 2012 einen CO2-freien Druckprozess zu etablieren. Kernstück dieses Konzeptes ist eine Erdgasturbine mit Kraft-Wärme-Kopplung, mit der alle für das Unternehmen wirtschaftlich relevanten Formen von Energie vor Ort erzeugt werden. Dabei handelt es sich um Strom, Heißgas und Heizwärme, wobei überschüssiger Strom auch in das öffentliche Netz eingespeist wird. Insgesamt soll so eine deutlich höhere Energieeffizienz des gesamten Druckereibetriebs sowie ein intelligentes und nachhaltiges Energiemanagement erreicht werden.

Zunächst wird Heißgas über Rohrleitungen in die Trockner der Druckmaschinen geleitet. Die belastete Abluft wird in die Ressourcenrückgewinnung weitergeleitet und die in der belasteten Abluft enthaltenen gasförmigen Rohstoffe werden in vier Kondensationsstufen zurückgewonnen. Anschließend wird verunreinigtes Wasser mit Stoffen aus dem Druckprozess (Pigmente, Füllstoffe, Papierfasern) von diesen getrennt. Dann werden die leicht flüchtigen Kohlenwasserstoffe der Luft entzogen und können als Reinigungsmittel im Druckprozess wiederverwendet werden. Nun kann die Luft aus dem Produktionsprozess an die Umgebungsluft abgegeben werden. Sie liegt dabei weit unter den zulässigen TA-Luftwerten.

Weltweit einzigartige Technologie im Rollenoffset

Der Clou der neuen Anlage ist die Rückgewinnung der beim Trocknungsprozess frei werdenden Mineralöle, des Wassers sowie weiterer Lösemittel. Diese Rohstoffe werden einer sinnvollen Wiederverwertung zugeführt.

Mit der neuen Technologie erreicht das Unternehmen ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in der Branche. Langfristig ist auch denkbar, die neuentwickelte Technologie durch den Hersteller an andere Firmen der Druckbranche zu verkaufen.

Druckindustrie: Licht am Ende des Tunnels

Steigende Nachwuchszahlen zeugen von Interesse an Druckberufen.

Die deutsche Druckindustrie sieht wieder Licht am Ende des Tunnels. Erstmals seit der Rezession im Jahr 2009 blickt sie – wenn auch verhalten – optimistisch in die Zukunft.

Die 9.746 Unternehmen der deutschen Druckbranche verzeichneten im Jahr 2011 einen Umsatz von 20,7 Milliarden Euro und kamen so auf ein kleines Plus von 0,2 Prozent. Allerdings bildeten sie im Vergleich zur deutschen Gesamtindustrie, die im vergangenen Jahr um satte 10,9 Prozent zulegte, damit in dieser Phase des Aufschwungs eher das Schlusslicht. Und vom Niveau des Vorkrisenjahres 2008, als die Druckindustrie noch 23,1 Milliarden Euro erwirtschaftete, ist man immer noch weit entfernt.

Damoklesschwert Euro-Krise

Zwar rechnen Experten für das laufende Geschäftsjahr mit einem weiteren Zuwachs von rund 1,5 Prozent, doch ist diese positive Prognose von zahlreichen Faktoren abhängig. Sollte die Euro-Krise zu einer erneuten Abkühlung der Konjunktur in Deutschland führen, bekäme die hiesige Druckindustrie die Konsequenzen unmittelbar zu spüren. Schließlich wirken sich wirtschaftliche Talfahrten sofort negativ auf die Werbeausgaben der Unternehmen aus und beeinflussen damit direkt das Produktionsvolumen der Druckereien, die zu zwei Dritteln genau davon abhängig sind.

Kunden antizipieren die Krise

Eine gewisse Zurückhaltung macht sich bereits jetzt spürbar, viele Kunden erteilen neue Aufträge aus Furcht vor einer möglichen Reduzierung der Werbebudgets nur mehr zögerlich. Zudem wird die Branche von einer Strukturkrise belastet, weil immer mehr Printinhalte ins Internet abwandern und alternative Geschäftsmodelle erst noch entwickelt werden müssen. Vor diesem Hintergrund darf es nicht verwundern, dass sich viele Betriebe in Sachen Anschaffung neuer Ausrüstungen zurückhalten. Mit einer Investitionsquote von gerade einmal 1,5 Prozent des Umsatzes wird viel zu wenig daran gearbeitet, Produktivität und Rentabilität zu erhöhen.

Personalabbau der Branche beschleunigt sich

Generell zeigt sich das Bild der Branche alles andere als einheitlich. Es sind vor allem die Unternehmen mit mehr als fünfzig Mitarbeitern, die positive Zahlen vermelden können. Ihre Umsatzergebnisse liegen 2,6 Prozent über denen des Vorjahres. Kleinere Betriebe dagegen tun sich deutlich schwerer, wirtschaftlich wieder Fuß zu fassen oder sich neu zu orientieren. Und auch die Zahl der Firmen, die Insolvenz anmelden müssen, wird laut Bundesverband Druck und Medien weiter auf einem hohen Niveau verbleiben. Während im Krisenjahr 2009 noch 228 Betriebe zur Geschäftsaufgabe gezwungen waren, waren es selbst im Wachstumsjahr 2011 schon rund 350.

Für die kommenden Jahre wird mit einer ähnlichen Zahl von Pleiten gerechnet. Entsprechend beschleunigte sich der Personalabbau in der Branche. Mit 154.500 Mitarbeitern gab es 2,7 Prozent weniger sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als noch im Vorjahr. Positiv dagegen sieht es im Bereich Nachwuchs aus. Knapp 6.000 junge Menschen unterzeichneten einen Ausbildungsvertrag, 3,4 Prozent mehr als noch 2010. Licht und Schatten liegen also in der deutschen Druckindustrie dicht nebeneinander.