Der Pfandbrief: Ein Hafen größter Sicherheit

Langweilig, aber solide und ohne großes Risiko. Das ist gemeinhin das Image des Pfandbriefes in Deutschland und nicht zuletzt auch das Geheimnis seines Erfolges. Weil die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren ordentlich durcheinander gewirbelt wurden und die Eurokrise ein Dauerthema zu sein scheint, ist für Investoren derzeit oftmals nur noch eines angesagt: Sicherheit!

Strenge Reglementierung garantiert Sicherheit.

In dieser Hinsicht können Pfandbriefe ordentlich punkten. Dafür wird im Gegenzug vom Anleger jedoch eine gehörige Portion Bescheidenheit verlangt. Zwar werfen beispielsweise fünf- und zehnjährige Pfandbriefe im Durchschnitt immer noch rund 0,5 Prozent mehr Rendite ab als deutsche Staatsanleihen mit einer identischen Laufzeit, ansonsten jedoch sieht das Ergebnis im Vergleich mit anderen Investitions­möglichkeiten eher mager aus. Wer sich trotzdem für diese Anlageform entscheidet, weiß, dass sein Geld in absolut sicheren Händen ist. Schließlich ist in der fast 250-jährigen Geschichte des Pfandbriefes noch nie ein Papier ausgefallen und die letzte Pleite einer Pfandbriefbank fand im Jahr 1901 statt.

Strenge Reglementierung garantiert Sicherheit

Und die strengen Vorgaben des Pfandbriefgesetzes sorgen dafür, dass das auch so bleibt. So müssen die sich im Umlauf befindlichen Pfandbriefe jederzeit sowohl in der Höhe des Nennwerts als auch ihrem Barwert nach mit einer sehr konservativ berechneten Deckungsmasse versehen werden. Im Falle von Hypotheken-Pfandbriefen heißt dies konkret, dass Finanzinstitute die Immobilien lediglich mit sechzig Prozent ihres Beleihungswertes anrechnen dürfen. Auf diese Weise entsteht ein recht solider Puffer, der vor eventuellen Preisstürzen auf den Immobilienmärkten schützt. Und sollte es dennoch einmal zum Worst-Case-Szenario kommen und eine Bank, deren Pfandbriefe ein Anleger erworben hat, Pleite gehen, so ist er in einer privilegierten Position, da auf die Deckungsmasse ein Insolvenzverwalter keinen Zugriff hat.

Nachfrage steigt ungebrochen

Pfandbriefe werden ebenso wie Staatsanleihen oder andere Bonds an den Börsen gehandelt. Deshalb kann ihr Wert durchaus schwanken. Und obwohl die Renditen seit dem Jahr 2007 kontinuierlich sinken, steigt die Nachfrage nach Pfandbriefen ungebrochen weiter an. Gleichzeitig aber schrumpft das Volumen der deutschen Pfandbriefe. Waren im Jahr 2000 noch 1,1 Billionen Euro im Umlauf, so reduzierte sich dieses nach Angaben des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (VDP) auf knapp 555 Milliarden Euro im Sommer 2012. Davon entfallen zwei Drittel auf öffentliche Pfandbriefe und ein Drittel auf Hypothekenpfandbriefe.

Und der Trend hält an. So werden in diesem Jahr deutsche Banken Pfandbriefe allenfalls für rund 65 Milliarden Euro begeben, glaubt die Experten des VDP. Im Jahr zuvor waren es noch 73 Milliarden. Gründe dafür gibt es viele. Insbesondere das Geschäft mit öffentlichen Pfandbriefen ist für viele Banken aufgrund der immer geringer ausfallenden Margen einfach nicht mehr rentabel genug. Anders dagegen sieht es bei den Versicherungen aus. Da diese sicher anlegen müssen, greifen sie gerne auf Pfandbriefe zurück. Laut dem Gesamtverband der Versicherungswirtschaft befinden sich Papiere im Wert von 256 Milliarden Euro in den Depots der Erstversicherer.

Laufzeit und Handelsvolumen beachten

Das knappe Angebot sorgt seit Jahren bereits für ordentlichen Auftrieb bei den Kursen. Der Markt ist also sehr eng und binnen weniger Stunden sind Neuemissionen restlos ausverkauft. All das klingt sehr verlockend. „Dennoch eignen sich Pfandbriefe aus meiner Sicht eher für institutionelle als für private Investoren“, lautet das Urteil von Professor Daniel Rösch. „Schließlich ist es keine einfache Anlageform und daher nur für jemanden mit dem entsprechenden Know-how empfehlenswert“, so der Direktor des Instituts für Banken und Finanzierung an der Leibniz Universität Hannover. Gerade für den Privatanleger ist es manchmal schwer möglich, sich beispielsweise ein detailliertes Bild vom Wert der Sicherheiten hinter dem Pfandbrief zu machen. „Wie bei jeder Art der Anlage sollte man bestens mit den Risiken vertraut sein. Zudem gilt es, wichtige Punkte wie die Laufzeit und das Handelsvolumen zu beachten.“

Zudem darf man die Transaktionskosten nicht vernachlässigen, die genauso wie im Aktienhandel anfallen. Denn wenn ein Anleger für vergleichsweise geringe Summen Anteile einsammelt, können Order- und Depotgebühren ziemlich schmerzhaft am Ertrag knabbern. Der Renditevorteil eines Pfandbriefes im Vergleich zu einer Bundesanleihe mit ähnlicher Bonität schmilzt dann rasch auf null.

„Der Pfandbrief ist ein Hort der Stabilität“

Interview mit Dr. Hinrich Holm, Mitglied des Vorstandes der NORD/LB.

Der neue Flugzeugpfandbrief stärkt den exzellenten Ruf der NORD/LB.
Dr. Hinrich Holm, Mitglied des Vorstandes

Herr Dr. Holm, was bietet die NORD/LB mittelständischen Unternehmen?

Dr. HolmIm Fokus der Angebote der NORD/LB für mittelständische Unternehmen stehen die Unternehmensfinanzierung und viele andere Finanzdienstleistungen, die für häufig global agierende Mittelständler wichtig sind. Dass das gut funktioniert, zeigt die Langfristigkeit unserer Kundenbeziehungen und das Vertrauen, das wir bei unseren mittelständischen Kunden genießen. Nicht zuletzt dieses solide Geschäftsmodell hat uns in den letzten Jahren dabei geholfen, gut durch die Krise zu kommen. Außerdem werden wir von unseren Kunden insbesondere dafür geschätzt, jeweils individuelle Lösungen zu entwickeln.

Wie finanziert die NORD/LB ihr Kreditgeschäft?

Dr. HolmEine der Voraussetzungen zur Fortsetzung dieses Erfolgskurses ist die Refinanzierung der Bank. Neben klassischen unbesicherten Anleihen ist die NORD/LB als Pfandbriefemittent im Markt bekannt und geschätzt. Die Grundlage dafür ist die Vielzahl der Kredite in unserem Bestand, die sich als Deckungsmasse qualifizieren. Hierzu gehören insbesondere die Ausleihungen an unsere Spezialfinanzierungskunden in den Segmenten Erneuerbare Energien, Immobilien, Schiffe, Flugzeuge und Infrastruktur als auch Ausleihungen an die Öffentliche Hand.

Wie funktionieren Pfandbriefe?

Dr. HolmPfandbriefe gehören zu den Anleihen und werden jeweils von einer Pfandbriefbank ausgegeben. Doch im Gegensatz zu den herkömmlichen Anleihen steht dem Investor neben der Bonität des ausgebenden Instituts im Falle einer Insolvenz der Bank die sogenannte Deckungsmasse zur Verfügung, die vor Kapitalverlust schützt.

Welche Arten von Pfandbrief gibt es?

Dr. HolmInsgesamt gibt es vier Arten von Pfandbriefen: Hypothekenpfandbriefe, Öffentliche Pfandbriefe, Schiffspfandbriefe und nun eben auch Flugzeugpfandbriefe.

Sie haben mit dem Flugzeugpfandbrief ein völlig neues und individuelles Produkt auf den Markt gebracht. Welche Motivation stand dahinter?

Dr. HolmDer exzellente Ruf der NORD/LB erstreckt sich auch auf andere Gebiete als das Geschäft mit Unternehmenskunden allein. Der neue Flugzeugpfandbrief ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir auch als Pfandbriefbank gut am Markt platziert sind und einen Ruf als Hort der Stabilität genießen. Die Motivation hinter diesem neuen Pfandbrief war unser Flugzeuggeschäft, das wir dafür nutzen wollten. Übrigens haben wir als Pionier dieses Produkts auch an der Entwicklung der Gesetzgebung mit dem Verband deutscher Pfandbriefbanken (VdP) mitgearbeitet.

Was macht den Pfandbrief so sicher?

Dr. HolmPfandbriefe sind in Deutschland gesetzlich klar geregelt und somit abgesichert. Die einheitliche gesetzliche Grundlage ist das Pfandbriefgesetz, in dessen Rahmen die BaFin einzelnen Banken jeweils die Emission von Pfandbriefen als Refinanzierungsmittel genehmigt. Auch die Wertermittlung für die hinterlegten Sicherheiten wie Darlehen an die öffentliche Hand, Immobilien, Schiffe und Flugzeuge ist sehr genau geregelt. Pfandbriefe sind klar reglementiert und die Deckungsmasse ist separiert, d. h. im Falle einer Insolvenz der Pfandbriefbank steht diese nur den Gläubigern des Pfandbriefs zur Verfügung.

Welche Anleger investieren derzeit in Pfandbriefe?

Dr. HolmDie Zinsen sind bekanntermaßen sehr niedrig, zugleich gibt es viel Kapital, das nach sicheren Anlagemöglichkeiten sucht. Aufgrund des unsicheren Gesamtumfeldes ist Sicherheit daher trotz der niedrigen Zinsen Thema Nummer eins. Zu den Anlegern zählen Fondsgesellschaften, Versicherungen oder Privatanleger wie mittelständische Unternehmen und private Kapitalanleger. Sie alle schätzen die hohe Sicherheit und Güte des Pfandbriefes.

Sie haben vor kurzem als erste Bank seit langem einen Pfandbrief in US-Dollar ausgegeben. Wie kam es dazu?

Dr. HolmWir wollten US-Dollar aufnehmen, weil viele Finanzierungen von Schiffen, Flugzeugen und Erneuerbaren Energien in dieser Währung abgewickelt werden. Wie gesagt genießen wir einen exzellenten Ruf als Pfandbriefbank, was die erfolgreiche Emission des Pfandbriefes in US-Dollar noch einmal unterstrichen hat. Mit der Emission haben wir den ersten Pfandbrief in US-Dollar seit 2006 ausgegeben und ihn international in den USA, Europa und Asien platziert. Dies war für uns wichtig, um einen Fuß in den US-Dollar-Markt zu bekommen. Die Platzierung funktionierte hervorragend, der Pfandbrief war binnen kürzester Zeit sogar überzeichnet.

Wie sehen Sie die Zukunft des Pfandbriefes?

Dr. HolmWir erleben derzeit die Renaissance des Instruments. Ich bin zuversichtlich, dass er noch lange ein wichtiger Baustein der Finanzierung bleiben wird – insbesondere weil er im Vergleich zu den international gehandelten Covered-Bonds von den gesetzlichen Anforderungen her strenger gehandhabt wird. Der wirkliche Trumpf des Pfandbriefs ist die grundsätzliche Sicherung und die Stellung der Gläubiger im Falle einer Insolvenz.

Das Pfandbriefgeschäft der NORD/LB sorgt also für Stabilität im Geschäft mit mittelständischen Unternehmen?

Dr. HolmAbsolut. Die NORD/LB wird weiterhin ein verlässlicher Partner des Mittelstandes bleiben, weil wir uns solide refinanzieren und der Pfandbrief für Investoren eine stabile Anlagemöglichkeit ist. Für Mittelständler ist dies in den derzeitigen unsicheren Zeiten ein wichtiger Aspekt der Beziehung zu uns.

Der neue Flugzeugpfandbrief der NORD/LB

Vorgestellt von Tammo Reimann, Director bei der NORD/LB für Flugzeugfinanzierungen.

Die Flugzeugfinanzierung - ein strategisches Geschäftsfeld der NORD/LB.

Zur Person

Der gebürtige Wilhemshavener arbeitet seit 2000 bei der NORD/LB in Hannover. Tammo Reimann war zunächst im Investmentbanking tätig und betreute Börsengänge und Kapitalmarkttransaktionen, anschließend arbeitete er als Projektmanager im Bereich Unternehmens- und Konzernentwicklung. Seit 2006 ist er aktiv im Bereich Flugzeugfinanzierungen mit zwei zentralen Aufgabenfeldern. Er ist zum einen Projektleiter in der OE Flugzeugfinanzierung bzw. dem VB Schiffs- und Flugzeugfinanzierung bei Projekten in Zusammenhang mit der strategischen Geschäftsfeldentwicklung. In dieser Funktion betreute er bereits den Flugzeugpfandbrief und den Schiffspfandbrief. Herr Reimann verantwortet in dieser Funktion auch die weltweite Akquisition von Kunden aus den Bereichen Luftfracht & Air Cargo, Operate Lease & Leasinggesellschaften und Triebwerksfinanzierungen. Außerdem leitet er die Umsetzung der akquirierten Transaktionen. Tammo Reimann studierte Betriebswirtschaft an den Universitäten Bayreuth und Nottingham.

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