Logistikbranche: vor langfristigen Herausforderungen

Frische Avocados aus Mexiko, preiswerte Jeans aus Bangladesch oder edle Weine vom Kap der Guten Hoffnung – dank der Globalisierung und jährlicher Zuwachsraten im Welthandel von 6,5 bis 8 Prozent brummt das Geschäft der Logistiker in Deutschland.

Ausbau der Infrastruktur in Deutschland wünschenswert.

So verzeichnete die Branche im Jahr 2011 ein sattes Plus von 6 Prozent und erzielte einen Umsatz von 222 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Krisenjahr 2009 waren es nur 200 Milliarden Euro. Dabei ergriff die konjunkturelle Dynamik die Industrie auf breiter Front: Neun von zehn Logistikunternehmen registrierten ein deutlich besseres Geschäft als noch im Vorjahr.

Online-Handel befeuert Versandgeschäft

Hintergrund sind verschiedene Entwicklungen. Zum einen werden die bereits existierenden Logistiknetzwerke ständig optimiert, zum anderen bleibt der Trend zum Outsourcen von Logistikdienstleistungen an Transport- und Lagerhaltungsspezialisten weiterhin ungebrochen. Darüber hinaus gilt auch der rapide wachsende Online-Handel als eine treibende Kraft. Die Tatsache, dass die Zahl der Beschäftigten von 2,8 auf 2,85 Millionen gestiegen ist, spiegelt diese positive Entwicklung wider. Und es wären noch mehr, wenn genug Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden.

Zwar plant mehr als die Hälfte aller Logistikfirmen eine weitere Aufstockung ihrer Belegschaft, doch rund drei Viertel von ihnen beklagen gleichzeitig den Mangel an geeigneten IT-Experten, Ingenieuren oder Betriebswirten. Und wer bereits einen Job hat, kann sich über mehr Geld freuen. Mehr als 50 Prozent aller Unternehmen wollen durch Gehaltserhöhungen von mehr als 3 Prozent ihre Mitarbeiter am Aufschwung partizipieren lassen und so langfristig an sich binden.

Unsicherheitsfaktor Konjunktur

Doch ein Wermutstropfen bleibt. Obschon die Logistikbranche nach der jüngsten Krise wieder rasch an ihre alten Erfolge anknüpfen konnte, gibt es ein hohes Maß an Unsicherheit über die Beständigkeit der konjunkturellen Lage. Der Hintergrund: Die Prognosen der Außenhandelsstatistiker senden unterschiedliche Signale aus. Während die Nachfrage in den Schwellenländern ungebrochen hoch bleibt, verschärft sich aufgrund der Euro- und Schuldenkrise die Situation bei wichtigen Handelspartnern wie Italien oder Spanien. Das trübt die Erwartungen, sodass in der Branche niemand mehr an ein Plus wie im vergangenen Jahr glaubt und bereits ein Nullwachstum als Erfolg gewertet wird.

Hemmschuh Infrastruktur

Darüber hinaus herrscht nicht nur in Sachen Personal ein hoher Handlungsbedarf. Insbesondere die steigenden Transportkosten bleiben eine große Herausforderung. Das betrifft die stetig anziehenden Energiepreise ebenso wie den politischen Druck, den CO2-Ausstoß der Branche deutlich zu reduzieren. Für Unruhe sorgte jüngst auch eine neue Weltbank-Rangliste, die den langjährigen „Logistikweltmeister Deutschland“ hinter Singapur, Hongkong und Finnland auf Platz vier verbannte. Experten deuten diesen Schritt als Resultat der mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz des Ausbaus der Infrastruktur hierzulande sowie ihrer breiten Nutzung.

ELA Container: „fliegende“ Bauten – hochfliegende Pläne

Unser Firmenporträt führt uns ins Emsland, genauer: nach Haren. Hier findet sich auf einer riesigen Fläche am Rande der Stadt die Firma ELA Container, europäischer Marktführer für Mietcontainer und „fliegende Bauten“, also temporär bestehende Gebäude. 2012 feierte das Unternehmen das 40. Jubiläum der Firmengründung – eine Erfolgsgeschichte in Innovation und Unternehmertum.

Die ersten Prototypen entstanden in Eigenregie.

Hinter dem Erfolg von ELA Container steckt Unternehmensgründer und Tüftler Bernhard Albers. Er war in den 60er-Jahren viel auf Baustellen in und um Hamburg unterwegs, wo es damals ein massives Problem gab: Immer wieder verschwanden auf Baustellen wertvolle Baumaterialien und teure Handwerksgeräte, weil sie nach der Arbeit nicht weggeschlossen wurden bzw. die bisherigen Bauwagen aus Holz leicht aufzubrechen waren.

Etwa um diese Zeit kamen auch die ersten gebrauchten Schiffscontainer in den Handel, die seit 1956 ihren Siegeszug als internationaler Transportbehälter angetreten hatten. Sie entwickelten sich mehr und mehr zum internationalen Standard und schon sehr bald wurden die ersten ausgemustert. „Damals“, erinnert sich Bernhard Albers, „wusste niemand so richtig etwas mit den gebrauchten Containern anzufangen. Sie waren zu wertvoll zum Verschrotten, aber für den Transport nicht mehr zu gebrauchen.“ Plötzlich kam ihm die zündende Idee: Wäre ein umgebauter Gebrauchtcontainer nicht ideal als temporärer „Bauwagen“? Schließlich konnten die Container aufgrund ihrer Normierung auch völlig problemlos mit dem Lkw transportiert werden.

Umbau in Eigenregie

Gedacht – getan, die Idee für ELA Container war geboren. Die ersten Prototypen baute Bernhard Albers noch selbst um. Zunächst kaufte er fünf gebrauchte Container und machte sich ans Werk: Mit Stemmeisen und Säge baute er Fenster und Türen ein, legte Stromleitungen und sorgte für Isolierung und Heizung. Der erste Kunde war von der Neuentwicklung hellauf begeistert. Eine Sensation war geboren.

Anschließend vermietete Bernhard Albers die ersten Container an Bauleute in Norddeutschland. Schon nach kurzer Zeit kamen bereits Anfragen aus anderen Branchen: Auf einmal wurden die Container nicht nur als Baucontainer genutzt, sondern dienten auch als temporäre Büro-, Wohn- und Sanitärgebäude. Heute reicht das Spektrum von Lagerräumen über mobile Werkstätten und Verkaufsräume bis hin zu Bankfilialen und Kindergärten.

Komplettangebote aus einer Hand

Nach 40 Jahren hat sich ELA Container zu einem komplett durchorganisierten Geschäftsmodell entwickelt: Das Unternehmen baut heute Systeme, die für komplette Raumlösungen bis hin zu Anlagen mit Wohnraumqualität geeignet sind. Ein ganzes Team von Konstrukteuren kümmert sich um Themen wie Isolierung, Schallschutz, Strom oder Heizung in den Containern. Es versteht sich von selbst, dass das Unternehmen sich ein Verwaltungsgebäude aus Containern gebaut hat.

Über die Zeit entwickelte sich das Unternehmen zum Komplettanbieter: Neben Containern können im Zubehörpool auch Einrichtungsgegenstände gemietet werden. Dies können Möbel sein, das Sortiment umfasst aber auch Schalldämmung, Brandmeldeanlagen oder EDV-Schnittstellen.

Bekenntnis zum Emsland

Nach wie vor befindet sich das Stammwerk in Haren an der Ems, das mit 20.000 Container-Einheiten zu den größten in Europa gehört. Und der Standort wurde in den letzten 40 Jahren Zug um Zug erweitert. Das Firmengelände umfasst 200.000 Quadratmeter, im Ortsteil Emmeln befindet sich das ELA-Gebraucht-Container-Center mit ebenfalls 200.000 Quadratmetern. Zudem ist auch die internationale Expansion weit vorangeschritten. Insgesamt arbeiten derzeit 350 Mitarbeiter an neun Standorten in ganz Europa mit einem Fuhrpark von 50 firmeneigenen Lkw.

Bemerkenswerte Neuentwicklungen

Eine ganz besondere Entwicklung sind die ELA-Premium-Container, die einen halben Meter breiter sind als herkömmliche Container. Sie lassen sich problemlos mit allen anderen Containern kombinieren, sind aber drei Quadratmeter größer. Sie bieten mehr Nutzfläche bei niedrigen Transportkosten und tragen aufgrund effektiver Energieplanung aktiv zum Umweltschutz bei.

Das nächste Ass hat Firmengründer Bernhard Albers bereits im Ärmel: Mit der neuen Linie CYMH (Create Your Mobile Home) setzt er nun auf „fliegende“ Bauten für den Privatgebrauch mit erstklassiger Einrichtung.

„Logistische Alleskönner“

Man begegnet ihnen fast täglich und in fast allen erdenklichen Farben – aber nicht Formen: Standardisierte Transportcontainer sind aus dem heutigen Logistikgeschehen nicht mehr wegzudenken. Kaum ein anderes Industrieobjekt symbolisiert so gut die verzweigte und zugleich zusammengewachsene Welt der Globalisierung, in der Güter in Windeseile von A nach B transportiert werden können.

Logistische Alleskönner - Sinnbild der Globalisierung.

Als Erfinder der modernen Container-Transporttechnik gilt der amerikanische Reeder und Transportunternehmer Malcom P. McLean. Er kam als Erster auf die Idee, das aus logistischer und zeitökonomischer Sicht komplizierte Umladen der Frachtgüter von Schiffen auf Überlandtransportmittel und umgekehrt durch einen standardisierten Container wesentlich zu vereinfachen. Gedacht, getan: Zunächst verschiffte er für kurze Zeit komplette Lastwagen, doch das kostete zu viel Stauraum. Daher ging er dazu über, die Anhänger auf die Reise zu schicken und ab 1956 nur noch die Behälter selbst – der Containertransport war geboren.

Erste Anlaufstelle Bremerhaven

Allerdings legte erst zehn Jahre später das erste Containerschiff in einem europäischen Hafen an: Zunächst in Rotterdam und vier Tage später in Bremerhaven, wo sich heute das größte zusammenhängende Container-Terminal der Welt befindet. Seit diesen Pioniertagen wurde das System kontinuierlich optimiert, um insbesondere den reibungslosen Ablauf an den Schnittstellen zu beschleunigen und garantierte Lieferzeiten bieten zu können.

Standardisierte Maße brachten den Durchbruch

Maßgeblich dazu beigetragen hat vor allem die Standardisierung der Containermaße. Heute haben die ISO-Container (von griech. isos = gleich) die weltweit größte Verbreitung. Sie lassen sich nicht nur in Handelshäfen und Lagerhallen perfekt stapeln, sondern können auch problemlos von Schiffen zum Weitertransport auf Land verladen werden – international fast vereinheitlicht.

Über die Jahre wurde der Container so zum Sinnbild der voranschreitenden Globalisierung. Insbesondere durch das nach wie vor anhaltende Exportwachstum Chinas und Asiens steigt die Zahl der weltweit im Einsatz befindlichen Container weiter: Jahr für Jahr um rund 10 Prozent. Weitere Treiber dieser Entwicklung sind die Modernisierungen von Lagerstätten und der Bau immer größerer Schiffseinheiten mit Appetit auf noch mehr Container.

Größer, schneller – schwerer!

An die Grenzen des Wachstums mag im Moment niemand denken, denn trotz einer zarten Wachstumsdelle in China heißt es nach wie vor: größer, schneller und vor allem schwerer. Denn der Vormarsch der Container und der damit einhergehende Gigantismus bleiben nicht ohne Folgen: Die größten Meereskolosse können nur noch ein Dutzend Häfen weltweit anlaufen, da viele kleinere Häfen nicht die logistischen Kapazitäten bieten. Ein weiteres Problem ist inzwischen auch der Tiefgang der Schiffe. Viele können nur noch unvollständig beladen werden, damit sie überhaupt in den Häfen anlegen können. Derangiert sich das Containersystem selbst?

Regionalisierung vorerst Fehlanzeige

Insbesondere Umweltschützer hoffen, dass auf die Globalisierung eine Regionalisierung des Containertransportes folgt. Doch die Chancen dafür stehen denkbar schlecht. Zum einen sind zu viele Produkte aus Übersee fester Bestandteil unseres Alltags geworden, zum anderen ist die Container-Verschiffung in der Regel um ein Vielfaches günstiger als der Weitertransport von Nord- nach Süddeutschland mit dem Lkw. So werden die logistischen Alleskönner weiterhin Turnschuhe, Nahrungsmittel oder Autos kreuz und quer über den Planeten bringen.

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