„Chinesische Unternehmen lernen schnell dazu“

Ein Gespräch mit Dr. Jens Peter Lux, General Manager bei Butting (Shanghai) Co., Ltd.

Seit wann ist Butting in China aktiv und in welchen Geschäftsfeldern?

Dr. LuxButting war über seine Kunden im Anlagenbau schon seit den frühen neunziger Jahren auf dem chinesischen Markt präsent, zum Teil mit anspruchsvollen Montageprojekten. Ein eigenes Verkaufsbüro, ein „Representative Office”, eröffnete Butting im Jahr 2004 in Shanghai. Ein Jahr später, nach entsprechenden positiven Erfahrungen auf dem riesigen Markt, fällte Hermann Butting die Entscheidung, in Shanghai ein Lager für Rohre „made in Germany” und eine Fertigung zur Weiterverarbeitung der Rohre aufzubauen. Vor zwei Jahren gründeten wir dann ein zweites Werk in Tieling in Nordostchina.

Derzeit kommt es unter chinesischen Firmen zu einer Auslese.
Dr. Jens Peter Lux

Produzieren Sie in China?

Dr. LuxJa, allerdings keine Rohre. In unseren beiden chinesischen Werken haben wir uns auf den Behälterbau und den Rohrleitungsbau spezialisiert. Im Rohrleitungsbau schneiden wir in unseren Werkstätten Rohre nach Zeichnung des Kunden zu und verschweißen sie mit Bögen und Flanschen. Durch diese sogenannte Vorfertigung wird eine einfache, kostengünstige und fachgerechte Montage vor Ort gewährleistet. Auch komplette Montagen führen wir in China durch.

Wie entwickelt sich der chinesische Markt? Findet die in der hiesigen Presse häufig geschilderte Orientierung Richtung High End wirklich statt?

Dr. LuxDie chinesischen Unternehmen lernen schnell dazu. Der Markt ist nach wie vor gespalten: Es gibt neben einer Vielzahl sehr einfacher, „billiger” Produktionsstätten in den meisten Branchen auch einige Unternehmen, die in der Lage sind, weltweit problemlos im mittleren bis oberen Segment mitzumischen, und die – zum Teil mit Unterstützung des Staates – ganz klar das High End im Fokus haben.

Vor welchen Hürden stehen die chinesischen Unternehmen dabei?

Dr. LuxEs fehlt im gehobenen Bereich an der soliden Berufsausbildung und der jahrelangen Erfahrung, die die Arbeitskräfte in Deutschland mitbringen.

Welche Rolle spielt die Entwicklung des chinesischen Renminbi?

Dr. LuxDie starke Abwertung des Euro ist für die chinesischen Exporteure ein klares Hindernis, da sie für ihre Exporte immer weniger bekommen. Gleichzeitig sehen sie sich steigenden Preisen im chinesischen Markt gegenüber. Deshalb kommt es derzeit auch unter chinesischen Firmen zu einer gewissen Auslese, einem Strukturwandel. Firmen, die gut aufgestellt sind, kommen mit der Entwicklung mit. Firmen, die sich nur über „billig” qualifizieren konnten, haben mehr und mehr Probleme.

Ob in der Chemieindustrie, der Wasserwirtschaft, Solartechnik, Öl- und Gas-, Getränke- oder Papierindustrie: Jeder Leser kommt immer wieder mit Produkten in Berührung, die durch Butting-Rohre geleitet wurden. In allen Bereichen zählt das Unternehmen aus dem niedersächsischen Knesebeck bei Wolfsburg zu den weltweit führenden Anbietern von Rohren aus nicht rostenden Stählen. Die Kernkompetenzen des 1777 gegründeten Familienunternehmens mit Stammsitz in Deutschland bestehen in der Umform-, Schweiß- und Werkstofftechnik. Das global aufgestellte Unternehmen beschäftigt heute rund 2.000 Mitarbeiter. Weltweit, aber insbesondere in China punktet das Unternehmen mit Qualität „made in Germany“.

Wie reagiert Butting auf diese Entwicklung?

Dr. LuxDer Export fällt auch uns schwerer, was für uns aber insofern weniger ins Gewicht fällt, als unsere Zielmärkte China und Asien sind.

Wie reagieren Sie auf die steigenden Kosten im Inland?

Dr. LuxDarauf reagieren wir mit Weiterbildung der Mitarbeiter und Effizienzverbesserungen. War es vor fünf Jahren angesichts der niedrigen Löhne noch relativ unerheblich, ob Mitarbeiter effizient arbeiten, so spielt das heute bereits eine Rolle. Und dieser Trend wird sich angesichts der immer umfassenderen Arbeitsschutzgesetze und Sozialversicherungen weiter fortsetzen.

Was würden Sie Mittelständlern, die sich erst jetzt für China interessieren, empfehlen?

Dr. LuxWenn sie einfach und schnell im chinesischen Markt Fuß fassen möchten, sollten sie dort investieren, wo sich weitere internationale Firmen befinden, zu denen schon in der Heimat ein gutes Lieferanten-Kunden-Verhältnis besteht, und eine entwickelte Infrastruktur mitsamt einem guten Rechtssystem vorhanden ist; also insbesondere in Shanghai, Beijing oder Kanton. Wenn sie eine kostengünstige Produktion in China aufbauen wollen und Pioniergeist sowie gute chinesische Mitarbeiter mitbringen, sollten sie in eine noch wenig entwickelte Region ziehen, so wie wir das mit unserer zweiten Firma in Tieling gemacht haben.

Welchen Ruf genießt der deutsche Mittelstand in China?

Dr. LuxInsgesamt erleben wir es immer wieder, dass die Mehrheit der chinesischen Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten neben den guten Produkten auch eine gute Firmenkultur eines mittelständischen deutschen Unternehmens durchaus zu schätzen wissen und dann solchen Firmen auch die Treue halten.

„Mittelständler in China im Fahrwasser von Großkonzernen“

Ein Gespräch mit Frank Schwope, Analyst und Automobilexperte bei der NORD/LB.

Herr Schwope, der chinesische Automobilmarkt wächst nach wie vor, zeigt aber erste Anzeichen für eine Stagnation. Welche Chancen, aber auch Risiken bieten sich deutschen Automobilzulieferern in China?

SchwopeIch würde bei einem Wachstum von rund 9 Prozent nicht von Stagnation sprechen. In vielen Ländern wäre man über derartige Wachstumsraten mehr als glücklich. Natürlich ist eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von über 20 Prozent wie zwischen 2005 und 2011 langfristig nicht durchzuhalten. Je höher die Basis, desto geringer das Wachstum. Aber ich denke, dass wir in China auch in den nächsten Jahren Wachstumsraten zwischen fünf und zehn Prozent sehen werden, zumal der Nachholbedarf noch riesig ist.

Wer nicht mitgeht, verliert Aufträge und die Konkurrenz zögert nicht.
Frank Schwope

Wie kommt dies?

SchwopeWährend es in westlichen Ländern rund 500 bis 550 Autos pro 1000 Einwohner gibt, also rund jeder Zweite eines besitzt, kommen in China erst rund 50 Autos auf 1000 Einwohner. Das bedeutet im Umkehrschluss: Sollten die Chinesen eine Motorisierung wie im Westen erreichen, fehlen ihnen noch rund 600 Mio. Pkw. Die Chancen liegen insbesondere in der Größe des Marktes. Andererseits sind die Risiken gerade in einem anderen Kultur- und Sprachkreis besonders groß. Häufig diskutierte Problemfelder sind natürlich auch die Rechtssicherheit und die Probleme bezüglich der Patentrechte. Es gibt Beispiele, dass nicht nur Produkte, sondern ganze Fabriken kopiert wurden.

Folgen die Automobilzulieferer nur gezwungenermaßen den großen OEM oder ist der Umzug nach China eine Möglichkeit, sich permanent sinkenden Margen durch den Preisdruck der großen Hersteller zu entziehen?

SchwopeDer Preisdruck wird sicher auch in China zunehmen, aber durch die Produktion vor Ort bleibt ein Zulieferer kostenseitig konkurrenzfähiger. Zudem erwarten viele OEMs, dass die Zulieferer sie in die BRIC-Staaten begleiten. Wer nicht mitgeht, verliert Aufträge und die Konkurrenz zögert nicht.

Welche Rolle spielt der derzeit stattfindende Ausbau der Produktionsstätten vieler deutscher OEMs in den USA im Verhältnis zu den bestehenden in China?

SchwopeDer Produktionsauf- bzw. -ausbau in den USA ist losgelöst von China zu sehen. Der Trend geht ganz klar zu lokaler Fertigung. Man will dort produzieren, wo man auch verkauft – das Stichwort ist hier „Natural Hedging“, also der Wunsch, sich von Währungsrisiken zu entkoppeln. Insofern sind Autos, die in China produziert werden, auch für den dortigen Verkauf bestimmt.

Wie sieht es innerhalb der Zulieferbranche weltweit aus – findet derzeit noch eine Konsolidierung statt oder ist die Welle abgeflaut?

SchwopeKonsolidierung findet in jeder Branche permanent statt, die Welle wird maximal vorübergehend kleiner. Doch es wird immer Übernahmen im großen wie im kleinen Stil geben. In diesem Jahrzehnt wird es mit Sicherheit eine Welle von Übernahmen westlicher Unternehmen durch chinesische Konzerne geben. Chinesische Firmen haben prallvolle Kassen und sind auf der Suche nach attraktiven Übernahmezielen.

Welche Eigendynamik geht vom chinesischen Markt aus? Wie entwickeln sich die chinesischen Automobilzulieferer? Werden sie zu einer ernsthaften Konkurrenz für die deutschen Zulieferer?

SchwopeJe größer ein Binnenmarkt ist, desto größer werden in der Regel auch die heimischen Hersteller. China stellt knapp ein Fünftel der Weltbevölkerung. Das wird in den nächsten Jahren zu einer ziemlichen Dynamik der chinesischen Zulieferer und Hersteller führen. Noch sind die chinesischen Zulieferer keine ernstzunehmende Konkurrenz für die deutschen Unternehmen, genauso wenig wie die chinesischen Autobauer für Volkswagen und Co. Aber das wird sich natürlich in den nächsten Jahren ändern, weil die chinesischen Hersteller immer besser werden. Bereits heute gibt es viele Beispiele auch aus anderen Branchen, wie Chinesen bei europäischen Unternehmen auf Einkaufstour sind. Man nehme nur das Beispiel des PKW-Herstellers Volvo, der 2010 vom chinesischen Autobauer Geely für 1,8 Mrd. US-Dollar übernommen wurde. Geld, bei dem ich mich angesichts der Größe des Unternehmens frage, ob Geely es selbst verdient hat. Ab 2020, spätestens ab 2025 rechne ich allerdings damit, dass die chinesischen Konzerne zu einer ernsthaften Konkurrenz für die etablierten Unternehmen werden.

Was ist der Grund dafür?

SchwopeIn den nächsten zehn Jahren haben die Chinesen viel Zeit, Know-how auch über die Joint-Ventures zu erwerben. Darüber hinaus lassen sich in China sicherlich „auf Staatswunsch“ Großkonzerne einfacher schmieden als in den meisten anderen Ländern. Während sich gegenwärtig Toyota, General Motors und Volkswagen einen Wettlauf um den Titel „größter Autohersteller der Welt“ liefern, dürften 2025 auch chinesische Hersteller ganz weit vorne mitmischen. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass die meisten chinesischen Automobilhersteller regional verankert sind – was oft auch im Firmennamen zum Ausdruck kommt wie beispielsweise bei SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation). Selbstverständlich verfolgen diese Regionen auch Eigeninteressen.

Renault verkündete vor kurzem die Kooperation mit einem großen Hersteller in China. Was sind die Erfahrungen von Unternehmen wie Volkswagen in diesem Zusammenhang?

SchwopeRenault hat endlich einen neuen Partner gefunden. Das erste China-Abenteuer wurde für die Franzosen zu einem Alptraum. So konnte Renault 2011 in China lediglich 24.000 Autos verkaufen, während der Volkswagen-Konzern dort im gleichen Zeitraum 2,3 Mio. Autokäufer überzeugen konnte. Insgesamt machen die deutschen Hersteller recht positive Erfahrungen in China. Für Volkswagen und Audi ist es längst der wichtigste Absatzmarkt, für BMW und Porsche könnte dies in diesem, spätestens im nächsten Jahr der Fall sein und für Mercedes-Benz spätestens 2015. Das Problem trotz all dieser Erfolgszahlen ist aber, dass Autohersteller grundsätzlich mit maximal zwei chinesischen Partnern Joint Ventures gründen dürfen und hieran maximal 50 Prozent der Anteile halten können. Was aus chinesischer Sicht sehr clever ist, bedeutet für den ausländischen Partner die Teilung der Gewinne zwischen zwei Partnern sowie größeren Abstimmungsbedarf. Zudem gibt es immer wieder Patentverletzungen. Und wenn in einer gemeinsamen Pressemitteilung eines deutschen Joint Venture-Partners mit seinem chinesischen Partner explizit festgehalten wird, dass es solche Probleme nicht gab, dann spricht das eigentlich für sich.

Einige Zulieferer haben bereits Entwicklungszentren in China eröffnet. Unter welchen Bedingungen würden Sie dazu raten?

SchwopeAufgrund von Patentverletzungen und Raubkopien ist natürlich immer Vorsicht geboten. Deshalb erscheint es oft sinnvoll, die Entwicklung noch in Deutschland zu belassen. Zudem lässt sich durch eine Verlagerung von Forschungs- und Entwicklungsaufgaben nach China die Kostenseite oft nicht wirklich entlasten, was in der Produktion ganz anders ist. Plausibel ist eine Verlagerung nur dann, wenn man dort ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung hat und der chinesische Markt eine überragende Bedeutung hat.

Ist es für die bisher zurückhaltenden Unternehmen nun zu spät, erst jetzt über einen neuen Standort in China nachzudenken?

SchwopeAngesichts der Größe des Marktes und der noch relativ geringen Ausschöpfung desselbigen ist es nie zu spät, um über China nachzudenken. Allerdings hat es auch schon genügend enttäuschte Unternehmer gegeben, die frustriert ihre Werke in China wieder geschlossen haben.

Was hat sich häufig als erfolgsentscheidend herausgestellt, wenn Mittelständler das Abenteuer China angegangen sind?

SchwopeJe größer ein Unternehmen ist, desto leichter dürfte ihm der Erfolg fallen. Im Umkehrschluss ist es gerade für Mittelständler aufgrund ihrer limitierten Ressourcen oft schwieriger, in China erfolgreich zu sein. Ganz banal muss man zunächst einmal die sprachlichen und kulturellen Eigenheiten beherrschen. Dann muss man sicher auch Ausdauer haben. Volkswagen erntet jetzt die Früchte der Saat, die man Mitte der 80er Jahre ausgesät hat, indem man seinerzeit als erster westlicher Hersteller begann, in China Autos zu bauen. Gute Kontakte zu wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsträgern haben sich in China nie als hinderlich erwiesen. Gerade für Mittelständler ist es häufig gut, wenn sie im Fahrwasser eines Großkonzerns mitschwimmen können. Das erleichtert die Aktivitäten oft ungemein.

„Zunehmende Verwendung des Renminbi im Handel“

Sonja Michaelis ist Auslandsfirmenkundenberaterin und China-Expertin bei der NORD/LB in Hannover und beobachtet die Entwicklung der chinesischen Währung seit einigen Jahren.

Die Rolle des Renminbi auf der internationalen Bühne verändert sich. Welche Entwicklung sehen Sie?

MichaelisDie chinesische Regierung treibt derzeit die Nutzung des Renminbi als Handelswährung stark voran. Je mehr dessen Verwendung vereinfacht wird, desto mehr werden wir den Renminbi auch als Zahlungswährung im internationalen Handel sehen. Dahinter stecken natürlich die Bestrebungen der chinesischen Regierung, der zunehmenden Internationalisierung der eigenen Wirtschaft Rechnung zu tragen, sich von US-Dollar und Euro unabhängiger zu machen und den Renminbi als künftige Reservewährung zu positionieren. Auch der seit langem bestehenden Forderung der Weltwirtschaft nach einer Aufwertung des Renminbi kommt die chinesische Regierung in kleinen Schritten nach. Rückblickend betrachtet wurde die Währung seit 2005 gegenüber dem US-Dollar bereits um rund 25 Prozent aufgewertet.

Nun gibt es ja eine interne (CNY) und eine externe Währung (CNH). Wie funktioniert das System?

MichaelisGrundsätzlich gibt es nur eine chinesische Währung, also ein Zahlungsmittel, das in China verwendet wird, den Renminbi (RMB). Der Renminbi mit dem internationalen Währungskürzel CNY ist nicht frei konvertierbar und handelbar, darf allerdings inzwischen eingeschränkt im Zahlungsverkehr mit China verwendet werden. Derzeit sind nur handelsbezogene Zahlungen von und nach Festlandchina erlaubt sowie einige wenige Kapitaltransaktionen wie z.B. Gesellschafterdarlehen und Kapitaleinzahlungen. Daher führte man 2010 als frei handelbare und konvertierbare Variante des Renminbi in Hongkong den sogenannten Offshore-Renminbi (CNH) ein. Inzwischen hat sich Hongkong zum Handelszentrum für den Offshore-Renminbi entwickelt. Während der Kurs des CNY zum US-Dollar nur innerhalb einer festgelegten Handelsspanne von zur Zeit plus/minus einem Prozent um den täglich von der chinesischen Zentralbank festgelegten Referenzwert schwanken darf, bildet sich der Kurs des CNH am Markt, ist aber eng an den CNY-Kurs angelehnt.

Die Chinesische Regierung kommt der Forderung nach einer Aufwertung des Renminbi nach.
Sonja Michaelis

Mit der Einführung des „RMB Trade Settlement Scheme“ versucht die Regierung seit 2009 ein CNY-denominiertes Handelsvolumen aufzubauen. Was ist der Hintergrund dieser Entwicklung?

MichaelisWie gesagt, die chinesische Regierung will die Internationalisierung des Renminbi vorantreiben. Seit Einführung des RMB Trade Settlement Scheme ist es überhaupt erst möglich, den Renminbi als Währung im grenzüberschreitenden Handel zu nutzen. Dies war also ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Liberalisierung des Renminbi bis hin zu einer frei konvertierbaren und handelbaren Währung. Derzeit nutzen schon 31 Länder den Renminbi für zehn Prozent ihrer Zahlungen mit China. Damit lag der Renminbi laut SWIFT-Statistik über die für Zahlungen am meisten genutzten Währungen im Juli 2012 auf Rang 15. Das ist im Vergleich zum Vorjahr immerhin eine Verbesserung um sieben Plätze. Bis der Renminbi als Zahlungswährung zu Euro und US-Dollar aufschließen kann, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Je nachdem, wie sich chinesische Wirtschaft und Weltwirtschaft entwickeln, wird mit einer vollständigen Konvertibilität des Renminbi und damit einer frei handelbaren chinesischen Währung erst in fünf bis zehn Jahren gerechnet.

Was ist die Funktion der NORD/LB beim Trade Settlement Scheme? Was sind die Vorteile für den Kunden?

MichaelisWir führen für unsere Kunden im Rahmen dieses Trade Settlement Scheme über unsere chinesischen Korrespondenzbanken Zahlungen in Renminbi nach und von China aus. Wer als deutsches Unternehmen Import- oder Exportgeschäfte in Renminbi abschließen kann, verschafft sich dadurch eine bessere Verhandlungsbasis und Wettbewerbsvorteile, da man dem chinesischen Vertragspartner das Währungsrisiko abnehmen kann. Beispielsweise können Importeure aus Deutschland so häufig günstigere Preise bei ihren chinesischen Lieferanten durchsetzen. In aktuellen Umfragen haben viele chinesische Unternehmen angegeben, in Zukunft ihren Kunden bei Fakturierung in Renminbi einen Preisnachlass gewähren zu wollen.

Was gilt es bei Geschäften in China zu beachten? Welchen Einfluss nimmt die Regierung dabei und welche Instrumente hat sie zur Verfügung?

MichaelisDas ist eine komplexe Frage. Die chinesische Regierung greift an verschiedenen Stellen regulierend ein und nutzt ihre Möglichkeiten zur Steuerung. Diese Einflussnahme reicht von verschiedenen Genehmigungserfordernissen, z.B. bei Fremdwährungsgeschäften oder Cross-Border-Zahlungen in Renminbi, bis hin zur Beeinflussung der regionalen Entwicklung durch Förderprogramme, Steuer- und Investitionsanreize, wie im Rahmen der sog. „Go-West“-Kampagne. Im Investitionslenkungskatalog legt die chinesische Regierung genau fest, in welchen Branchen und Industriezweigen ausländische Investitionen gefördert werden, eingeschränkt oder verboten sind. Außerdem nutzt das Land geldpolitische Instrumente wie vorgegebene Zinssätze und Mindestreservesätze für Banken. Zur Eindämmung der Inflation schränkt die Regierung mitunter auch direkt die Neukreditvergabe der Banken ein. Das Spektrum ist also sehr vielseitig.

Welche Produkte und Dienstleistungen in Renminbi bietet die NORD/LB an?

MichaelisWir bieten unseren Firmenkunden Fremdwährungskonten und Zahlungsverkehr sowie Export- und Import-Akkreditive, Inkassi und Garantien in beiden Ausprägungen des Renminbi an – also für Transaktionen mit Festlandchina in Onshore-Renminbi (CNY) und mit anderen Ländern weltweit in Offshore-Renminbi (CNH). Für den Offshore-Renminbi (CNH) bieten wir zusätzlich Kurssicherungsgeschäfte und Termineinlagen an.

Welche Dienstleistungen bietet die NORD/LB Unternehmen in China?

MichaelisDie Niederlassung der NORD/LB in Shanghai verfügt über eine Vollbank- und eine Renminbi-Lizenz und bietet unseren Firmenkunden vor Ort eine breite Palette an Produkten und Dienstleistungen an. Diese reichen von der Kontoführung über Zahlungsverkehr, Devisengeschäfte und Einlagen in Lokal- und Fremdwährung bis hin zu Handelsfinanzierungen inklusive der Abwicklung von Akkreditiven, Inkassi und Garantien. Auch Finanzierungen für Betriebsmittel, Investitionen und Projekte stellt die NORD/LB in Shanghai zur Verfügung. Beratend steht das Team des German Desk unseren Kunden vor Ort zur Seite.

Was hat es mit dem German Desk auf sich?

MichaelisSo wie unsere Firmenkundenbetreuer hier in Hannover und in unseren deutschen Niederlassungen ihre mittelständischen Kunden beraten, begleiten unsere Kollegen des German Desk deren Tochterunternehmen auf chinesischer Seite. Sie stehen in der NORD/LB Shanghai als deutsch-, englisch- und chinesischsprachige Ansprechpartner zur Verfügung, beraten über das Leistungsangebot unserer Niederlassung und unterstützen darüber hinaus auch mit Informationen, z.B. zu Genehmigungs- und Meldeerfordernissen, oder mit der Vermittlung von Kontakten zu anderen Dienstleistern. Als Pendant auf deutscher Seite – man könnte auch sagen als „China Desk“ – fungieren dabei wiederum die Auslandsfirmenkundenberater hier in Hannover. Auf diese Weise können wir deutsche Unternehmen, die auch in China vertreten sind, über die Grenzen hinweg ganzheitlich beraten und begleiten.