German Desk – mit der Lizenz zum Vollbanking

Wachstumsschwäche hin oder her – der chinesische Markt ist nach wie vor sehr interessant für Mittelständler aus Deutschland. Auch nach den Boomjahren bietet das Reich der Mitte unzählige Chancen für attraktive Geschäfte.

Bankgeschäfte in China zu tätigen ist gar nicht so einfach. Daher hat die NORD/LB als Serviceangebot für Unternehmen aus Deutschland in Shanghai nicht nur eine Niederlassung mit einer Vollbanklizenz etabliert, sondern mit dem German Desk vor Ort auch ein Team an den Start gebracht, das in enger Kooperation mit der Zentrale in Hannover Geschäfte mit deutschen Unternehmenskunden in China abwickelt.

Geschäftsziele der Kunden im Fokus

Die NORD/LB schaut inzwischen auf 250 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Einer der Erfolgspfeiler der Bank ist seit jeher die starke Kundenorientierung. Diese ist auch eine der Antriebsfedern des German Desks, der seit 2004 Geschäftsaktivitäten deutscher Kunden in China begleitet. Das wohl wichtigste Kriterium: Im Zentrum sämtlicher Überlegungen stehen die Bedürfnisse der Kunden und die Frage, wie Vereinbarungen und Geschäfte mit deutschen Kunden oder ihren lokalen Einheiten in China gemeinsam mit dem Bereich Corporate Finance rund um Olaf Hugenberg praktisch realisiert werden können.

Ungebrochenes Interesse an China

Das Interesse am chinesischen Markt ist bei deutschen Unternehmen nach wie vor ungebrochen, weiß Olaf Hugenberg: „China mag eine Phase des Wandels durchlaufen und den Fokus von Wachstum auf eine qualitative Entwicklung des Landes legen. Dies ändert aber nichts daran, dass es aufgrund seiner schieren Größe einer der wichtigsten Märkte ist und bleibt – insbesondere für Firmen aus Deutschland.“

Navigator durch den Regulierungsdschungel

Die Herausforderung: Nicht alles, was in Deutschland möglich ist, funktioniert auch eins zu eins in China. Daher müssen in Deutschland getroffene Vereinbarungen an chinesische Anforderungen und Gegebenheiten angepasst, vor Ort administriert und zwischen allen Parteien harmonisiert werden – zusammen mit den Zentralen der Kunden in Deutschland wie auch mit der NORD/LB in Hannover. Der größte Unterschied liegt dabei vor allem in der höheren Dynamik von Veröffentlichungen einschlägiger Regularien, Implementierungsvorschriften sowie verbal geäußerten Durchführungsbestimmungen der chinesischen Behörden. Dadurch ist ein erhöhter Kommunikationsbedarf mit den Kunden vor Ort, aber auch mit den Stammhäusern in Deutschland vorhanden. Dies gilt umso mehr, da sich die Interpretation dieser Vorschriften von Provinz zu Provinz unterscheiden kann.

Geschäfte rund um die Uhr

Aber nichts ist unmöglich: Durch die Zeitverschiebung von im Winter sieben und im Sommer sechs Stunden zwischen Hannover und Shanghai sowie die enge Verzahnung der beiden Standorte können die Kunden nahezu rund um die Uhr ihre Geschäfte in China vorantreiben. Insbesondere in der Umsetzungsgeschwindigkeit ist die Bank schnell, was angesichts der komplexen Fragestellungen sehr wichtig ist.

Hohe Detailtiefe notwendig

Die Kunden der NORD/LB beschäftigen insbesondere die gegenüber Deutschland oft andersartigen Finanzierungsgewohnheiten. Im Rahmen der Liberalisierung des chinesischen Finanz- und Kapitalmarktes bieten sich darüber hinaus vermehrt Geschäftspotenziale für Kunden der NORD/LB, die genau geprüft werden müssen – denn auch hier steckt häufig der Teufel im Detail. „Die Finanzierungslösungen der NORD/LB erfreuen sich wachsender Beliebtheit bei unseren Kunden“, so Olaf Hugenberg. „Dazu trägt mit Sicherheit bei, dass das Interesse deutscher Unternehmen am chinesischen Markt ungebrochen ist.“

„Die NORD/LB ist ein starker Partner vor Ort in China“

Ein Gespräch mit Dennis Wallenda, Leiter Working Capital Solutions im Bereich Corporate Finance bei der NORD/LB in Hannover, über die komplexen Anforderungen für Finanzierungen in China.

Sie betreuen von Hannover aus Ihre Kunden in China. Wie sieht das Tagesgeschäft aus?

WallendaGar nicht so anders als unser Tagesgeschäft in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen unsere Kunden und deren Anforderungen. Wir setzen die Vereinbarungen, die zwischen unseren Kunden und der NORD/LB getroffen werden, in Geschäfte um. Diese gilt es den chinesischen Anforderungen und Gegebenheiten anzupassen, vor Ort zu administrieren und zwischen allen Parteien zu harmonisieren. Aufgrund der Zeitverschiebung zwischen Hannover und Shanghai sowie der engen Vernetzung können wir unseren Kunden nahezu zweimal einen vollen Arbeitstag zur Verfügung stellen. Das macht uns in der Summe in der Umsetzungsgeschwindigkeit stark!

Was sind die Herausforderungen für das Geschäft?

WallendaDiese liegen insbesondere in der deutlich höheren Dynamik von Veröffentlichungen einschlägiger Regularien, Implementierungsvorschriften sowie verbal geäußerten Durchführungsbestimmungen der zahlreichen chinesischen Behörden. Hierdurch ist ein erhöhter Kommunikationsbedarf mit den Kunden vor Ort, aber auch mit den Stammhäusern in Deutschland vorhanden. Dies gilt umso mehr, da sich die Interpretation dieser Vorschriften von Provinz zu Provinz unterscheiden kann.

Mit welchen Fragestellungen kommen Kunden zu Ihnen?

WallendaViele Fragen betreffen die häufig gegenüber Deutschland andersartigen Finanzierungsusancen, die in der Tat gewöhnungs- und erklärungsbedürftig sind. Im Rahmen der Liberalisierung des chinesischen Finanz- und Kapitalmarktes bieten sich darüber hinaus vermehrt lokale Lösungsmöglichkeiten in China für unsere Kunden an, die wir jedoch im Einzelfall auf Umsetzbarkeit prüfen müssen, zumal auch hier häufig der Teufel im Detail steckt.

Wie hat sich das China-Geschäft in den letzten Jahren entwickelt?

WallendaErfreulich! Im Licht unserer Firmenkundenoffensive hat sich das China-Geschäft insbesondere in den letzten zwölf Monaten stark belebt. Auch in der Neukundenakquisition haben wir intensiv gespürt, dass China ein Thema ist, das unsere Kunden bewegt und ein vielfältiges Interesse weckt, die NORD/LB als einen starken Partner vor Ort mit ins Boot zu holen.

Was erwarten Sie für die kommenden Jahre insbesondere angesichts der sich andeutenden Abkühlung?

WallendaFür unser Geschäft erwarte ich anhaltendes Wachstum. Unsere Firmenkundenoffensive dauert an und gerade im Hinblick auf unsere jüngeren bzw. neuen Standorte in München und Stuttgart bin ich der Überzeugung, dass es uns gelingen wird, hier viele Kunden von unserer Philosophie des Firmenkundengeschäftes zu überzeugen und mit unseren Möglichkeiten und der Infrastruktur in Shanghai Geschäft zu generieren.

... verantwortet das Team Working Capital Solutions im Bereich Corporate Finance. Die Abteilung beschäftigt sich mit strukturierten Finanzierungen mit dem Fokus auf optimierte Finanzierung des Working Capital. Als diplomierter Wirtschaftsjurist begann er seine Karriere bei der NORD/LB im Jahr 2008 und durchlief seitdem verschiedene Bereiche des Corporate Geschäfts. Zu seinem Verantwortungsbereich zählt ebenfalls der German Desk der NORD/LB-Niederlassung in Shanghai.

„Ein wichtiger Beitrag zur Finanzierung unseres Wachstums in China“

Ein Interview mit Christian A. Mazurkewitz, Vice President Corporate Finance, Accounting & Audits, Siegwerk Druckfarben AG & Co. KGaA in Siegburg.

Welche Herausforderungen kennzeichnen die Branche der Druckfarbenherstellung?

MazurkewitzDen Druckfarbenmarkt insgesamt prägt eine anhaltend rückläufige Nachfrage nach Druckfarben für Printmedien, während sich im Bereich der Verpackungsdruckfarben in Abhängigkeit der Technologiesegmente und Absatzmärkte ein unterschiedlich hohes Wachstum vollzieht. Dies hat zur Folge, dass Druckfarbenanbieter mit dem Schwerpunkt Printmedien verstärkt in den Verpackungsdruckfarbenmarkt drängen – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Wettbewerbssituation.

Seit wann sind Sie in China aktiv und in welcher Form?

MazurkewitzDie Siegwerk-Gruppe hat 2005 den kompletten Geschäftsbereich Verpackungsdruckfarben eines internationalen Wettbewerbers einschließlich der zugehörigen Tochtergesellschaften in rund 35 Ländern übernommen. Seitdem ist Siegwerk mit einer Tochtergesellschaft sowie über die gesamte Wertschöpfungskette – vom Rohstoffeinkauf über die Produktion und den Vertrieb bis zur farb- und drucktechnologischen Beratung – an drei Standorten in China vertreten.

Was war der Grund für den Eintritt in den chinesischen Markt?

MazurkewitzBedingt durch seine Größe ist China bereits seit langem ein bedeutender Absatzmarkt für Verpackungsdruckfarben. Aufgrund der fortgesetzten allgemeinen Urbanisierung, des verstärkten Übergangs vom Lebensmitteleinkauf auf Straßenmärkten hin zu Supermärkten sowie des weiter wachsenden Pro-Kopf-Einkommens breiter Bevölkerungsschichten wird auch zukünftig überproportionales Wachstum in den Märkten für Verpackungsmaterialien erwartet. Dies wird sich entsprechend auf den Bedarf an Verpackungsdruckfarben auswirken.

Worin liegen die besonderen Herausforderungen des chinesischen Marktes?

MazurkewitzDer chinesische Druckfarbenmarkt ist ein stark fragmentierter Markt, der neben einigen großen Anbietern eine kaum überschaubare Anzahl kleinerer Druckfarbenhersteller umfasst. Ein sich stark wandelndes regulatorisches Umfeld, also insbesondere weiter steigende gesetzliche Anforderungen an Produktsicherheit, Arbeits- und Umweltschutz, sowie erhöhte technologische Anforderungen an die Druckfarbenhersteller von Seiten der Abnehmer werden über die im chinesischen Markt langfristig erfolgreichen Anbieter entscheiden und zu einer Konsolidierung auf Anbieterseite führen. Hiervon werden die großen, international wie auch technologisch führenden Anbieter in besonderem Maße profitieren.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des chinesischen Marktes in den nächsten Jahren ein?

MazurkewitzDie derzeit stark thematisierte Wachstumsabschwächung in China erachten wir als für den Verpackungsdruckfarbenmarkt wenig relevant, da der Konsum von Lebensmitteln des täglichen Bedarfs und der Verbrauch an Hygiene- und Pharmaprodukten davon kaum betroffen sind. Vor diesem Hintergrund gehen wir auch für die nächsten Jahre von einer sehr positiven Entwicklung des für uns relevanten chinesischen Marktes aus.

Welche Instrumente haben Sie im Rahmen der Betriebsmittelfinanzierung in China genutzt?

MazurkewitzNeben einer im Hinblick auf die Wachstumsstrategie und die damit verbundenen Investitionen angemessenen Anpassung der Eigenkapitalausstattung wird das Geschäft unserer Tochtergesellschaft in China durch verschiedene lokale Bankkreditlinien – darunter der NORD/LB – sowie Intercompany-Darlehen finanziert.

Welches Problem bzw. welche Herausforderung haben Sie damit gelöst?

MazurkewitzDie gemischte Finanzierungsstrategie wurde insbesondere unter Berücksichtigung der Risikosteuerung sowie im Hinblick auf die resultierenden Finanzierungskosten gewählt. Die Ergänzung der konzerninternen Finanzierung um verschiedene lokale Bankenlinien bringt den zusätzlichen Vorteil einer besseren Vernetzung im regionalen und lokalen Finanzmarkt mit sich.

Wieso hat sich diese Form der Betriebsmittelfinanzierung angeboten?

MazurkewitzDie Siegwerk-Gruppe erhält insbesondere aufgrund ihres stabilen Geschäftsmodells, der führenden Position in wichtigen Marktsegmenten, der globalen Präsenz in allen Wachstumsmärkten sowie sehr guten Finanzrelationen regelmäßig Bankenratings auf einem Niveau, das eine zentrale Refinanzierung zu attraktiven Konditionen ermöglicht. Von diesen sollen unsere Tochtergesellschaften weltweit profitieren. Die Kombination aus Intercompany-Darlehen und lokal durch unsere globalen Relationship-Banken gewährten Bankkrediten ermöglicht dies in idealer Weise.

Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit der NORD/LB?

MazurkewitzWir sind mit der Zusammenarbeit mit der NORD/LB sehr zufrieden. Aufgrund der umsichtigen Koordination sowie Unterstützung des chinesischen NORD/LB-Teams durch unsere Heimatfiliale wurde die Kreditlinie der NORD/LB in China schnell und zu absolut wettbewerbsfähigen Konditionen bereitgestellt. Die NORD/LB leistet damit in Ergänzung ihrer Rolle als Syndikatsbank unseres Konsortialkredits einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung unseres weiteren Wachstums in China.

... ist im Holding-Bereich der Siegwerk Druckfarben AG & Co. KGaA als Vice President Corporate Finance, Accounting & Audits für die Bereiche Konzernfinanzierung, -rechnungswesen, Steuern und Internal Audit verantwortlich, nachdem er im Jahr 2001 in die Siegwerk-Gruppe eingetreten war und die Leitung des Finanz- und Rechnungswesens der operativen Hauptgesellschaft übernommen hatte. Zuvor war er nach einem Studium der Volkswirtschaftslehre ab 1993 in verschiedenen Finanzfunktionen bei Mannesmann tätig.

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