Export 2018: Bestens in Form


Der deutsche Außenhandel verzeichnete gerade das vierte Rekordjahr in Folge. Eine Trendwende scheint auch für 2018 nicht in Sicht.

Die deutsche Exportwirtschaft eilt von Erfolg zu Erfolg. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik knackte der Wert der Ausfuhren bereits nach den ersten zehn Monaten im Jahr die Billionen-Grenze und wuchs im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,3 Prozent auf 1,06 Billionen Euro. Und trotz leicht schwächelnder Geschäfte auf so wichtigen Märkten wie Großbritannien und der Türkei ging es stürmisch weiter. Im November legten die Exporte nochmals um satte 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu und erreichten ein Volumen von insgesamt 1,18 Billionen Euro – der größte Anstieg seit acht Jahren. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2016 hatten deutsche Unternehmen Waren und Dienstleistungen im Wert von 1,21 Billionen Euro im Ausland abgesetzt und damit den dritten Rekord in Folge eingefahren. Nun folgte der vierte. Und die weltweit weiterhin ungebrochene Nachfrage nach Erzeugnissen „Made in Germany“ wird aller Voraussicht nach auch 2018 zu einem guten Jahr für die Exportwirtschaft machen.

Fortgesetzter Wachstumskurs

Um satte 2,2 Prozent wuchs 2017 das Bruttoinlandsprodukt und die Volkswirte der verschiedenen Wirtschaftsforschungsinstitute halten für das laufende Jahr sogar ein Plus von bis zu 2,5 Prozent für realistisch. Getragen wird die konjunkturelle Dynamik von der Kauflust der Verbraucher und den gestiegenen Investitionen vieler Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe, deren Kapazitäten laut einer aktuellen Ifo-Umfrage bereits zu 87,1 Prozent ausgelastet sind – aber vor allem durch den Außenhandel. Denn ausnahmslos alle Weltregionen befinden sich derzeit in einer Phase des Aufschwungs. So geht der Internationale Währungsfonds für 2018 von einem Wachstum der Weltwirtschaft in einer Größenordnung von 3,7 Prozent aus. Davon profitieren vor allem die vielen deutschen Unternehmen, die ihre Produkte im Ausland absetzen. Laut Handelsblatt Research Institute dürften 2018 die deutschen Exporte um beeindruckende 5,3 Prozent wachsen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet mindestens sechs Prozent Zuwachs.

Unbeeindruckt von Krisenherden

Gründe für den offenen Optimismus gibt es zahlreiche. So befinden sich die einstigen Krisenla?nder wie Spanien, Portugal und Griechenland auf einem guten Weg und vermelden wieder gute Zahlen. Dabei befinden sich die meisten westlichen Industriestaaten noch nicht einmal auf dem Höhepunkt des Aufschwungs, dieser dürfte erst 2019 erreicht sein. Auch Russland, China und Japan verzeichnen ein zweistelliges Plus bei der Nachfrage nach deutschen Produkten. „Die aktuell sehr guten Zahlen im Außenhandel dürfen in der Tat nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zahlreiche Krisenherde gibt, die sich im Falle einer Eskalation schnell bemerkbar machen könnten“ gibt André Schwarz zu bedenken. „So etwa die Spannungen mit Nordkorea, die Rivalität zwischen dem Iran und Saudi-Arabien oder in vielen anderen Ecken der Welt“, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) e.V. in Berlin. „Aber all diese Konflikte gibt es nicht erst seit gestern, sondern schon seit einigen Jahren und trotzdem verzeichnete der Export immer neue Rekordzahlen.“

Deutscher Mittelstand punktet

Deutschlands Exporteure profitieren dabei ganz besonders von zwei Entwicklungen: Zum einen von dem Investitionsstau, der in einigen der ehemaligen Krisenländer der EU entstanden ist, die gerade wieder wirtschaftlich Fuß fassen. Zum anderen haben sie genau das im Angebot, was viele Schwellenländer, aber auch die Vereinigten Staaten gerade brauchen, um ihre Industrie auf den neuesten Stand zu bringen. Denn anders als China oder Südkorea liefern deutsche Unternehmen nicht nur Waren für die Konsumenten vor Ort, sondern konzentrieren sich oft auf die sogenannten Investitions- und Vorleistungsgüter. Darunter fallen Maschinen und Anlagen sowie chemische Erzeugnisse, elektronische und optische Gerätschaften, die traditionellen Stärken des deutschen Mittelstands. Und deren Nachfrage ist eher mit längerfristigen Planungen verbunden, so dass unerwartete negative Überraschungen auf einem Auslandsmarkt sich nicht so schnell bemerkbar machen, wie etwa im Bereich der klassischen Konsumgüter, wo die Nachfrage plötzlich abrupt einbrechen kann. Erst eine richtige Rezession führt bei Investitionsgütern zu einem Abschwung bei den Bestellungen. Und eine solche ist derzeit nirgendwo richtig in Sicht.

Wachsender Unmut über Exportüberschuss

Doch die Rekordzahlen im Außenhandel sorgen mitunter auch für Unmut. Laut den Berechnungen des Ifo-Instituts dürfte Deutschland 2017 den weltweit größten Überschuss in der Leistungsbilanz verzeichnen. Mit über 235 Milliarden Euro fiel dieser den Analysten zufolge mehr als doppelt so groß aus wie der von China. Genau solche Zahlen befeuern nicht nur in den Vereinigten Staaten die Diskussionen über die Ausgestaltungen und Neuordnung internationaler Marktzugänge, die manchmal einen protektionistischen Ton annehmen und mögliche Handelshürden befürchten lassen. Und nur diese könnten aktuell den Erfolg der deutschen Exportwirtschaft ein wenig bremsen.

„Internationale Aufstellung ist Erfolgsgarant und Achillesferse“

Ein Interview mit André Schwarz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Pressesprecher des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. in Berlin.

Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2017 aller Wahrscheinlichkeit nach um satte 2,2 Prozent und damit das achte Jahr in Folge. Ist das Ende der Fahnenstange damit erreicht?

SchwarzWenn man sich umschaut und sieht, was Deutschland mit seinen 82 Millionen Einwohnern wirtschaftlich bereits erreicht hat, staunen wir manchmal selbst, dass es immer noch weiter geht. Auch für 2018 sind wir optimistisch. Eine Trendwende in der Entwicklung ist nicht in Sicht, so dass die Aufschwungsphase mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dieses Jahr andauern wird. Trotzdem bleiben wir vorsichtig. Denn es gibt eine Reihe Unsicherheitsfaktoren – auch wenn sie das Geschäft der meisten Unternehmen bis dato noch nicht beeinträchtigt haben. Die Gründe dafür sind die hervorragend aufgestellten deutschen Unternehmen und auch – trotz aller Schwächen – die Qualität des Standorts Deutschland. Die hohe Rechtssicherheit und der gesellschaftliche Zusammenhalt hierzulande wirken sich beispielsweise positiv aus. Doch daneben gibt es externe Faktoren, auf die wir wenig Einfluss haben. Nur ein Beispiel ist der Brexit und die damit verbundenen Unsicherheiten, wodurch im Handel mit Großbritannien bereits deutliche Anzeichen einer Abschwächung zu sehen sind. Viele weitere wären zu nennen, alleine die offene Frage, wie es mit Europa weitergeht.

Die Regierungsverhandlungen zogen sich über Monate hin und auch die geopolitischen Risiken werden nicht weniger. Trotzdem geht es mit Konjunktur und Außenhandel stetig aufwärts. Ist die deutsche Wirtschaft immun gegen solche Phänomene?

SchwarzDie aktuell sehr guten Zahlen im Außenhandel dürfen in der Tat nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zahlreiche Krisenherde gibt, die sich im Falle einer Eskalation schnell bemerkbar machen könnten. So etwa die Spannungen mit Nordkorea, die Rivalität zwischen dem Iran und Saudi-Arabien oder in vielen anderen Ecken der Welt. Aber all diese Konflikte gibt es nicht erst seit gestern, sondern schon seit einigen Jahren und trotzdem verzeichnete der Export immer neue Rekordzahlen. Tastsache ist, die internationale Aufstellung ist Erfolgsgarant und zugleich Achillesferse der deutschen Wirtschaft.

Vor allem der Export war die treibende Kraft hinter den guten Zahlen des Jahres 2017. In welchen Regionen der Welt können deutsche Unternehmen auch 2018 mit mehr Geschäften rechnen und wo lauert womöglich Ungemach?

SchwarzFür 2017 konnten wir erfreulicherweise auf breiter Front positive Zahlen vermelden. Wir sind überzeugt, dass diese Entwicklung 2018 anhält und in allen Regionen der Welt weitere Zuwächse möglich sind. Brandgefährlich und eine große Hypothek für die Weltwirtschaft ist der um sich greifende Wirtschaftsprotektionismus und Nationalismus. Dazu zählen auch die Verbalattacken und die ‚Mein-Land-zuerst’-Politik eines Donald Trump. Auch wenn dank des starken amerikanischen Institutionengefüges, das solchen Ambitionen klare Grenzen setzt, der US-Präsident bislang nicht allzu viel von dem umsetzen konnte, was er lautstark ankündigte, untermauern die jüngst verhängten Anti-Dumping-Zölle das. Die Reaktion Chinas bleibt abzuwarten. Auch als größter Kreditgeber der USA spielt China eine wichtige Rolle. Wenn die größte und zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in einem weitergehenden Handelsstreit verfallen, kann uns das nicht ruhig schlafen lassen.

Wie sind die KMU im Export aufgestellt? Gewinnt der Trend zu einer Internationalisierung weiter an Fahrt oder macht sich vielleicht eine neue Vorsicht bemerkbar?

SchwarzDer Trend zur Internationalisierung wird zweifelsohne weiter anhalten. Das ergibt sich allein aus der breiten, vorwiegend von Investitionsgütern geprägte Produktpalette und der begrenzten Aufnahmekapazitäten des deutschen Marktes. Zudem überzeugen KMU durch ihre Assets: die sprichwörtliche Qualität, hervorragende Serviceleistungen sowie ein hohes Maß an Zuverlässigkeit. Sie haben oft das überzeugendere Angebot parat, selbst wenn es im Vergleich zur Konkurrenz manchmal etwas teurer ist.

Selbst KMU sind mittlerweile in mehreren Regionen in der Welt gleichzeitig aktiv. Ist diese geographische Vielfalt womöglich ein Schlüssel zum Erfolg ihres Auslandsmodells?

SchwarzDas stimmt. Dennoch ist die Unternehmensgröße ein entscheidender Faktor. Auch wenn die Internationalisierung von vielen KMU weiterhin vorangetrieben wird, so können kleinere Unternehmen aus vielfältigen Gründen eine Präsenz in mehreren Regionen gleichzeitig nicht stemmen, weil alleine die rechtlichen Rahmenbedingungen mitunter sehr unterschiedlich und oft recht kompliziert sind. Die bürokratischen Anforderungen werden immer höher und damit erhöhen sich auch gleichermaßen die Haftungsrisiken für die Unternehmen.

Welche Branchen dürfen 2018 im Auslandsgeschäft mit einem Plus rechnen und wo sieht es eher problematisch aus?

SchwarzFür die drei Schlüsselbranchen Maschinen- und Anlagebau sowie die Kfz- und die chemische Industrie, die rund die Hälfte der Ausfuhren bestreiten, sieht es 2018 weiterhin sehr gut aus. Das heißt nicht, dass es keine Herausforderungen gibt, wie die Diskussionen um den Verbrennungsmotor und Elektromobilität in der Automobilindustrie zeigen. Aber das sind Themen, die eher das Geschäft in den kommenden Jahren betreffen als in den kommenden Monaten.

Das Thema Freihandel steht weiter oben auf der Agenda. Rechnen Sie in diesem Jahr mit neuen Entwicklungen oder Entscheidungen dazu?

SchwarzGenerell befürworten wir bei dem Thema multinationale Lösungen im Rahmen der WTO. Dass es dort seit Jahren nicht weitergeht, bedauern wir sehr, auch die äußerst kontroversen Diskussionen um die Freihandelsabkommen CETA und TTIP. Dennoch gibt es Lichtblicke wie das gerade unter Dach und Fach gebrachte Handelsabkommen zwischen der EU und Japan sowie die Fortschritte bei den Verhandlungen mit der lateinamerikanischen Staatengemeinschaft Mercosur. Das sind gute Nachrichten, die der Wirtschaft wichtige Impulse verleihen, wovon wir alle hier in Deutschland letztendlich profitieren.

... ist seit 2012 Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Seit 2002 ist er zudem Pressesprecher und als Abteilungsleiter Presse - und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich für die gesamte externe und interne Kommunikation des BGA. Von 1999 bis 2002 verantwortete André Schwarz die umfassenden Kommunikationsmaßnahmen eines deutsch-amerikanischen Joint-Ventures und börsennotierten Unternehmens; zunächst als Pressereferent, ab April 2000 als Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit. Schwarz studierte Volkswirtschaft in Essen.

Konjunktur: perfekte Aussichten für 2018! – Zu schön, um wahr zu sein?

2017 war konjunkturell eine positive Überraschung. Und auch der Start in das neue Jahr war bombastisch. Wir erwarten für Deutschland einen realen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von erstaunlichen 2,6%. Gleichwohl bleibt die EZB gelassen. Die Renditen werden zwar langsam steigen aber weiterhin niedrig bleiben.

Deutschland 2017

Vor einem Jahr lag unsere Wachstumsprognose für Deutschland bei guten 1,5 Prozent. Gekommen sind aber sehr robuste 2,2 Prozent. Unter Berücksichtigung eines belastenden Arbeitstageeffektes (3 Arbeitstage weniger als 2016) lag das Wachstum 2017 sogar bei 2,5 Prozent. Damit setzt sich das hohe Wachstum bereits im vierten Jahr fort und hat sich zudem noch beschleunigt. Die deutsche Volkswirtschaft wächst damit seit vier Jahren über Potenzial. Zudem zeigt sich das Wachstum breit getragen. Der Konsum wird vom starken Beschäftigungsaufbau (2017: 638.000 zusätzliche Erwerbstätige!) und moderaten Reallohnsteigerungen gut gestützt. Auch der Staatsverbrauch trug trotz Haushaltsüberschüssen zum Wachstum bei und der Außenbeitrag war bei besserer globaler und europäischer Konjunktur wieder positiv. 2017 sprangen auch endlich die Ausrüstungsinvestitionen an, die bislang überraschend schwach waren.

Risiken

Viele Risiken, die Anfang 2017 genannt wurden, stellten sich als nicht so kritisch dar, wie erwartet. Der neue US-Präsident Trump stimuliert das Binnenwachstum der USA durch Ankündigungen expansiver Maßnahmen und Deregulierung. Die protektionistischen Instrumente blieben dagegen (bislang) weitgehend im Schrank. Der Brexit wirkt offenbar langsamer als erwartet. Aber er wirkt (Wechselkurs, Inflation, Investitionen). Auch die französischen Wahlen brachten statt antieuropäischer Abschottung unter Le Pen eine proeuropäische Reformpolitik unter Präsident Macron. Die weiteren schwebenden Risiken (Ölpreis, Naher Osten, Venezuela, Russland/Ukraine, Asien, globaler Terror) wurden nicht schlagend.

Euroland 2017

Stattdessen entfalteten sich im Niedrigzinsumfeld der EZB und weiter greifenden Erfolgen der Strukturreformen in Südeuropa deutlich gestärkte Wachstumskräfte in Euroland. Mit einem realen BIP-Zuwachs von 2,5 Prozent lag das Wachstum 2017 hier sogar über dem der USA. Die Arbeitslosenrate in Euroland fiel zum Jahresende 2017 auf 8,7 Prozent. Dies ist ein ganzer Prozentpunkt niedriger als im Vorjahr und der niedrigste Wert seit Januar 2009. Die Euroland-Leistungsbilanz ist positiv, die Beschäftigung und die Produktion steigen und das Staatsdefizit fällt. Lediglich die Inflationsrate war in den letzten Monaten wieder rückläufig (Januar 2018: +1,3 Prozent  gegenüber dem Vorjahr) und bereitet der EZB weiter Kopfzerbrechen. Alles in allem ein äußerst gesundes Umfeld.

2018 – Ausblick

Auch für 2018 stehen alle Ampeln auf grün. Die Frühindikatoren (des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo), des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), des Bundesministeriums des Innern (BMI), der Europäischen Stabilitätsinitiative (ESI)) sind auf Rekordhöhen oder zumindest deutlich im expansiven Bereich. Weiter steigende Beschäftigung, steigende verfügbare Einkommen und moderate Verbraucherpreisentwicklungen stützen den Konsum, die hohe Kapazitätsauslastung wird die Ausrüstungsinvestitionen treiben, die absehbare Regierungspolitik wird ebenfalls die Finanzspielräume für eine leicht expansive Ausrichtung nutzen, ohne die Staatsverschuldung zu erhöhen und die stabile Konjunktur der Weltwirtschaft stützt den Export und den Außenbeitrag.

Risiken 2018 – Inflation und Italien

Zu viel Optimismus macht die deutsche Seele misstrauisch. Wir können wohl nicht anders. Wo liegen aber die Risiken für 2018? Neben den bleibenden, oben genannten Themen (Trump, Brexit, Geopolitik) könnte sich in diesem Jahr die Inflation überraschend zurückmelden. Derzeit sind die Inflationszahlen zwar weiterhin irritierend niedrig, doch das muss nicht so bleiben. Dabei ist weniger die hohe EZB-Liquidität das Problem als die hohe Kapazitätsauslastung, der Fachkräftemangel und steigende Rohstoffpreise. Diese könnten die Treiber der Preise sein.

Ende der Ankaufprogramme

Vor diesem Hintergrund erwarten wir Ende 2018 das Auslaufen der EZB-Ankaufprogramme, aber erst 2019 erste Zinsschritte und erst Ende 2020 den Einstieg in den Rückbau der EZB-Bilanz. Dagegen erwarten wir drei Zinsschritte der US-Notenbank in diesem Jahr. Daher halten wir die jüngste Stärke des EUR gegenüber dem US-Dollar für übertrieben und erwarten einen leichten Rückgang auf 1,18 USD/EUR in 12 Monaten.

Unruhe in Italien

Zuletzt aber noch ein Risikoverweis: Italien. Trotz erkennbarer Fortschritte in der Konjunktur bleibt die Produktivitätsentwicklung in Italien schwach, die Arbeitslosigkeit und die Staatsschulden hoch und die Effizienz von Staat und Politik eher gering. Italien wählt Anfang März 2018 ein neues Parlament. Die aktuellen Umfragen lassen keinen Mehrheitssieger erkennen. Eine Koalition wird nötig sein. Dabei sind die Parteien in Italien sehr zerstritten. Die derzeit zweitstärkste Gruppierung ist die „Fünf-Sterne Bewegung“, die antieuropäisch populistisch daher kommt. Möglich ist also, dass nach dem im letzten Jahr überstandenen Risiko der Frankreichwahlen in diesem Jahr Italien Unruhe in Euroland erzeugt. Aber vielleicht ist das auch schon wieder das Haar in der ansonsten köstlichen Suppe, der germanische Verdruss statt eines europäischen Genusses.

Torsten Windels

Der gebürtige Bremer studierte Wirtschafts­wissenschaften an der Universität Hannover. Windels begann seine Karriere bei der NORD/LB 1990 in der Abteilung Volkswirtschaft und wechselte anschließend zur niedersächsischen Staatskanzlei als Referent für Wirtschaft, Technologie und Verkehr. 1996 kehrte er zur NORD/LB zurück in die Abteilung Volkswirtschaft, die er seit Juli 2007 als Chefvolkswirt leitet.

Linkliste