Dr. Smartphone und seine virtuellen Helfer

Gesundheits-Apps liefern mehr als nur Rat und Tat für unterwegs. Sie erleichtern das Leben vieler Patienten und tragen mit dazu bei, die Kostenexplosion im Gesundheitswesen in Grenzen zu halten.

Selbstverständlich ersetzen die Gesundheits-Apps keinen Arzt aus Fleisch und Blut, wohl aber erleichtern sie dessen Arbeit.

Am Anfang war die Fitness. Wer als passionierter Jogger wissen wollte, mit welchen Pulswerten er seinen Halbmarathon meistert und wie viele Kalorien dabei verbrannt werden, der lud sich eine der zahlreichen Apps für Hobbysportler auf sein Smartphone. Das brachte die Entwickler auf den Plan. Wenn Informationen über Puls- und Herzfrequenz auf diese Weise zuverlässig und für den Benutzer verständlich ermittelt und dargestellt werden können, dann lassen sich die Einsatzmöglichkeiten der kleinen Zusatzprogramme doch auch auf den medizinischen Bereich übertragen. Schließlich müssen Millionen von Deutschen regelmäßig ihren Blutdruck messen, daran erinnert werden, ihre Medikamente pünktlich einzunehmen, oder den Insulinspiegel kontrollieren. Die Idee für die Gesundheits-Apps war geboren.

Zahl der Gesundheits-Apps explodiert

Innerhalb kürzester Zeit schnellte ihre Zahl in die Höhe. Allein im Jahr 2011 verdreifachte sich laut Hightech-Verband BITKOM das Angebot in Deutschland auf rund 15.000. Ende 2012 gab es im Online-Shop Google Play über 21.000 Apps für Smartphones mit dem Betriebssystem Android. Weltweit sind laut einer Schätzung des Beratungsunternehmens research2guidance knapp 100.000 dieser Apps im Angebot, 58 Prozent davon sogar kostenlos – dabei können die Grenzen zwischen Programmen für Fitness, gesunder Ernährung und medizinischer Hilfestellung recht fließend sein. 247 Millionen User gibt es bereits, die mindestens eine dieser mobilen Health-Apps heruntergeladen haben. Deren Siegeszug wäre ohne den ungebremsten Boom bei Smartphones undenkbar. Denn mittlerweile sind über 40 Prozent der Bevölkerung hierzulande im Besitz eines solchen elektronischen Alleskönners und es werden täglich mehr.

Grenzenlose Anwendungsmöglichkeiten

Dr. Smartphone kommt fast überall zum Einsatz. Ob bei Hörtests, als Ratgeber für Rückenübungen oder sogar zur Überwachung der Gesundheit von Schwangeren und ihren ungeborenen Babys, die Einsatzmöglichkeiten scheinen schier grenzenlos zu sein. Ebenso die Bereitschaft vieler Menschen, via Internet Informationen zu medizinischen Fragen einzuholen. Schon heute gehen 35 Prozent aller Patienten vor dem eigentlichen Besuch in der Praxis ins Netz, um nach Antworten für ihre Gesundheitsprobleme zu suchen, so der Bundesverband Internetmedizin. Schließlich will man nicht gleich zum Arzt rennen, wenn der Magen einmal grummelt oder die Nase läuft. Zudem hat diese Praxis quasi 24 Stunden am Tag Sprechstunde. Besonders chronisch Kranke können von den zahlreichen Apps profitieren und sich so manchen Weg zum Doktor sowie lange Wartezeiten ersparen. Für Heuschnupfengeplagte gibt es beispielsweise Pollenflug-Apps, die genau anzeigen, was Allergikern wann und wo genau an Ungemach droht, und ihnen konkrete Tipps zur Vorsorge geben.

Aufrüstung hat erst begonnen

Und mit ein wenig Zubehör lassen sich Smartphones zu technischen Hilfsmitteln mit hoher Alltagstauglichkeit aufrüsten. Aktuell gibt es Messgeräte für Blutzucker, Körpertemperatur oder Blutdruck, die einfach an das Mobiltelefon angeschlossen werden und Aufschluss über den persönlichen Gesundheitsstatus geben. Sie eignen sich hervorragend zur Übermittlung und Speicherung individueller Patientendaten und sind laut Stiftung Warentest genauso zuverlässig und akkurat wie herkömmliche, aber unhandlichere und deutlich teurere Geräte.

Standards noch zu entwickeln

Selbstverständlich ersetzen die Gesundheits-Apps keinen Arzt aus Fleisch und Blut, wohl aber erleichtern sie dessen Arbeit. Zudem lassen sich auf die virtuelle Weise gerade in dünn besiedelten Regionen mit einer geringen medizinischen Versorgungsdichte zahlreiche Standardaufgaben erledigen, die ansonsten einen höheren Personal- und Kostenaufwand benötigen. So können dank der oft sehr intuitiven und daher für jedermann verständlichen Apps Therapiepläne besser eingehalten, die Medikamenteneinnahme kontrolliert sowie die Körpertemperatur gemessen und dokumentiert werden. Zwar sind die Einsatzmöglichkeiten des Doktors aus dem Mobiltelefon in Deutschland aufgrund fehlender Standards sowie nicht vorhandener Qualitätssiegel derzeit noch etwas eingeschränkt. Und je komplexer die Anwendung, umso heikler die Informationen, warnen Datenschutzexperten. Aber der demografische Wandel, der Zwang, Kosten zu sparen, und die zunehmend eingeforderte Selbstverantwortung der Patienten werden die Entwicklung auf jeden Fall beschleunigen. Weltweit wächst der Markt mit Produkten aus dem Bereich „Mobile Health“ bereits gewaltig. Laut einer aktuellen Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) werden damit in diesem Jahr wohl Umsätze in einem Volumen von 4,5 Milliarden Dollar generiert. 2017 sollen es bereits 23 Milliarden Dollar sein. Dabei wird der Umsatz an App-Downloads nur neun Prozent betragen, der Löwenanteil wird mit Einnahmen aus angrenzenden Produkten und Dienstleistungen erzielt. Die mobile Revolution im Gesundheitswesen hat also gerade erst begonnen.

Nach der internationalen Studie "Emerging mHealth: Paths for growth" der Beratungsfirma PricewaterhouseCoppers (PwC) sehen rund 59 Prozent der Ärzte die enormen Potenziale von Mobile Health, kurz mHealth, für das Gesundheitswesen und glauben, dass sich mobile Gesundheitsdienstleistungen durchsetzen werden. Allerdings wird es noch Zeit brauchen, bis sich die Innovationen flächendeckend etabliert haben, so die zentralen Ergebnisse der Studie. Vor allem im Hinblick auf künftige Versorgungsengpässe durch den demografischen Wandel wird mHealth eine zentrale Rolle spielen. Als größte Hürden für mHealth nennt die Studie die konservative Haltung der Gesundheitsbranche gegenüber Neuerungen, unterschiedliche Interessen von Patienten und Ärzten sowie eine grundlegende Skepsis in den Industrienationen. In Deutschland wissen die Patienten zudem nur wenig über die Möglichkeiten mobiler Anwendungen, während bei den Ärzten vor allem Vorbehalte hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz bestehen.

„Eine völlig neue Qualität für die Branche“

Ein Gespräch mit Christian B. Teig, Vorstand Finanzen der CompuGroup Medical in Koblenz.

Den Gesundheitssystemen aller entwickelten Länder geht es schlecht. Wie kommt das?

TeigWenn man sich auf der Welt umschaut, sieht man eine bizarre Situation. Rund um den Globus wird die Gesundheitspolitik in den einzelnen Ländern völlig unterschiedlich ausgestaltet – und dennoch gelingt es keinem Land auf der Welt, die Kosten dafür in den Griff zu kriegen. Jetzt kommt noch hinzu, dass die Generation der Babyboomer ins Rentenalter kommt und damit die Kosten noch einmal massiv steigen werden. In den USA betragen die Kosten für Gesundheitsvorsorge bereits heute 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – und dennoch sind die Leistungen, die Patienten dafür erhalten, oft alles andere als herausragend. Im Land von Microsoft und Apple gibt es tatsächlich noch viele Ärzte, die ihre Patientenakten komplett per Hand führen – da gibt es keinen Computer.

... zählt zu den führenden internationalen Anbietern von eHealth-Lösungen. Im Jahr 2012 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 451 Millionen Euro und wuchs damit gegenüber dem Vorjahr um knapp 13 Prozent, das EBITDA stieg sogar um 44 Prozent von 73 auf 105 Millionen Euro. Derzeit entwickeln rund 3.600 Mitarbeiter in 19 Ländern weltweit Softwarelösungen für das Gesundheitswesen – sowohl für Patienten wie auch für Ärzte oder Apotheker. Weltweit beliefert die CompuGroup Medical 385.000 Kunden. Der Hauptsitz des Konzerns ist in Koblenz.

Christian B. Teig
Eine der größten Herausforderungen in Deutschland ist mit Sicherheit die Tatsache, dass das Land im Bereich digitalisierter medizinischer Leistungen noch vielen Ländern hinterherhinkt.

Wie trägt die Firma CompuGroup Medical dazu bei?

TeigDer Markt ist zwar sehr fragmentiert und es gibt große und kleine Anbieter, aber die Leistung, die beispielsweise ein allein praktizierender Arzt und ein Krankenhaus in Sachen Abrechnung benötigen, ist ähnlich. Unsere Softwarelösungen können bei großen wie bei kleinen Einheiten eingesetzt werden. Interessant an der Digitalisierung finde ich im Übrigen auch, dass das medizinische Wissen rund um den Globus universal vorhanden ist, der Umgang damit jedoch von Land zu Land völlig verschieden. Stellen Sie sich eine Welt vor, in der wir dieses Wissen allen zugänglich machen könnten. In abgelegenen Landstrichen Afrikas beispielsweise gibt es ja schon sehr interessante Versuche mit E-Learning über Handy. In der Entwicklung unserer Software haben wir einen Standard auf den Markt gebracht, den man je nach Bedarf zu einer uniquen Lösung umgestalten kann.

Wie hat sich die CompuGroup Medical in den letzten Jahren entwickelt?

TeigUnser Firmengründer, Frank Gotthardt, war in den achtziger Jahren einer der Allerersten, die elektronische Systeme für die Gesundheitsbranche entwickelt haben. Mit dem Aufkommen des Internets wurde ihm klar, welches Potenzial sich weltweit dahinter verbirgt. Er war ein echter Pionier und davon profitieren wir bis heute. Die CompuGroup Medical ist seit 2003 exponentiell gewachsen. Wir sind recht optimistisch, dass dies auch in den nächsten zehn Jahren so weitergehen wird und wir unsere globale Marktführerschaft nicht nur halten, sondern sogar ausbauen können. Künftig wird es ein USP für Ärzte sein, wenn sie auch online verfügbar sind. Dabei werden wir ihnen helfen.

Wer benutzt die Lösungen der CompuGroup Medical und was sind die Herausforderungen hier in Deutschland?

TeigZu unseren Kunden zählen Ärzte, die pharmazeutische Industrie, aber auch der öffentliche Sektor. Eine der größten Herausforderungen in Deutschland ist mit Sicherheit die Tatsache, dass das Land im Bereich digitalisierter medizinischer Leistungen noch vielen Ländern hinterherhinkt. Nehmen wir den Bereich Chat-basierter Arztbesuch. In Dänemark ist diese Variante des Arztbesuchs heute ein gesetzlich vorgeschriebener Standard, den Ärzte ihren Patienten bieten müssen. Dafür bedarf es aber einer Plattform, die vor externen Zugriffen schützt, denn nichts ist pikanter als Patientendaten. Also müssen wir hier Lösungen entwickeln. Vielen Patienten in Deutschland mag das noch seltsam vorkommen, doch die Vorteile für beide Seiten liegen auf der Hand. Wir buchen im Internet Reisen und chatten mit Freunden – warum sollte nicht auch der Kontakt zum Hausarzt über dieses Medium funktionieren?

Wann wird sich das auch hierzulande ändern?

TeigDie großen Bedenken liegen in Deutschland wie gesagt in erster Linie im Bereich des Datenschutzes – doch das ist nun geregelt. Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte wurde bereits 2003 beschlossen, doch wirklich ausgegeben wird sie erst seit Oktober 2011. Es zeigte sich, dass die Mischung aus vielen Beteiligten und unterschiedlichen Anforderungen an die Gesundheitskarte ihre Einführung sehr komplex machen. Außerdem soll in diesem Zuge eben auch die Telematikinfrastruktur eingeführt werden, die eHealth-Anwendungen ermöglicht. Und das ist die abhörsichere Datenautobahn, auf der später all diese Einzeldaten hin und her geschickt werden. Doch bei 80 Millionen Einwohnern dauern solche Dinge natürlich länger.

Und was passiert nun?

TeigDeutschland sollte hier dringend seinen Abstand zu den anderen Ländern aufholen. Nachdem nun die Infrastruktur beschlossene Sache ist, geht es darum, möglichst viele Ärzte möglichst zügig für die Nutzung des Internet zu begeistern. Der durchschnittliche Arzt hat 1.000 Patienten in der Kartei, doch bis allein 200 von diesen ihn über das Internet kontaktieren, dürfte es noch ein wenig dauern.

Wie sehen die anderen Stakeholder des Systems diese Entwicklung?

TeigDie Krankenkassen haben natürlich großes Interesse daran, denn sie erhoffen sich eine weitere Reduzierung der Kosten, doch die sind nicht der einzige Aspekt. Wenn man sich die gesamte Wertschöpfungskette in der Gesundheitsbranche ansieht, lässt sich durch die nahtlose Bereitstellung von Informationen und Daten über Gesundheit und Krankheiten eine völlig neue Qualität in der Gesundheitsbranche verwirklichen. Im Rahmen all dieser Bemühungen wird das Ziel künftig sein, den Fokus auf die Prävention bzw. die Früherkennung von Krankheiten zu legen – allein damit lassen sich Milliarden sparen. Zudem ermöglichen die Onlinedienste es der Branche, den Patienten aktiv in die Pflege seiner eigenen Gesundheit einzubinden. Wir führen beispielsweise mit SAM Diabetes ein innovatives Projekt zur Diabetes-Versorgung mit der Knappschaft-Bahn-See im Saarland und in Nordrhein-Westfalen durch. Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass die meisten Ärzte weitaus weniger skeptisch sind, als wir anfangs dachten.

Also ist alles in Ordnung mit dem Gesundheitssystem in Deutschland?

TeigDas System an und für sich ist gut und auch sicher leistungsfähiger als in vielen anderen Ländern. Doch aufgrund des demographischen Wandels muss jetzt viel getan werden, damit diese Qualität auch künftig noch geboten werden kann.

Zur Person

...(48) ist seit 2008 Finanzvorstand der CompuGroup Medical AG in Koblenz. Zuvor führte er als CEO die norwegische, börsennotierte Profdoc ASA, die CompuGroup übernommen hat. Teig hat die in der Healthcare IT tätige Profdoc mehr als acht Jahre lang geleitet. Er erwarb 1990 den Bachelor of Science der University of California, Santa Barbara und im Jahre 1995 seinen MBA-Titel der INSEAD, Frankreich. Vor dem Beginn seiner Tätigkeit bei Profdoc im Jahre 2000 war er im Bereich Technologie für die norwegische Norsk Data und als Unternehmensberater für McKinsey & Company tätig.
 

„Ein neuer Markt mit vielen Veränderungen“

Interview mit Dr. Pablo Mentzinis, Bereichsleiter Public Sector sowie E-Health-Experte beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM).

Smartphones und Tablet-PCs sind auch im Gesundheitswesen kaum mehr wegzudenken. Zudem gibt es eine schier unüberschaubare Zahl so genannter Health-Apps. Wie lassen sich diese sinnvoll einsetzen?

Dr. MentzinisZum einen im Bereich Prävention. Unter dem Stichwort „Quantified Self“ können die Nutzer alles erfassen, dokumentieren und kommunizieren, was sie unternehmen, um fit zu bleiben. Dank meiner App weiß ich zum Beispiel, wie viele Kilometer ich pro Woche gelaufen bin, und kann die Ergebnisse anschließend in einem sozialen Netzwerk wie Facebook posten, um mich mit anderen darüber auszutauschen. Das hat ganz klar nicht nur eine kontrollierende, sondern darüber hinaus auch eine motivierende Funktion. Zum anderen lassen sich wichtige Vitalwerte wie Blutdruck oder Blutzucker mit Hilfe einer App messen, protokollieren und versenden. Dafür sind aber oftmals entsprechende Zusatzgeräte notwendig.

In Zukunft werden Praxisverwaltungssysteme und die mobilen Geräte viel stärker miteinander kooperieren.
Dr. Pablo Mentzinis

Woran kann ich erkennen, ob diese Apps oder Zusatzgeräte leisten, was sie versprechen?

Dr. MentzinisLeider sind wir in Deutschland noch nicht so weit wie in anderen Ländern. In den Vereinigten Staaten achtet die staatliche Arzneimittelzulassungsbehörde FDA auf die Einhaltung von Qualitätskriterien. Hierzulande gibt es bisher nur das CE-Zeichen, das allenfalls einer Herstellererklärung gleicht. Aber an der Entwicklung von Gütesiegeln wird derzeit intensiv gearbeitet. Gerade bei den Apps ist der Markt noch neu und daher schnellen Veränderungen unterworfen. Deshalb sollte man gerade bei der Anschaffung von Zusatzgeräten auf bekannte Markennamen setzen. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, sich als Verbraucher umfassend zu informieren, beispielsweise bei der Stiftung Warentest.

Gibt es bald die App auf Rezept?

Dr. MentzinisDie App auf Rezept ist nicht das eigentliche Thema. Schließlich kosten die entsprechenden Programme für das Smartphone nur wenige Euro. Deutlich teurer sind die Zusatzgeräte. Da blockieren die Krankenkassen noch und übernehmen derzeit keine anfallenden Kosten. Dabei ist der Ersparnisfaktor gerade bei der Überwachung von Patienten mit chronischen Leiden oder bei der Versorgung in Regionen mit einer schwachen medizinischen Infrastruktur ausgesprochen hoch.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Dr. MentzinisWie so oft stellt sich dabei die Frage, was einem wichtiger ist: die Vertraulichkeit der Daten oder eine bestmögliche Versorgung. Gerade chronisch Kranke oder Pflegebedürftige in Gebieten mit geringer Ärztedichte dürfte das Problem relativ wenig interessieren. Sie wollen optimale Hilfe, und das rund um die Uhr. In Skandinavien, wo elektronische Patientenakten seit über zehn Jahren flächendeckend üblich sind, gibt es Bedenken wie die hierzulande nicht. Aber entsprechende Verschlüsselungstechniken, wie sie bereits beim Online-Banking üblich sind, könnten einen Lösungsansatz darstellen.

Wie wird die Zukunft von Mobile Health aussehen?

Dr. MentzinisIn Zukunft werden Praxisverwaltungssysteme und die mobilen Geräte viel stärker miteinander kooperieren. Wichtig ist dabei die Entwicklung von technischen Standards, so dass die Apps und Zusatzgeräte mit der Technik der behandelnden Arztpraxen reibungslos kommunizieren und alle relevanten Patientendaten in Echtzeit übertragen können.

Zur Person

... leitet beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien e. V. (BITKOM) das Public Sector Team und ist verantwortlich für die Bereiche E-Government und E-Health.  Nach Stationen in Brüssel (EU-Kommission), Paris und Köln arbeitet Dr. Mentzini seit August 2000 beim BITKOM Verband in Berlin. Er studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Trier und Nancy und promovierte im Europarecht (DFG-Stipendium).

Weiterführende Links