Filmriss: Digitale Fotografie

Der Siegeszug der digitalen Fotografie stürzte einstige Industrie-Ikonen wie Kodak oder Agfa vom Thron. Das eigentliche Geschäft machten die Konkurrenten aus Asien sowie branchenfremde Unternehmen. Heute hat sich das Blatt erneut gewendet.

Experten beschwören bereits das Ende der klassischen Apparatefotografie.

„Sie drücken auf das Knöpfchen, wir erledigen den Rest“ – mit diesem Slogan stieg Kodak zum Weltmarktführer der Fotografie auf und setzte Maßstäbe in Sachen Kundenorientierung. Wie kein zweites Unternehmen verstanden es die Amerikaner, Millionen von Menschen zu begeisterten Hobbyknipsern zu machen. Dabei hatten sie stets die Finger am Puls der Zeit. Mit dem Kodachrome-Farbfilm und der Instamatic mit ihrem Kassettenfilmsystem reihte sich eine Innovation an die andere. Trotzdem war man irgendwann nicht mehr im Bilde und verpasste den Anschluss an die digitale Welt.

Digitalfotografie kam ursprünglich von Kodak

Das Pikante dabei: Die neue Technik wurde im eigenen Hause erfunden. Bereits 1975 hatte der junge und passionierte Entwickler Steven Sasson bei Kodak die allererste Digitalkamera zusammengeschraubt. Zwar konnte sie nur Schwarzweißbilder in einer Auflösung von 0,1 Megapixeln machen, doch schon 23 Sekunden später waren diese auf einem Fernseher zu sehen. „Aber das Interesse war gleich null“, brachte Sasson die Ignoranz der Verantwortlichen von damals auf den Punkt. Kein Firmenchef bekam die bahnbrechende Neuerung überhaupt zu Gesicht.

Konventionelle Fotografie fristet Schattendasein

Und sogar als Sony 1982 mit der Mavica und Apple 1994 mit der QuickTake die allerersten erschwinglichen Digitalkameras auf den Markt brachten, schenkte Kodak dem sich abzeichnenden Trend kaum Beachtung. Kurz vor der Jahrtausendwende begann man dann zögerlich, erste eigene digitale Produkte anzubieten, glaubte aber weiter fest daran, dass der analogen Technik und ihren Produkten nach wie vor eine Zukunft beschert sei. Doch da war der Zug bereits abgefahren. Während der weltweite Absatz von Digitalkameras von 5,1 Millionen im Jahr 1999 auf seinen Höchststand von 121,5 Millionen im Jahr 2010 hochschnellte, war mit dem Verkauf von konventionellen Kameras schon 2007 so gut wie Schluss.

Boom in der Nische

Kodak war nicht der einzige Industrieriese, den die digitale Fotografie auf Talfahrt schickte. Auch Agfa und andere gerieten ins Trudeln, weil sie das Konsumentenverhalten im postanalogen Zeitalter völlig falsch eingeschätzt hatten. „Die Verbraucher wollen schöne, klare Papierabzüge“, behauptete noch 2002 Fuji-Chef Minoru Onishi. Damit lag er jedenfalls gründlich daneben, denn nicht einmal ein Zehntel aller digitalen Bilder wird überhaupt ausgedruckt. Zudem machten ihnen branchenfremde Unternehmen wie Epson oder Hewlett-Packard das Geschäft mit entsprechenden Fotodruckern und Verbrauchsmaterialien durchaus streitig. Aber während Agfa seine Fotosparte 2004 verkaufte und Kodak 2012 Insolvenz anmelden musste, hatten andere offensichtlich mehr Glück. CEWE Color erkannte die Chancen und passte sein Geschäftsmodell rechtzeitig den technologischen Möglichkeiten an. Der Fotodienstleister wandelte sich vom reinen Bildentwickler zum expandierenden Anbieter von Fotobüchern. Laut dem Photoindustrie-Verband wurden 2005 in Deutschland gerade einmal 150.000 Stück davon verkauft, 2012 waren es bereits 7,2 Millionen.

Die Revolution frisst ihre Kinder

Nun scheint die digitale Revolution ihre eigenen Kinder zu fressen. Über Jahrzehnte hinweg konnten asiatische Konzerne wie Canon, Nikon oder Pentax das internationale Fotogeschäft beherrschen und dabei die einst technologisch führenden Hersteller aus Deutschland restlos vom Markt fegen. Namen wie Rollei oder Voigtländer wecken heute allenfalls nostalgische Gefühle. Und auch Newcomer wie Sony, Panasonic und Samsung sicherten sich ein großes Stück des jahrelang immer größer werdenden Kuchens Digitalfotografie. Jetzt aber drohen einige Platzhirsche aus Asien selbst Opfer eines Technologiewechsels sowie des sich rapide wandelnden Konsumentenverhaltens zu werden.

Smartphone statt Digitalkamera

Denn gerade die Hobbyknipser greifen immer häufiger auf das Smartphone zurück, wenn es darum geht, schnell mal ein Foto zu schießen. Zudem lassen sich die mit den mobilen Alleskönnern gemachten Aufnahmen sofort in einem der populären sozialen Netzwerke wie Facebook oder Google+ hochladen und posten. Die noch vor wenigen Jahren als großer Fortschritt gefeierte Bearbeitung am heimischen Computer entfällt dadurch. Allein in Deutschland sank die Zahl der abgesetzten Kameras von 9,3 Millionen Stück im Jahr 2008 auf zuletzt unter 7,4 Millionen. Im gleichen Zeitraum nahm dagegen das Verkaufsvolumen von Mobiltelefonen mit eingebauter Kamera um ein Drittel auf über 29,0 Millionen zu. Weltweit schrumpfte der Markt für Digitalkameras seit 2010 sogar um rund 20 Prozent, was den erfolgsverwöhnten asiatischen Anbietern rote Zahlen und abstürzende Börsenkurse bescherte. Experten beschwören deshalb bereits das Ende der klassischen Apparatefotografie.

CEWE Color: Am Drücker durch permanente Innovation

Die Erfolgsstory von CEWE Color reiht sich ein in die vielen erfolgreichen Gründungen der Nachkriegszeit, in der gewiefte Unternehmer mit Tüchtigkeit, Innovationskraft und Durchhaltewillen viele der mittelständischen Firmen gründeten, um die uns die Welt heute beneidet: die Welt der Hidden Champions war geboren. Eines dieser Unternehmen ist die in Oldenburg ansässige CEWE Color, die nach einer längeren Häutung vom analogen zum digitalen Anbieter heute europäischer Marktführer in Sachen Fotobücher ist. Daneben bietet das Unternehmen unter anderem noch Grußkarten, Fotokalender und Fotogeschenke. Und: Neuerdings ist man in Oldenburg auch in Sachen Digitaldruck aktiv.

Die zunehmende Digitalisierung der Fotoindustrie führt auch bei CEWE Color zu starken Veränderungen.

Ursprünglich beginnt alles mit einem Fotostudio, das Carl Wöltje um die Jahrhundertwende in Oldenburg gründet. Dieses übernimmt nach dem Krieg sein Schwiegersohn Heinz Neumüller, der 1961 die CEWE-Color-Betriebe im Stammhaus Carl Wöltje in Oldenburg gründet. Zu Ehren seines Schwiegervaters macht er dessen Initialen „CW“ zum Firmennamen – „CEWE“ ist geboren. Doch Heinz Neumüller übernimmt mehr als nur die Firma seines Schwiegervaters, denn hinter dem Unternehmen steckt seit jeher ein ganz bestimmter Geist der Innovation. Diesem folgend – und der Erkenntnis, dass Innovation und Erneuerung nach vorne weisen, statt gefährlich zu sein, leitet man 1964 bewusst den Übergang von der Schwarzweiß- zur Farbfotografie ein und errichtet ein Labor mit 4.000 qm Produktionsfläche.

Die nächsten zwanzig Jahre geht es dann Schlag auf Schlag. So führt das erfolgreiche Wachstum im Inland dazu, dass man sich 1971 für die erste Erschließung eines ausländischen Marktes in den Niederlanden entscheidet. Zugleich bleibt der inländische Markt permanent in Bewegung und so folgt 1973 die Fusion mit der Vereinigten Color in Hamburg und Bremen: Die Firmenbezeichnung lautet von nun an Vereinigte CEWE-Color-Betriebe, Firmensitz ist Oldenburg.

1975 schließlich übernimmt das Unternehmen die Laborbetriebe Koliphot aus Nürnberg sowie die Nordcolor aus Lübeck. Die CEWE-Color-Gruppe entwickelt sich dadurch zum führenden Farb-Großlabor der Bundesrepublik. Zugleich schreitet die Auslandsexpansion durch den Aufbau von Vertriebsorganisationen in Belgien und Frankreich voran.

In den achtziger Jahren geht die Übernahmewelle weiter: 1983 übernimmt CEWE Color das Großlabor Fotocolor Wermbter in Freiburg, 1986 eines in Paris. Zu dieser Zeit werden auch die Labore gehörig erweitert: zunächst bei Koliphot, anschließend geht das neue Großlabor Mönchengladbach mit 4.500 qm Produktionsfläche in Betrieb. 1988 folgen Berlin und München, 1989 entsteht in Worms das 11. Großlabor. Nach der Wende fällt 1991 in Dresden der Startschuss für den Bau des 12. Labors. Auch der polnische Markt rückt jetzt ins Visier der Entwicklung.

In den neunziger Jahren geht es zunächst um die Konsolidierung und Neustrukturierung des bisher Erreichten. 1992 wird die Firmengruppe daher unter dem Dach der CEWE Color Holding AG neu strukturiert und 1993 führt CEO Hubert Rothärmel das Unternehmen erfolgreich an die Börse. In Dänemark und Frankreich nehmen neue Labore die Produktion auf. 1995 folgt erneut ein Jahr der Neuerwerbungen: CEWE Color übernimmt ein Labor in Südpolen, das größte Labor in Tschechien sowie ein weiteres in Bratislava, Slowakei. Hinzu kommt die Akquisition von zwei Betrieben in Marseille und Valence, Südfrankreich. Dadurch kann das Unternehmen 1996 eine magische Grenze überschreiten: Es entwickelt mehr als 2,1 Milliarden Farbbilder.

Aus heutiger Sicht dürfte 1997 als Dreh- und Angelpunkt des heutigen Erfolgs gelten. Es ist dies das erste Jahr, in dem das World Wide Web auch in Europa erstmals große Verbreitung erreicht. Mit dem Web kommen auch zahlreiche technologische Neuerungen in Deutschland an, die die Fotobranche für immer umkrempeln sollen. CEWE Color erkennt die Gunst der Stunde und gründet die CEWE Digital GmbH, die als „Versuchslabor“ für digitale Geschäfte mit Bildern gesehen werden kann.

Am 22. November 1998 verstirbt der Firmengründer von CEWE Color, Senator h. c. Heinz Neumüller.

Die „Nullerjahre“ bringen dem Unternehmen die bislang größten Veränderungen, denn die anfänglich von vielen Marktteilnehmern gar nicht so wahrgenommene Digitalisierung wirbelt den gesamten Markt durcheinander. 2001 entwickelt CEWE Color das DigiFilm-Konzept für Fotostationen im Handel und bringt es auf den Markt. 2002 folgt die Vereinbarung mit Agfa über die internationale Vermarktung des DigiFilm-Konzeptes. Der DigiFilm entwickelt sich zum Branchenstandard und erhält den Marketing- und Innovationspreis der FOTOwirtschaft. CEWE Color entwickelt sich zum führenden Foto- und Imaging-Dienstleister (Fotofinisher) für den stationären Handel sowie für Internet- und Telekommunikationsunternehmen. Dahinter steckt auch ein technischer Kniff: Mit der Einführung der nutzerfreundlichen und selbst entwickelten Fotobestellsoftware „HomePhotoService“ und der Online-Abfrage von Fotoaufträgen ist das Unternehmen seinen Wettbewerbern einen deutlichen Schritt voraus.

2005 wird Dr. Rolf Hollander Nachfolger von Hubert Rothärmel als Vorstandsvorsitzender der Neumüller CEWE Color Stiftung. Es folgen die Erweiterung der Kapazitäten in Bratislava (Slowakei) und die Gründung eines Joint Ventures mit Fotolux in der Ukraine. Außerdem kommen die Märkte der mittelosteuropäischen Länder Litauen, Slowenien, Kroatien und Rumänien sowie England auf den Radar. Im November 2006 erfolgt dann die Einführung des bis heute größten Erfolgs des Unternehmens: Das CEWE Fotobuch, das Kunden ganz nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten und bestellen können – jeder Auftrag Sinnbild eines einzigartigen und individuellen Kosmos.

Die zunehmende Digitalisierung der Fotoindustrie führt auch bei CEWE Color zu starken Veränderungen, auf die sich das Unternehmen durch die Entwicklung neuer Geschäftsfelder und Produkte aktiv einstellt. Das Fotobuch setzt sich mit einem Absatzvolumen von über 2,6 Millionen Stück bereits 2008 als das beliebteste Fotobuch in Europa durch und gewinnt zahlreiche Auszeichnungen und Tests. Durch die Übernahme des Web-to-print-Unternehmens diron aus Münster kann CEWE Color im selben Jahr auch erste Aufträge im kommerziellen Druck abwickeln.

Dennoch muss sich auch CEWE Color dem massiven Rückgang der analogen Fotografie stellen und kann die harte Restrukturierungsphase mit der Schließung zahlreicher Labore 2009 erfolgreich abschließen: Der Umsatz in der Entwicklung von Fotos ist gleich geblieben, allerdings ist dem Unternehmen der Wandel vom analogen zum digitalen Fotoentwickler gelungen. Im Ergebnis hat sich CEWE Color mit nunmehr 11 hochtechnisierten Produktionsstandorten optimal auf den digitalen Fotomarkt eingestellt. Mit knapp 50 Digitaldruckmaschinen ist man außerdem größter Anbieter für Dienstleistungen im 4-Farb-Digitaldruck.

Diese Willens- und Innovationskraft wird zusehends auch außerhalb des Unternehmens erkannt: 2010 verleihen die WirtschaftsWoche und die Unternehmensberatung A. T. Kearney der CEWE-Color-Gruppe den Titel „Best Innovator“ 2010. Darüber hinaus belegt CEWE Color einen Finalplatz beim Marken-Award der Marketingzeitschrift „absatzwirtschaft“ und des Deutschen Marketing-Verbands (DMV) in der Kategorie „Beste Neue Marke“.

2012 stellt CEWE zur photokina eine neue Variante des CEWE Fotobuchs vor. Nun können mittels eines QR-Codes neben Fotos auch Videos in das Buch aufgenommen werden. Damit erscheinen festgehaltene Momente noch lebendiger. Dafür erhält das Unternehmen den photokina Star Award „Highlight der photokina 2012“.

2013 bringt das Unternehmen die CEWE Fotowelt App auf den Markt. Fotoprodukte und Fotos können damit bequem von unterwegs oder daheim vom Sofa gestaltet und bestellt werden. Die harte Arbeit trägt auch Früchte: Im Februar 2013 steigt der Umsatz im Geschäftsjahr 2012 erstmals auf über 500 Millionen Euro, auch das Fotobuch erreicht mit mehr als 5,6 Millionen Exemplaren einen absoluten Absatzrekord.

„Digitale Fotografie hat das Potenzial, Menschen zu begeistern“

Ein Interview mit Constanze Clauß, Pressesprecherin des Photoindustrie-Verbands.

Innerhalb weniger Jahre haben digitale Kameras ihre analogen Vorgänger mit den Filmrollen verdrängt. Kam diese Entwicklung für Sie überraschend oder gab es bereits in den neunziger Jahren Anzeichen, dass ein Technologiewechsel ansteht?

ClaußWir haben uns bereits ab Mitte der neunziger Jahre intensiv mit dem Thema digitale Fotografie beschäftigt. Aber 1996 repräsentierte die neue Technik gerade einmal knapp drei Prozent des Marktes und war nur eingeschränkt attraktiv, weil die Bildqualität aufgrund der damals noch geringen Auflösung recht dürftig war. Zudem hatte die Industrie gerade massiv in die neue Avanced-Photo-System-Technik (APS) investiert und versucht, damit einen neuen Standard zu schaffen, der zwar weiterhin analog war, aber bereits digitale Informationen enthielt. Genau deshalb fuhr die Fotoindustrie anfänglich zweigleisig, indem sie die analoge und die digitale Fotografie gleichzeitig vorantrieb.

Die digitale Fotografie hat auf Verbraucherseite einen unglaublichen Kreativitätsschub ausgelöst.
Constanze Clauß

Was verhalf Ihrer Einschätzung zufolge der digitalen Fotografie dann zum endgültigen Durchbruch?

ClaußZum einen war der Markt für analoge Fotografie weitestgehend gesättigt, zum anderen gab es in diesem Bereich ein deutlich langsameres Innovationstempo. Die digitale Fotografie dagegen hat das Potenzial, immer mehr Menschen zu begeistern, je besser ihre Performance und je einfacher ihre Handhabung wurde. Ferner motivieren die stetig wachsende Modellvielfalt sowie immer mehr Features die Kunden dazu, öfter als früher in ein neues Produkt zu investieren. Entscheidend ist aber auch die technische Infrastruktur, die sich, durch diese Entwicklungen beflügelt, rund um die digitale Kamera zu entwickeln begann. Leistungsfähige Grafikkarten und Bildschirme, überzeugende Bildverarbeitungsprogramme und die Verbreitung von günstigen Fotodruckern sind dafür nur einige Beispiele.

Wie verändert die digitale Fotografie das Nutzerverhalten?

ClaußDie digitale Fotografie hat auf der Verbraucherseite einen unglaublichen Kreativitätsschub ausgelöst. Neue technische Möglichkeiten und Funktionen animieren zum Experimentieren. Deshalb entstehen mehr Fotos als jemals zuvor zu analogen Zeiten. Die digitale Technik hat die Bilderproduktion noch weiter demokratisiert, weil generationsübergreifend heute wirklich jeder im Besitz einer Kamera ist und diese auch rund um die Uhr an jedem Ort zum Einsatz bringt.

Welche neuen Chancen ergeben sich durch die digitale Fotografie für die Industrie?

ClaußAufgrund des Technologiewechsels haben sich der Industrie unzählige neue Perspektiven eröffnet. Es entstanden Dienstleistungen und Fotomehrwertprodukte, die ohne den Übergang zur digitalen Fotografie einfach unmöglich gewesen wären. Die Palette reicht vom individuell erstellten Fotobuch über das Bedrucken aller nur denkbaren Gegenstände bis hin zu großflächigen Folien. Parallel dazu hat sich auf der Verbraucherseite das Bedürfnis entwickelt, sich überall mit seinen eigenen Bildern zu umgeben. Aber auch soziale Netzwerke wie Facebook oder Google+ sowie Dating-Webseiten würde es in der Form, wie wir sie heute kennen, nicht geben, da sie ohne digitale Fotos nicht funktionieren könnten.

Smartphones machen der digitalen Kamera massiv Konkurrenz. Gerade Schnappschüsse werden damit gerne gemacht. Wird die klassische Kamera nicht ebenfalls bald verschwinden?

ClaußDer Markt für einfache Kompaktkameras ist in der Tat seit zwei Jahren rückläufig. Was wir dagegen beobachten, ist ein Trend hin zu hochwertigen Spiegelreflexkameras oder kompakten Systemkameras mit austauschbaren Objektiven. Rein quantitativ bewegen sich diese Segmente zwar in einem kleineren Rahmen, aber die Margen fallen deutlich höher aus. Auch wächst die Bereitschaft, für Zubehör wie Stative, Objektive oder Filter mehr Geld auszugeben. Smartphones können Kameras gewiss bei Schnappschüssen ersetzen, doch sind ihnen fotografische Grenzen gesetzt. Auch das Speichern und Verwalten gestaltet sich mitunter recht schwierig.

Vinylschallplatte gerade eine Renaissance. Könnten Sie sich vorstellen, dass dies in einigen Jahren mit der analogen Fotografie ebenfalls passieren wird?

ClaußIn der Musikindustrie erlebt die lange schon tot geglaubte Die analoge Fotografie wird keinesfalls ganz verschwinden. Nach wie vor gibt es zahlreiche Anhänger dieser Technologie. Sogar viele jüngere Menschen begeistern sich dafür, weil diese Form der Fotografie als „retro“ empfunden wird und damit ihren ganz eigenen Reiz besitzt. Doch sicher ist, dass dieses Segment nie überdurchschnittliche Wachstumszahlen ausweisen und die Bedeutung zurückerlangen wird, die es einmal besaß.

Zur Person

...ist seit Januar 2010 in einer Doppelfunktion als Pressesprecherin des Photoindustrie-Verbandes und Geschäftsführerin der Tochtergesellschaft Prophoto GmbH tätig. Zuvor war sie langjährige Pressereferentin und stellvertretende Geschäftsführerin der Prophoto GmbH. Constanze Clauß studierte Biologie in Frankfurt am Main und Göttingen auf Diplom.

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