Mittelstand: Aufbruch in Osteuropa

China umwirbt Osteuropa und investiert Milliarden in die Infrastruktur. Darüber ist nicht jeder begeistert.

Nicht jeder ist von Chinas Engagement in den östlichen EU-Peripherieländern begeistert.

Das Aufgebot war gewaltig: 16 Staats- und Regierungschefs aus Osteuropa und dem Balkan sowie Chinas Premierminister Li Keqiang samt einer Entourage von über dreihundert Vertretern aus der chinesischen Wirtschaft trafen im November 2013 in Bukarest zum 3. Osteuropa-China-Gipfel zusammen. Der Gastgeber, Rumäniens Ministerpräsident Victor Ponta, sprach von einem „historischen Besuch“ und erklärte bereits im Vorfeld sein Land zum wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Partner Chinas für die Zukunft in Europa. Er sollte nicht enttäuscht werden. In Bukarest kündigte Li Keqiang an, Rumänien zur Drehscheibe für chinesische Handelsfirmen zu machen. Zudem versprach er wie bereits sein Vorgänger Wen Jiabao im Jahr zuvor auf dem Treffen in Warschau Kredite in Milliardenhöhe. Dank beträchtlicher Finanzspritzen aus China soll nicht nur in Rumänien die Infrastruktur auf den neuesten Stand gebracht werden. Die passenden Angebote hatte die chinesische Delegation gleich mit im Gepäck. Wenn alles nach Plan verläuft, werden bald Hochgeschwindigkeitszüge made in China in Rumänien, Ungarn und Serbien rollen, chinesische Unternehmen werden zwei neue Blöcke im rumänischen Kernkraftwerk Cernavoda errichten und eine Autobahn in Bulgarien bauen.

Einheit der EU in Gefahr?

Nicht jeder ist von Chinas Engagement in den östlichen EU-Peripherieländern begeistert. EU-Handelskommissar Karel De Gucht befürchtet gar, dass Beijing durch seine Politik die europäischen Nationen gegeneinander auszuspielen versucht und so die Einheit der EU gefährdet. Andere dagegen rufen zu mehr Gelassenheit auf. „China verfolgt mit seinem Engagement in Osteuropa und auf dem Balkan in erster Linie wirtschaftliche Interessen“, glaubt Marc Szepan. „Chinesische Unternehmen sind dort deshalb besonders aktiv geworden, weil sie genau die Produkte im Angebot haben, die zu den lokalen Märkten passen“, so der Ko-Leiter der Forschungsgruppe Wirtschaft am Mercator Institute for China Studies (MERICS) in Berlin.

Kapazitäten bündeln

Die Strategie der chinesischen Exporteure: Sie bieten moderne Produkte an, die technisch vielleicht nicht ganz so anspruchsvoll sind, aber zu einem guten Preis verkauft werden. „Das funktioniert bereits seit Jahren in Lateinamerika und Afrika, wo chinesische Unternehmen ebenfalls sehr erfolgreich sind.“ Auch den Osteuropa-China-Gipfel sollte man nach Meinung des Experten etwas gelassener betrachten. „Für Premierminister Li Keqiang sind die jährlichen Zusammenkünfte wie zuletzt in Bukarest rein praktischer Natur. Man muss nicht alle Staaten einzeln bereisen, sondern kann seine Kapazitäten bündeln und hat quasi 16 bilaterale Treffen auf einmal.“ Zudem unterhält auch Deutschland mit seinen jährlichen Regierungskonsultationen Sonderbeziehungen zu China, ohne dass die EU mit am Tisch sitzt oder jemand deswegen Alarm schlägt.

Gigantisches Potenzial im Osten

Immerhin ist die EU einer von Chinas wichtigsten Wirtschaftspartnern. Doch nur zehn Prozent des Handels entfallen auf die Länder Osteuropas. Zwar ist das Volumen des Austauschs von Waren und Dienstleistungen zwischen China und den 16 früheren kommunistischen Staaten im Zeitraum von 2000 bis 2010 von rund 2,4 Milliarden Euro auf über 30 Milliarden Euro rasant angestiegen, aber nach oben scheint noch viel Luft zu sein. Auch zwang die Finanz- und Schuldenkrise in Griechenland, Spanien oder Irland die osteuropäischen Staaten dazu, vermehrt ins Reich der Mitte oder den asiatisch-pazifischen Raum zu exportieren, um die gesunkene Nachfrage in der EU auszugleichen.

Finanzkrise: Der Osten geriet aus dem Blick

Darüber hinaus war Brüssel in den vergangenen Jahren überwiegend damit beschäftigt, einen Krisenherd nach dem anderen in der Gemeinschaft zu managen, so dass die EU-Peripherieländer im Osten ein wenig aus dem Blick gerieten. Da kamen die Chinesen gerade zum rechten Zeitpunkt. Sie bauten nicht einfach Fabriken vor Ort auf, wie beispielsweise der Fahrzeughersteller Great Wall im bulgarischen Lowetsch, oder errichteten ein riesiges Logistikzentrum wie Telekomausrüster Huawei derzeit in Ungarn. Sie boten sich auch an, durch Kredite in zweistelliger Milliardenhöhe längst überfällige Infrastrukturprojekte in der Region mitzufinanzieren. Aber noch fließen aufgrund von Chinas Engagement in Osteuropa und auf dem Balkan weder Milch noch Honig. Denn außer Absichtserklärungen und Ankündigungen ist bisher eigentlich relativ wenig passiert. Weder kamen chinesische Firmen in Scharen, noch kaufte China massenweise ungarische oder sonstige Staatsanleihen auf. „Doch es ist nicht klar, in welcher Größenordnung Kredite tatsächlich ausgezahlt wurden. Beijing will sich sicher sein, dass das Geld in Projekte fließt, die aus chinesischer Sicht sinnvoll sind“, weiß Szepan. „Darin unterscheidet sich China in seiner Vorgehensweise nicht von anderen Ländern, die Kredite vergeben.“

Widersprüchliches Bild von China

Vielleicht sollte man sich noch einmal die Dimensionen vor Augen führen, bevor von einer Invasion Chinas in der EU via Osteuropa die Rede ist: Das gesamte Handelsvolumen Chinas mit den 16 Staaten in Osteuropa und dem Balkan entspricht gerade einmal dem von Italien. Auch sind alle chinesischen Investitionen in der gesamten Region geringer als die in Schweden. Zudem müssen auch Unternehmen aus China gelegentlich ordentlich Lehrgeld zahlen, wie vor wenigen Jahren in Polen, als die Regierung in Warschau dem Baukonzern Covec den Auftrag entzog, weiter an einer Autobahn zu bauen, weil er seine eigenen Mitarbeiter aus China eingeflogen hatte und polnische Subunternehmer auf unbezahlten Rechnungen sitzen blieben. „Es gibt ein äußerst widersprüchliches Bild von China“, bringt es Experte Szepan auf den Punkt. „Auf der Makroebene heißt es immer wieder: China ist einfach übermächtig und nicht zu stoppen. Auf der Mikroebene dagegen wird gern darauf verwiesen, wie oft und wo chinesische Unternehmen grandios gescheitert sind.“ Dabei betreiben sie ebenso wie die deutschen Firmen eine Globalisierungspolitik, um auf den Weltmärkten mit ihren Produkten und Dienstleistungen näher am Kunden zu sein. Und genau wie diese sind sie mal erfolgreich und mal weniger.

„Handel mit Osteuropa entspricht zehn Prozent des Handelsvolumens“

Ein Gespräch mit Marc Szepan, Ko-Leiter der Forschungsgruppe Wirtschaft am Mercator Institute for China Studies (MERICS), Berlin.

China intensiviert seit einigen Jahren seine Wirtschaftsbeziehungen zu zahlreichen Staaten in Osteuropa und auf dem Balkan. Steckt dahinter auch die Strategie, verstärkt politisch Einfluss zu nehmen?

SzepanChina verfolgt mit seinem Engagement in Osteuropa und auf dem Balkan in erster Linie wirtschaftliche Interessen. Chinesische Unternehmen sind dort deshalb besonders aktiv geworden, weil sie genau die Produkte im Angebot haben, die zu den lokalen Märkten passen. Konkret heißt dies: gute Produkte, die technisch vielleicht etwas einfacher, dafür aber nicht zu teuer sind. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt oft. Das funktionierte bereits in Lateinamerika und Afrika, wo chinesische Unternehmen ebenfalls sehr erfolgreich sind.

Manchmal geht es aber um mehr als nur um Handel. So sicherte Beijing einigen osteuropäischen Staaten auch Kredite in Höhe von insgesamt über zehn Milliarden Euro zu.

SzepanIn der Tat sind Summen in dieser Größenordnung von chinesischer Seite bereits 2012 auf dem 2. Osteuropa-China-Gipfel in Warschau versprochen worden. Doch es ist nicht klar, in welcher Größenordnung Kredite tatsächlich ausgezahlt wurden. Beijing will sich sicher sein, dass das Geld in Projekte fließt, die aus chinesischer Sicht sinnvoll sind. Darin unterscheidet sich China in seiner Vorgehensweise nicht von anderen Ländern, die Kredite vergeben.

Chinesische Unternehmen schauen auch deshalb nach Osteuropa, weil sie sich dort eher Marktchancen ausrechnen als anderswo.
Marc Szepan

Erkauft sich China durch seine Investitionen in Osteuropa den Zugang zum europäischen Markt?

SzepanDie Europäische Union ist einer der wichtigsten Handelspartner Chinas. Der Handel mit osteuropäischen Ländern dagegen entspricht nur rund zehn Prozent des Handelsvolumens mit der EU. Das soll sich nun ändern. Chinesische Unternehmen schauen aber auch deshalb nach Osteuropa, weil sie sich dort eher Marktchancen ausrechnen als anderswo. Beispielsweise macht es für die Anbieter von Hochgeschwindigkeitszügen „made in China“ wahrscheinlich wenig Sinn, bei Ausschreibungen in Deutschland oder Frankreich gegen Platzhirsche wie ICE oder TGV anzutreten. Gerade als Newcomer bietet man seine Produkte eher in Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder Serbien an.

Steht dahinter aber nicht auch die Absicht Beijings, politische Unterstützung zu gewinnen, etwa für den Fall eines Antidumpingverfahrens von Brüssel gegen China?

SzepanNatürlich baut China auf diese Weise seine Kontakte zu den osteuropäischen EU-Staaten aus. Aber wenn in einem Antidumpingverfahren nachgewiesen werden soll, dass eine Partei nicht marktgerecht verkauft hat, zählen primär Fakten und nicht freundschaftliche Beziehungen.

Im November 2013 kam Chinas Premierminister Li Keqiang mit 16 Regierungschefs auf dem 3. Osteuropa-China-Gipfel in Bukarest zusammen. Einige Stimmen aus Brüssel bewerteten dieses Treffen als Versuch Beijings, die EU zu spalten, indem das Reich der Mitte den osteuropäischen Staaten mehr Aufmerksamkeit schenkt. Teilen Sie diese Auffassung?

SzepanMan muss diesen Gipfel im Gesamtkontext betrachten. Im November 2013 fand ja auch der 16. EU-China-Gipfel statt, der unter anderem den Auftakt für Verhandlungen zu einem Investitionsabkommen zwischen der EU und China bildete, das die Rahmenbedingungen für beide Seiten vereinfachen soll. Verhandlungstaktische Positionierungen kann man daher nicht ausschließen. Für den chinesischen Premierminister Li Keqiang sind die jährlichen Zusammenkünfte wie zuletzt in Bukarest auch rein praktischer Natur. Man muss nicht alle Staaten einzeln bereisen, sondern kann seine Kapazitäten bündeln und hat quasi 16 bilaterale Treffen auf einmal.

Nicht jedes Projekt Chinas in Osteuropa scheint von Erfolg gekrönt zu sein. So kündigte Polen 2011 dem chinesischen Baukonzern Covec den Vertrag über den Bau von 49 Kilometer Autobahn. Was waren die Gründe?

SzepanMan kann vermuten, dass Covec das Autobahnprojekt in Polen nicht auf seine Kundenreferenzliste setzen wird. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass dieses Projekt für Covec das erste Vorhaben dieser Art in Europa war. Zum einen war man mit den Gepflogenheiten der hiesigen Märkte nicht sonderlich vertraut, zum anderen gibt es auch zahlreiche europäische oder amerikanische Baufirmen, die mit ihren Auslandsprojekten aus den unterschiedlichsten Gründen schon Schiffbruch erlitten haben. Wie andere Firmen auch wird Covec gewiss eine Ursachenanalyse betreiben und wahrscheinlich aus den Fehlern für die Zukunft lernen.

Nicht selten schwingt in der Berichterstattung über Chinas wirtschaftliches Engagement in Europa ein negativer Ton mit. Was sind Ihrer Meinung zufolge die Ursachen?

SzepanEs gibt ein äußerst widersprüchliches Bild von China. Auf der Makroebene heißt es immer wieder: China ist einfach übermächtig und nicht zu stoppen. Auf der Mikroebene dagegen wird gern darauf verwiesen, wie oft und wo chinesische Unternehmen grandios gescheitert sind. Letztendlich ist es wichtig, ein realistisches Bild von China zu entwickeln.

Zur Person

...lehrt und promoviert neben seiner Tätigkeit im MERICS zur Zeit an der Saïd Business School und am Green Templeton College an der britischen Universität Oxford. Vor der Rückkehr in die Forschung war er als Senior Vice President, Airline Operations Solutions, bei Lufthansa Systems AG tätig. Zu seinen weiteren beruflichen Stationen zählten u.a. die Lufthansa Technik AG und die Leitung eines deutsch-chinesischen Joint Ventures. Sein Studium absolvierte Szepan in den USA am Middlebury College und an der Harvard University (A.M. in Regional Studies – East Asia). Seinen M.B.A.-Abschluss erlangte er an der Duke University Fuqua School of Business.  

„Produktion in Osteuropa ist für globales Netzwerk zentral“

Ein Interview mit Georg Leykauf, Vice President Finance und M&A der Grammer AG in Amberg über die Globalisierung und die Rolle Osteuropas für die Produktion des Unternehmens.

In der Automobilindustrie gibt es heute massive Variantenvielfalt gepaart mit weltweiter Nachfrage. Wie haben Sie als Mittelständler Ihre globalen Produktionssysteme aufgestellt, um in diesem Umfeld bestehen zu können?

LeykaufFür Mittelständler, die heute noch nicht ganz so global aufgestellt sind wie Grammer, ist diese Entwicklung ein ernstes Problem. In der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie werden die Weltplattformen immer wichtiger, d.h. ein Zulieferer muss rund um den Erdball vertreten sein – und zwar nicht nur mit der Produktion, sondern auch mit Projektmanagement, Einkauf oder F&E. Dies ist wichtig, weil die OEMs so sicherstellen können, dass die Fahrzeuge wirklich für die Märkte adaptierbar sind.

Wie verlief die Internationalisierung bei Grammer in den letzten Jahren?

LeykaufIn den letzten drei bis vier Jahren haben wir unseren internationalen „Footprint“ in allen Kernregionen ausgebaut und sind inzwischen weltweit sehr gut vertreten. Wir haben Niederlassungen in 18 Ländern und sind damit in allen unseren Kernmärkten präsent, sprich Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika. Noch 2002 erwirtschafteten wir 60 Prozent unseres Umsatzes in Deutschland, heute sind es nicht einmal mehr 40 Prozent. Und wir sind vor allem im Ausland gewachsen. Dies war auch nötig, denn nur so können wir als vergleichsweise kleines Unternehmen in der großen Automobilbranche erfolgreich sein. Die OEMs erwarten heute von Zulieferern jedweder Größe, dass sie globale Strukturen bedienen können. Dabei gibt es gerade für kleine Mittelständler viele Herausforderungen beim Aufbau einer globalen Struktur. Wir sind beispielsweise seit über 20 Jahren in China aktiv und haben dabei sehr viel Erfahrung gesammelt – auch im Umgang mit den besonderen lokalen Herausforderungen.

Das wichtigste Thema ist sicherlich die politische Stabilität, damit man als Unternehmen in diesen Ländern eine gewisse Planungssicherheit hat.
Georg Leykauf

Welche Trends sehen Sie in Ihrem Produktsegment?

LeykaufFür Unternehmen ist es heute erfolgskritisch, eine gute Produktionsstruktur aufzubauen mit wirklich wettbewerbsfähigen Kosten. Daneben gibt es natürlich noch die großen Trends in unserer Branche, die langfristiges Wachstum nachhaltig ermöglichen. Themen sind dabei das Wachstum der Weltbevölkerung und damit verbunden der Wunsch nach mehr Mobilität, die steigende Nachfrage nach Lebensmitteln und damit verbunden die Industrialisierung der Landwirtschaft oder die Urbanisierung der Welt in Verbindung mit gestiegener Bautätigkeit. Zugleich wächst weltweit – vor allem in China – die Mittelschicht, und es entstehen völlig neue Ansprüche. Wir sind sehr zuversichtlich, hier langfristige Wachstumschancen zu haben. Allerdings muss man unterscheiden: Das große Wachstum kommt heute bekanntermaßen aus Asien sowie Nord- und Südamerika – und nicht mehr aus Europa. Daher bauen viele Hersteller immer mehr Werke im Ausland.

Welche Trends gibt es bei Ihren Produkten selbst?

LeykaufKomfort, Ergonomie und Sicherheit sind die drei wichtigsten Themen unserer Entwicklung. Hinzu gesellen sich der Leichtbau und eine wachsende Zahl an elektronischen Funktionen und Komponenten. Insbesondere bei den Premiumherstellern spielt das edle Design eine wichtige Rolle. Diese Entwicklung sieht man aber auch in den neuen LKW, deren Innenräume äußerst hochwertig gestaltet sind und so gar nichts mehr von den so genannten Nutzfahrzeugen früherer Tage haben, denn sie gleichen immer mehr den PKW. Dabei gibt es auch noch große regionale Unterschiede, denn auch als Zulieferer müssen wir die Systeme je nach Land auf unterschiedliche Ausstattungsmerkmale und Kundenwünsche ausrichten – das können farbliche Nuancen oder technische Ausstattungsaspekte sein.

Welche Rolle spielt Osteuropa in Ihrem globalen Produktionskonzept?

LeykaufOsteuropa ist insbesondere interessant als Produktionsstandort. Wir arbeiten in dieser Region in sechs Ländern und haben dort insgesamt zehn Werke. Rund 4.500 unserer insgesamt 10.000 Mitarbeiter befinden sich dort.

Welche Art von Produkten stellen Sie in Osteuropa her?

LeykaufWir produzieren dort in erster Linie PKW-Innenraumkomponenten, also Kopfstützen und Armlehnen sowie gefederte LKW-Sitze, bzw. haben in Osteuropa unsere interne Vorproduktion aller Bezüge konzentriert, die wir dann für die finale Produktion in den Montagewerken benötigen. Wir haben dabei auch die Erfahrung gemacht, dass die handwerkliche Tradition des jeweiligen Produkts in diesen Regionen auch eine wichtige Rolle spielt. Serbien beispielsweise verfügt historisch über eine sehr gute handwerkliche Nähtradition, weshalb wir uns auch für diesen Standort entschieden haben. Weitere wichtige Faktoren sind politische Stabilität, wettbewerbsfähige Kosten und Lohnnebenkosten sowie auch langfristig stabile Kostenentwicklung. Das Wichtigste sind aber natürlich qualifizierte Arbeitskräfte.

Wie bewerten Sie die weitere Entwicklung der Region? Wo sehen Sie besonders großes Entwicklungspotenzial?

LeykaufInsgesamt wollen wir das Low-Cost-Engineering international in den osteuropäischen Standorten ausbauen. Dabei spreche ich in erster Linie von Tschechien und in Sachen Spezial-Know-how für Sitzbezüge von Serbien und Bulgarien. Diese Länder waren in den letzten Jahren sehr stark bei uns im Fokus. In Tschechien haben wir erst vor kurzem einen Hersteller von Kopfstützen übernommen, das Land hat in seiner Bedeutung daher für uns deutlich zugenommen.

Grammer entwickelt bereits rund um die Uhr in den USA, Deutschland und China. Hat Osteuropa dabei überhaupt eine Chance als Entwicklungsstandort oder eignen sich dafür eher andere Regionen?

LeykaufAls Zulieferer muss man heute die Entwicklung in jeder der globalen Kernregionen haben. Dafür benötigen Unternehmen vor Ort F&E-Know-how, um überhaupt effizient entwickeln zu können. In unserem tschechischen Standort Tachov beispielsweise kooperieren wir mit der Universität, um qualifizierte Nachwuchskräfte frühzeitig an das Unternehmen zu binden. Wie in westlichen Ländern müssen sich Arbeitgeber inzwischen auch in den Ländern des ehemaligen Ostblocks früh damit beschäftigen, sich als Arbeitgeber einen Namen zu machen. Für uns ist dies insofern ein Thema, als wir auf die langfristige Stabilität der Belegschaft abzielen.

Gibt es dabei Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern?

LeykaufGrundsätzlich sind bei uns alle Werke ähnlich aufgebaut und verfügen über ähnliche Funktionen. Diese Standards werden von den Group Functions definiert und gesteuert. Daneben gibt es Standorte, die eine eigene Rechnungslegung haben oder andere eigenständige Funktionen, die für den Betrieb dort wichtig sind. Aber von der Grundfunktion sehen alle unsere Werke identisch aus – dies dient auch der globalen Standardisierung.

Worin sehen Sie die spezifischen Herausforderungen der Länder Osteuropas?

LeykaufDas wichtigste Thema ist sicherlich die politische Stabilität, damit man als Unternehmen in diesen Ländern eine gewisse Planungssicherheit hat. Zudem sind natürlich Infrastruktur und Ausbildungsniveau der Mitarbeiter zentrale Themen, auf die wir achten.

Zur Person

...ist Bereichsleiter Konzernfinanzen und M&A bei der Grammer AG. Zuvor arbeitete er unter anderem bei DaimlerChrysler als Spezialist für Auftrags- und Projektfinanzierung sowie bei der Merck KGaA als Director Corporate Finance/Capital Markets. Georg Leykauf studierte an der Fachhochschule Würzburg Betriebswirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Commerzbank AG.

Über das Unternehmen

Die GRAMMER AG ist spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für PKW-Innenausstattung sowie von Fahrer- und Passagiersitzen für Offroad-Nutzfahrzeuge, LKW, Busse und Bahnen. Als globaler Partner der Fahrzeugindustrie ist die GRAMMER AG mit ihren beiden Unternehmensbereichen Automotive und Seating Systems weltweit vertreten.

Linkliste