Total global

Zwei von drei erfolgreichen deutschen Mittelständlern haben ihren Firmensitz abseits der Metropolen auf dem flachen Land. Oft schon sind sie seit Generationen dort fest verwurzelt. Das stellt viele von ihnen nun vor große Herausforderungen.

Der Hohenlohekreis ist Idylle pur, soweit das Auge reicht. Orte wie Waldenburg verzaubern ihre Besucher mit mittelalterlichen Mauern, überragt von Wach- und Wehrtürmen, die allen Stürmen der Zeit trotzten. Doch was kaum einer weiß: Die unweit von Heilbronn gelegene Region weist im Verhältnis zur Einwohnerzahl die höchste Dichte an Weltmarktführern in Deutschland auf. Darunter das bekannte Schraubenimperium Adolf Würth, der Luft- und Klimatechnikspezialist Ziehl-Abegg sowie der Elektromotorenhersteller ebm-papst. Rund 1.500 solcher Unternehmen, die kaum jemand vom Namen her kennt, die aber internationale Märkte beherrschen, zählt das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Deutschland zu dieser Gruppe. Trotz der unterschiedlichen Waren und Dienstleistungen, die sie im Angebot haben, hat die Mehrheit dieser oftmals familiengeführten Unternehmen doch eines gemeinsam: Ihr Firmensitz befindet sich zumeist abseits der großen Städte und Ballungsräume in einer ländlichen Region.

Weltweit erfolgreich in der Nische

„Das hat zahlreiche historische Gründe“, erklärt Eberhard Vogt. „Viele dieser oft traditionsreichen Firmen sind bereits vor Generationen gegründet worden und fühlen sich ihrer Heimat sehr verbunden“, so der Pressesprecher des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft. Offensichtlich gedeihen vor allem in der Provinz innovative Unternehmen, die darüber hinaus auch international sehr erfolgreich aktiv sind. „Ihr Erfolgsgeheimnis liegt in der ‚Glocalisation’,“ glaubt Dr. Annette Icks. „Ganz nach dem Motto: ‚think global and local’ sind die heimlichen Gewinner sowohl regional verwurzelt als auch gezielt auf ausländischen (Nischen-)Märkten unterwegs“, so die Expertin für Unternehmenskooperationen vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn.

Fachkräftemangel bremst die Entwicklung

Doch trotz dieser Erfolgsbilanz stehen viele dieser Hidden Champions vor gravierenden Problemen. Das Größte lautet eindeutig: Wie finde ich die richtigen Fachkräfte? Denn Traditionen, gute Luft und unverbrauchte Natur sind ja gut und schön. Aber nicht jeder findet das wirklich aufregend. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Laut einer Studie der Agentur Serviceplan in München ist der Standort eines potenziellen Arbeitgebers für 40 Prozent der befragten Uni-Absolventen und 22 Prozent der bereits Berufstätigen das Kriterium bei der Jobsuche – sogar noch vor dem Gehalt. „Gerade im ländlichen Raum besteht die Gefahr, dass die kleineren Unternehmen im Hinblick auf den demografischen Wandel ins Hintertreffen geraten“, so Icks. Wer Familie hat, zieht ungern ins Brandenburger Hinterland oder östlich von Kassel in die Region Eichsfeld, wo es mittlerweile in manchen Gemeinden nicht einmal mehr einen Gasthof gibt, Schulen geschlossen werden und der nächste Arzt nur viele Kilometer entfernt zu erreichen ist. „Unternehmen auf dem flachen Land können aber gemeinsam um qualifizierte Mitarbeiter werben“, ergänzt Vogt. „Oder indem sie mit mehreren anderen Betrieben aus der Umgebung zusammen eine Kita einrichten und sich so als attraktive Arbeitgeber positionieren.“ Einige Firmen gehen sogar so weit, gründen Schulen und bieten wie der Sensorhersteller Sick in Waldkirch eine eigene Hausaufgabenbetreuung an.

Talente gezielt in die Provinz locken

Vor allem Berufsanfänger wollen ihren Karriereeinstieg viel lieber bei Volkswagen, Siemens oder anderen bekannten Großunternehmen wagen, wie eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young unter 483 jungen Frauen und Männern kürzlich zeigte. Nur weniger als ein Drittel kann sich überhaupt vorstellen, bei einem Mittelständler oder einer kleinen familiengeführten Firma anzuheuern. Offensichtlich gibt es bei dem Thema „Aufbau einer Arbeitgebermarke„ in vielerlei Hinsicht noch reichlich Nachholbedarf. Manchmal lohnt es sich, den eher familiären Charakter eines solchen Hidden Champions zu betonen. Eine Firma kann in der Provinz ihren Firmensitz haben, muss aber deshalb nicht gleich provinziell agieren. Er rät auf dem flachen Land ansässigen Unternehmen, das Beste aus den Gegebenheiten zu machen und Angebote und Möglichkeiten, die unter das Stichwort Work-Life-Balance fallen, stärker in den Vordergrund zu rücken. „Damit sind der höhere Freizeitwert gemeint, die unmittelbare Nähe zur Natur und die geringeren Mieten.“ Doch eines ist Voraussetzung: „Die Versorgung mit moderner Breitbrandtechnik muss gewährleistet sein – ansonsten nützt selbst die schönste Umgebung herzlich wenig. Doch was das betrifft, so gibt es auf der Landkarte leider noch viele weiße Flecken.“

Landleben 2.0 braucht Breitbandtechnik

„Neben der Verkehrsinfrastruktur ist heutzutage besonders ein leistungsfähiges und stabiles Internet ausschlaggebend für Standortentscheidungen“, bringt es Dr. Volker Müller auf den Punkt. „Viele Anwendungsgebiete der Industrie 4.0 zum Beispiel benötigen den schnellen Austausch von großen Datenmengen – nicht nur für den Download, sondern vor allem für den Upload“, erklärt der Hauptgeschäftsführer von Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) e. V. Wie der Länderindex Familienunternehmen des ZEW kürzlich zeigte, ist Deutschland in Sachen verfügbarer Internetbandbreite im internationalen Vergleich zwischen 2012 und 2014 sogar von Platz neun auf Platz 15 von insgesamt 18 gefallen. Vor allem abseits der Metropolen hapert es manchmal mit der richtigen Versorgung. Intelligente Logistik- und Produktionssysteme funktionieren aber nur mit einer schnellen Internetverbindung. Aus dem flachen Land droht auch noch eine digitale Provinz zu werden, was die Existenz vieler Unternehmen bedroht. Das beginnt schon im Kleinen: Mitarbeiter können nicht mit flexiblen Arbeitszeiten und Home Office als Option angelockt werden. Über Big Data und Industrie 4.0 muss man dann gar nicht reden.

Kooperationen als Lösung

Ein weiterer Weg, den Anschluss an die Zukunft nicht zu verpassen, ist die Bildung von sogenannten Clustern. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk aus Produzenten, Zulieferern sowie Forschungseinrichtungen und Dienstleistern, die regional eng miteinander verzahnt sind. „Gerade Unternehmen im ländlichen Raum profitieren von dieser Vernetzung und gewinnen an Sichtbarkeit“, lautet dazu die Einschätzung von UVN-Hauptgeschäftsführer Müller. Auch Mittelstandsexperte Vogt ist von dem Cluster-Gedanken überzeugt: „Von diesen Zusammenschlüssen geht eine sehr hohe Strahlkraft auch auf die anderen Unternehmen in einer Region aus, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit aller Beteiligten gesteigert wird.“ Beispielhaft dafür ist „MedicalMountains“ im Landkreis Tuttlingen im tiefsten Schwarzwald. Rund 400 kleine und mittlere medizintechnische Betriebe mit über 11.000 Beschäftigten haben sich dort mittlerweile angesiedelt und arbeiten nicht gegen-, sondern miteinander. Darunter finden sich prominente Namen wie Aesculap und die KARL STORZ GmbH & Co. Kg, einer der Weltmarktführer in Sachen Endoskopie. Weltweit sind die chirurgischen Hightech-Erzeugnisse aus dem Schwarzwald gefragt wie einst nur die berühmten Kuckucksuhren. Im MedicalMountains-Cluster werden auch Weiterbildung und wissenschaftlich-technische Entwicklungen gemeinsam vorangetrieben. Und eine geschlossen auftretende Gruppe von mehreren Unternehmen verschafft sich auch mehr Gehör in der Politik und kann wirkungsvoller Lobbyarbeit in eigener Sache betreiben – insbesondere dann, wenn wieder einmal die Verbesserung der Infrastruktur auf der Tagesordnung steht. Längst haben sich in diesen eher ländlich strukturierten Regionen auch einige praxisorientierte Hochschulen angesiedelt, die für den richtigen Nachwuchs für die Betriebe vor Ort sorgen sollen. Funktioniert so ein Cluster, dann boomt das flache Land. So müssen sich in der Provinz Fuchs und Hase nicht zwangsläufig länger Gute Nacht sagen.

"Der Mittelstand hat viele Vorzüge zu bieten."

Ein Interview mit Dr. Annette Icks vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn über das Phänomen der „Glocalisation“.

Standort Provinz – warum konnten in Deutschland ausgerechnet abseits der industriellen Ballungsräume so viele erfolgreiche und hoch spezialisierte Firmen entstehen, die nicht selten sogar zu den Marktführern in ihrem Segment zählen?

IcksOftmals handelt es sich hierbei um eigentümer- bzw. familiengeführte Unternehmen, die bereits über mehrere Generationen bestehen. Ihr Erfolgsgeheimnis liegt in der sogenannten „Glocalisation“: Nach dem Motto „think global and local“ sind die heimlichen Gewinner sowohl regional verwurzelt als auch gezielt auf ausländischen (Nischen-)Märkten unterwegs.

Mit welchen Problemen haben Ihrer Einschätzung nach kleine und mittelständische Unternehmen zu kämpfen, wenn sie in einer ländlichen Region beheimatet sind?

IcksGerade im ländlichen Raum besteht die Gefahr, dass die kleinen und mittleren Unternehmen im Hinblick auf den demografischen Wandel ins Hintertreffen geraten. Um sowohl innovative Produkte herstellen als auch die Strategie der Nischen-Marktführerschaft verfolgen zu können, benötigen insbesondere die Hidden Champions jedoch hoch qualifizierte Mitarbeiter.

Gibt es auch Vorteile?

IcksDadurch, dass sich Familienunternehmen besonders durch Kontinuität in der Führung auszeichnen, sind strategische Entscheidungen in der Regel auf einen längeren Zeitraum ausgelegt. Zugleich sind diese Unternehmen unabhängig von den kurzfristig ausgerichteten Kapitalmärkten und privaten Investoren. Dadurch können sie mit all ihren wichtigen Stakeholdern – gleich, ob es sich um die Mitarbeiter, Zulieferer, Kunden oder um das kommunale und regionale Um-feld handelt – sehr viel nachhaltigere, vertrauensvollere und qualitätsfördernde Beziehungen aufbauen und pflegen.

Wie kann man einen Hochschulabsolventen oder einen erfahrenen Ingenieur davon überzeugen, statt beispielsweise bei Daimler in Stuttgart bei einem eher nur Experten bekannten Hidden Champion in der Provinz anzuheuern?

IcksDer Mittelstand hat viele Vorzüge zu bieten. Da sind zum einen die höhere Krisensicherheit der Arbeitsplätze und die persönlichere Vernetzung. Außerdem ist die Aufgabenvielfalt meist höher und die Hochschulabsolventen bzw. erfahrenen Ingenieure erhalten schneller die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.

Immer wieder wird auf einzelne Cluster-Initiativen verwiesen, wenn es darum geht, Unternehmen und Forschungseinrichtungen auch in der Fläche zusammenzubringen. Hat sich dieses Modell bewährt?

IcksDas IfM (Institut für Mittelstandsforschung) Bonn hat dies bislang nur für die Informations- und Kommunikationsbranche in Nordrhein-Westfalen untersucht. Demnach überwindet tatsächlich ein Teil der forschenden Unternehmen die eigene Begrenztheit in der Ressourcenausstattung durch die Gründung von Partnerschaften. Allerdings werden Unternehmen des IKT-Wirtschaftszweiges (Informations- und Kommunikationstechnologie) Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen vorgezogen.

...ist Projektleiterin im Institut für Mittelstandsforschung (IfM) und stellvertretende Vorsitzende der Offensive Mittelstand. Sie promovierte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn und ist dort wissenschaftliche Mitarbeiterin am IfM. Zu Ihren Forschungsgebieten zählen u.a. kommunale Wirtschaftsförderung und regionale Netzwerkbeziehungen sowie Mittelstand und Ausbildung.

„Infrastruktur ist das große Thema für Unternehmen in der Fläche“

Ein Interview mit Dr. Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Niedersachsen e. V. (UVN), über die Innovationskraft des deutschen Mittelstandes in Sachen IT.

Deutschland gilt als das Land der Hidden Champions. Viele davon haben ihren Firmensitz in den ländlichen und mitunter abgelegenen Regionen. Vor welchen Herausforderungen stehen solche Unternehmen ganz aktuell?

MüllerTypisch für den ländlichen Raum ist ein weites Spektrum an kleinen und mittleren Unternehmen – vom klassischen Handwerk über den Einzelhandel und das Gast- und Tourismusgewerbe. Allerdings stoßen genau diese Unternehmen in Zeiten zunehmender Mobilität, Digitalisierung und Globalisierung immer häufiger an ihre Grenzen. Eine wesentliche Herausforderung ist die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die dringendsten Maßnahmen für den ländlichen Raum sind eine vernünftige Straßen-, Transport- und Kommunikationsinfrastruktur sowie die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte. Gerade unsere Hidden Champions sind darauf angewiesen, dass auch der ländliche Raum bei diesen Entwicklungen mitgenommen wird. Niedersachsen lebt von der Mobilität und der günstigen geografischen Lage im Herzen Europas. Über den Verkehr bedienen wir auch unsere Seehäfen und damit den Export in die ganze Welt. Für ein Unternehmen des produzierenden Gewerbes ist daher eine Anbindung an eine funktionierende Infrastruktur unabdingbar.

Forschung und Entwicklung können für kleinere und mittelständische Unternehmen rasch zu einem Problem werden, wenn die entsprechenden Fachkräfte nicht bereit sind, auf das flache Land zu ziehen. Wie kann man sich auch in der Provinz als attraktiver Arbeitgeber positionieren?

MüllerNicht nur Forschung und Entwicklung leiden darunter. Generell gilt es für viele Regionen, junge Menschen und Familien in vielen Berufsgruppen für den ländlichen Raum zu begeistern. Überzeugende Argumente sind in der Regel eine gute Verkehrsanbindung, Schulen und Betreuungsangebote sowie ein ansprechendes Freizeit- und Kulturangebot. Arbeitgeber punkten insbesondere mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, Weiterbildungs- und Qualifizierungsangeboten und gesundheitsfördernden Maßnahmen. Da die Wirtschaftskraft in den Regionen und der gesellschaftliche Wohlstand in der Regel eng zusammenhängen, findet man immer häufiger eine intensive Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Kommunen vor.

Infrastruktur ist ebenfalls das große Thema für Unternehmen in der Fläche – vor allem, wenn es um die Versorgung mit ausreichend schnellem Internet geht. Wird genug in dieser Richtung unternommen, damit Firmen auch abseits der urbanen Zentren bei ihrer Digitalisierung nicht einfach auf der Strecke bleiben?

MüllerNeben der Verkehrsinfrastruktur ist heutzutage besonders ein leistungsfähiges und stabiles Internet ausschlaggebend für Standortentscheidungen. Beim Breitbandausbau muss die Landesregierung noch stärker die Versorgung von Unternehmen in den Fokus nehmen und den politischen Druck auf die handelnden Akteure in den Kommunen erhöhen. Viele Anwendungsgebiete der Industrie 4.0 benötigen den schnellen und stabilen Austausch von großen Datenmengen – nicht nur für den Download, sondern vor allem für den Upload. Auch für das Gelingen der Energiewende ist eine intelligent vernetze Steuerung eine Grundvoraussetzung. Mit der Breitbandleistung und -stabilität, die eine komplett vernetzte Wertschöpfungskette erfordert, ist Niedersachsen aber bei weitem noch nicht ausgestattet. Unserer diesjährigen Unternehmensumfrage zufolge müssen fast zwei Drittel der Unternehmen mit einer Leistung von weniger als 30 Mbit/s auskommen. Dabei hat sich der Bedarf an schnellem Internet in den vergangenen drei Jahren verdoppelt. 89 Prozent der Befragten erwarten für die kommenden fünf Jahre, dass ihre Internetleistung für ihren Geschäftsbetrieb nicht mehr ausreicht. Spätestens dann werden wir den Anschluss verpassen, wenn wir uns weiterhin auf einen Standard von 50 Mbit/s beschränken und Kupferkabel verbauen. Vor allem der ländliche Raum hat starke Defizite, aber auch unsere Städte müssen nachrüsten.

Bringt die zunehmende Digitalisierung der Wertschöpfungsketten für Unternehmen im ländlichen Raum Chancen oder eher Risiken?

MüllerWenn wir es schaffen, den Breitband- und Verkehrsinfrastrukturausbau im ländlichen Raum stärker voranzutreiben, bringt sie viele Chancen. Unternehmen, die heute fürchten den Anschluss zu verlieren, wären dann ein gleichwertiges Glied in der Kette.

Die gezielte Vernetzung von Unternehmen und Wissenschaft gilt als eine Art Königsweg für viele Hidden Champions – gerade in ländlichen Regionen. Welche Impulse gingen bis dato von den verschiedenen Clusterinitiativen des Bundes und der Länder aus?

MüllerDie Vernetzung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft spielt für uns eine ganz große Rolle. Den Kontakt halten wir über ein enges Netzwerk zur norddeutschen Hochschullandschaft, unseren Arbeitskreis HochschuleWirtschaft und unseren jährlichen Wirtschaftsempfang mit der Universität Hannover. Dass insbesondere Clustern diese Vernetzung hervorragend gelingt, lässt sich sehr gut am Beispiel Automotive Cluster Niedersachsen aufzeigen. Mit diesem Cluster wurde ein sehr erfolgreiches Netzwerk gegründet, das sich nach Auslauf der Förderung nun sogar selbst trägt. In den letzten fünf Jahren konnten mehr als 200 kleine und mittlere Zulieferunternehmen der Automobilindustrie mit der Wissenschaft und weiteren Akteuren so gewinnbringend vernetzt werden, dass neue Kooperationen, Innovationen und Geschäftsmodelle zu insgesamt mehr Wettbewerbsstärke geführt haben. Gerade Unternehmen im ländlichen Raum profitieren von dieser Vernetzung und gewinnen an Sichtbarkeit. Wir konnten dieses Cluster nach Auslauf der Förderung erfolgreich zum Netzwerk ITS automotive nord weiterentwickeln.

Welche konkreten Vorteile bieten solche Netzwerke für alle Beteiligten?

MüllerCluster schaffen einen Raum, in dem viele unterschiedliche Unternehmen mit wenig Aufwand ihre Kompetenzen einbringen, neue Kooperationen, Partnerschaften und Geschäftskontakte generieren und mit kleinem Aufwand innovative Ansätze erarbeiten und verfolgen können. Man erhält die Möglichkeit, Kontaktbarrieren zu überwinden und Unternehmen, mit denen man vorher keinen Berührungspunkt hatte und diesen suchte, direkt anzusprechen. Gerade für Unternehmen in der Fläche schaffen solche Cluster eine Nähe, die sie allein nur sehr schwer hätten aufbauen können. So können Kompetenzen eingebracht werden, ohne zwingend einen Standort am Ort des Geschehens haben zu müssen.

Was muss in den Clusterinitiativen in Zukunft vielleicht besser gemacht werden?

MüllerEin großes Problem ist die Kurzfristigkeit. Nahezu alle Clusterinitiativen sind mit Blick auf ihre Förderung zeitlich begrenzt. Wenn sie sich nach dem Förderzeitraum nicht allein finanzieren können, werden sie häufig verworfen. Das Schaufenster Elektromobilität zum Beispiel hat wichtige Impulse gesetzt, jedoch in so kurzer Zeit nicht die notwendige Reichweite entwickeln können. Wäre das aktuelle Engagement der Bundesregierung besser abgestimmt gewesen, hätte das Schaufenster Elektromobilität vielleicht von diesem Fahrtwind profitieren können. Nicht nur dieses Beispiel zeigt, dass bei den unterschiedlichen Clustern immer der Einzelfall betrachtet werden sollte.

...ist Hauptgeschäftsführer der UVN e.V. Seine Karriere begann er nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Soziologie in Tübingen und Saarbrücken, indem er zunächst bei der IHK in Mexico-City und London erste Erfahrungen sammelte. 1985 erhielt er seine Zulassung als Rechtsanwalt wie auch seine Promovierung.

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