Mit grünem Leasing gegen ausufernde Energiekosten

Das Thema Energieeffizienz gewinnt auch im Mittelstand zunehmend an Relevanz. Doch viele Unternehmer schrecken vor den hohen Anfangsinvestitionen zurück. Das Leasing energiesparender Anlagen kann hier eine interessante Option sein.

Im Unterschied zum Kauf über einen Kredit belastet Leasing nicht die Bonität des Unternehmens und erlaubt damit Spielraum für weitere Investitionen.

Der Fuhrpark ist veraltet und besteht aus Spritverschwendern erster Güte, der Firmensitz stammt aus den Siebzigern und produziert jedes Jahr eine steigende Heizkostenrechnung oder die Klima- und Beleuchtungstechnik im eigenen Betrieb ist schon lange nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik und frisst ebenfalls ordentlich Strom – Gründe, die Energieeffizienz zu verbessern, gibt es viele.

Unternehmen jeder Größe betroffen

Das betrifft nicht nur die großen Konzerne, sondern auch den deutschen Mittelstand. Zudem rechnen drei Viertel aller kleineren und mittleren Unternehmen aufgrund der Energiewende auch für die Zukunft mit deutlich steigenden Kosten, so das Resultat einer von Forsa und der Albis Leasing AG durchgeführten Umfrage unter rund 250 Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern. 59 Prozent von ihnen befürchten sogar negative Auswirkungen für ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Eine Verbesserung der eigenen Energiebilanz steht bei vielen dieser Firmen daher ganz oben auf der Tagesordnung. So planen 78 Prozent der Befragten Investitionen in energieeffiziente Techniken oder haben diese in jüngster Zeit bereits getätigt. Doch was die Umfrage ebenfalls zutage förderte: Fast die Hälfte der Mittelständler betrachtet gerade die hohen Anfangsinvestitionen zur Umsetzung solcher Maßnahmen als ein gravierendes Problem. 26 Prozent von ihnen greifen daher bereits auf Leasing-Angebote zurück, um die Kosten dafür nicht auf einmal stemmen zu müssen.

Interesse an alternativen Finanzierungsformen steigt

Kein Wunder steigt seit geraumer Zeit die Nachfrage nach „Grünem Leasing“. Dies berichten auch die Betreiber von Vergleichsportalen wie Leasing.de. Entfielen im Jahr 2009 noch 6,5 Prozent aller Anfragen auf Systeme zur Verbesserung der eigenen Energieeffizienz, so waren es 2011 bereits knapp 15 Prozent – Tendenz weiter steigend. Der Hintergrund: Als Folge der Energiewende explodieren die Stromkosten sprichwörtlich in vielen Betrieben. Laut dem Bundesverband der Energieabnehmer legten sie allein 2012 gegenüber dem Vorjahr um satte 12,9 Prozent zu – ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Besonders großes Interesse gilt deshalb den Blockheizkraftwerken, mit denen man dank der Kraft-Wärme-Kopplung nicht nur heizen, sondern auch Strom selbst erzeugen kann. Das spart Geld und schont die Umwelt. Aber der Preis einer solchen Anlage kann schnell in die Hunderttausende gehen, so dass gerade kleinere Unternehmen die Anschaffung scheuen. Genau hier stellt das Leasing-Modell einen interessanten Ausweg aus dem Dilemma dar, weil die hohen Investitionen am Anfang einer solchen Maßnahme zur Verbesserung der eigenen Energiebilanz wegfallen, da sie sich über einen längeren Zeitraum verteilen, der mit dem Leasing-Anbieter individuell ausgehandelt werden kann. Auf diese Weise wird Planungssicherheit gewonnen.

Stichhaltige Argumente für Leasing

Zudem bietet dieses Modell weitere handfeste Vorteile: Die vereinbarten Ratenzahlungen lassen sich zu einem nicht unerheblichen Teil wieder durch die Einsparungen bei den laufenden Energiekosten finanzieren, die sich bereits ab dem ersten Tag der Inbetriebnahme beispielsweise eines Blockheizkraftwerkes ergeben. Im Unterschied zum Kauf über einen Kredit belastet Leasing auch nicht die Bonität des Unternehmens und erlaubt damit Spielraum für weitere Investitionen. Die Raten können als Betriebskosten steuerlich geltend gemacht werden. Überdies sind keine weiteren Sicherheiten notwendig, weil die entsprechende Anlage erst einmal Eigentum des Leasing-Gebers bleibt. Argumente gegen eine derartige Anschaffung wie lange Amortisationszeiten oder knappe Budgets verlieren da rasch an Bedeutung. Eine aktuelle Studie der German Facility Management Association belegt zudem, dass sich energiebezogene Investitionen in Produktions- und Bürogebäude im Durchschnitt bereits nach rund zehn Jahren amortisiert haben.

Individuelle Ausgestaltung der Verträge wichtig

Möglichkeiten zur Senkung der Energiekosten via Leasing gibt es zahlreiche: Windkraft-, Geothermie- oder Photovoltaikanlagen können je nach Ausstattung mitunter den kompletten Energiebedarf für Heizung oder Kühlung gewährleisten und eine nagelneue LED-Beleuchtung im gesamten Betrieb reduziert die Stromrechnung. Auch die Umstellung der Firmenflotte - nach den Faktoren Personal und Immobilien immerhin der relevanteste Kostenfaktor eines Unternehmens - auf moderne spritsparende Hybridfahrzeuge rechnet sich schnell und bringt nebenbei auch noch einen Prestigegewinn mit sich, weil man so ein für alle sichtbares Zeichen zugunsten der Umwelt setzt. Aber auch die Kosten für Planung und Genehmigung von Energieeffizienz steigernden Anlagen lassen sich in einen solchen Leasing-Vertrag integrieren. Doch unabhängig davon, ob man sich für ein Blockheizkraftwerk oder eine Photovoltaikanlage entscheidet, wichtig ist immer auch das richtige Know-how. Denn das Thema Energieeinsparung oder -erzeugung gehört nicht unbedingt zu den Kerngeschäftsfeldern der meisten Leasing-Kunden. Daher kommt den Leasing-Gesellschaften, die entsprechende Lösungen anbieten, eine ganz besondere Rolle zu. Sie sollten in der Lage sein, auch in technischen Fragen Rat geben zu können und neben Finanzierungsexperten ebenfalls über einen entsprechenden Pool an Ingenieuren und Physikern verfügen. Ein weiteres Kriterium bei der Auswahl eines kompetenten Leasing-Gebers ist seine Kooperation mit namhaften Anlagenherstellern, so dass von der Konzeption über die Realisierung eines die Energieeffizienz verbessernden Projektes bis hin zum Vertragsende alles aus einem Guss ist.

„Das Mietgeschäft für Endgeräte hat sich durchgesetzt“

Im Interview erläutert Roland Gutsche, Director Finance & Accounting E-Plus Gruppe, wie das Unternehmen durch Leasing von mobilen Endgeräten seine Bilanz optimiert.

Herr Gutsche, Sie sind seit über 20 Jahren bei der E-PlusGruppe tätig. Welche übergeordnete Leasingstrategie verfolgt Ihr Unternehmen?

GutscheEs ist seit jeher das Ziel der E-Plus Gruppe, die Mittelbindung möglichst gering zu halten, daher war „Bilanzoptimierung“ und „Working Capital Management“ immer wichtig. Aufgrund der großen Investitionen in den Aufbau der Infrastruktur lag der Fokus in den Anfangsjahren daher zunächst auf Netz und Infrastruktur, hier sind wir als erstes ins Leasing eingestiegen. Daneben haben wir auch von Anfang an die Mittelbindung in der Büro- und Geschäftsausstattung minimiert und deshalb auch Büromöbel, Ladeneinrichtungen und Fahrzeuge geleast. Auf diese Weise konnten wir die Kapitalbindung in der Bilanz deutlich reduzieren. Da Netzbetrieb, Infrastruktur und Lizenzen nach wie vor sehr viel Geld kosten, wird die Optimierung der Bilanz nach wie vor ein Thema bleiben.

Sie haben mit der Deutschen Leasing und der NORD/LB ein Finanzierungsprodukt entwickelt, mit dem Sie heute die Endgeräte ihrer Kunden leasen und diese nicht in der Bilanz auftauchen. Im eigentlichen Sinne handelt es sich dabei weniger um klassisches Leasing als vielmehr um eine gezielte Form der Absatzfinanzierung. Wie ist die Idee dazu entstanden?

GutscheLeasing ist normalerweise ein sehr Asset-spezifisches Produkt über das Immobilien, Produktionsmaschinen, Fahrzeuge und andere physische Betriebsmittel finanziert werden. Irgendwann entstand bei uns die Idee, einen Schritt weiter zu gehen. Die E-Plus Gruppe kauft jährlich Endgeräte in einem niedrigen 7-stelligen Bereich, was einen massiven Posten in unserer Bilanz darstellt. In der Anfangszeit wurden die Handys für wenig Geld direkt an den Kunden verkauft und waren damit nicht mehr Teil unserer Bilanz. Doch die Zeit der kostenlosen Handys ist seit 2006 vorbei. Heute wählt der Kunde seinen ganz persönlichen Tarif und erwirbt in der Regel gegen eine monatliche Zuzahlung über eine Laufzeit von 2 Jahren ein neues Handy. Dieses Endgeräte-Mietgeschäft hat sich in der Branche inzwischen auf breiter Front durchgesetzt. Der Nachteil für uns als Anbieter ist dabei, dass das Handy in unserer Bilanz verbleibt und damit Kapital bindet. Das haben wir über das Leasing geändert.

Smartphones und die mobile Datennutzung sind zu einem Massenphänomen geworden, das auch zukünftig immer weitere Investitionen notwendig macht.
Roland Gutsche, Director Finance E-Plus Gruppe

Wie sind Sie dabei vorgegangen?

GutscheWir haben 2008 angefangen, diese mögliche „Schlagseite in der Bilanz“ zu optimieren. Auf der Suche nach einem geeigneten Partner sind wir dann auf die Deutsche Leasing gestoßen, die das Projekt nach unseren Vorstellungen umsetzen konnte. Sie hat mit der NORD/LB einen der wesentlichen Refinanzierer für das Projekt mit eingebracht. Für diese Art der fristenkongruenten Finanzierung brauchen wir einen kompetenten Partner, der die Klaviatur dieser Finanzierungsart sehr gut beherrscht. Die Deutsche Leasing übernimmt bis heute die Geräte aus unseren Leasingverträgen, verkauft sie weiter und verschafft uns so Liquidität. Die Grundstruktur in der Abwicklung ist im Wesentlichen gleich geblieben. Wir hatten eine sehr klare Vorstellung davon, wie die Absatzfinanzierung in Form von Endgeräteleasing aussehen sollte und die Deutsche Leasing war die einzige, die es in der gewünschten Form darstellen konnte. Die positive Zusammenarbeit dauert bis heute an. Die Deutsche Leasing hat ja letztlich ein bereits bestehendes Produkt – also Leasing – in unserem Sinne weiterentwickelt und einen Prozess zur konkreten Abwicklung etabliert.

Wie sind die Nutzungsgewohnheiten von Handys heute? Hält der Hype zu Smartphones an?

GutscheDer Großteil der Handys, die wir vermieten, sind heute Smartphones. Die Geräte werden im Schnitt vier bis fünf Jahre genutzt. Allerdings haben wir verschiedene Kundengruppen mit unterschiedlichen Nutzungsgewohnheiten. Manche interessieren sich überhaupt nicht für die Modernität des Geräts und nutzen es, bis es kaputt ist; andere wollen jedes Jahr das neueste Modell. Insgesamt allerdings überwiegt die Gruppe der Langzeitnutzer. Große Ausfälle durch defekte Geräte gibt es dabei nur wenige. Geräte, die länger als drei Monate in Betrieb sind, gehen in der Regel danach nicht mehr kaputt.

Wie entwickeln sich die Kosten für Netz und Infrastruktur?

GutscheDie Anfangsinvestitionen in unserer Branche waren riesig, hinzu kamen Kosten für die GSM- und UMTS-Lizenzen. 2010 wurden die Breitbandfrequenzen versteigert. Mit LTE (Long Term Evolution) stehen nun neue Investitionen an. Ein Ende der Fahnenstange ist hier nicht in Sicht, daher bleibt das Thema Bilanzoptimierung eines der Kernthemen unserer Arbeit.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?

GutscheEs ist kein Geheimnis mehr: Der Mobilfunk wandelt sich grundlegend von der Sprachübertragung zur mobilen Datenübermittlung. Smartphones und die mobile Datennutzung sind zu einem Massenphänomen geworden, das auch zukünftig immer weitere Investitionen notwendig macht. Vor diesem Hintergrund und dem anhaltenden Wettbewerb im Markt werden intelligente Finanzierungsmodelle für uns weiter von entscheidender Bedeutung sein.

„Wir bringen Komplexität auf den Punkt“

Ein Interview mit Nils Jacholke, Corporate Finance NORD/LB.

Leasing ist heute eine feste Alternative zum kreditfinanzierten Erwerb. Welche konkreten Vorteile bietet das Instrument insbesondere Mittelständlern?

JacholkeHier ist stets eine Einzelfallbetrachtung in Abhängigkeit der unternehmensspezifischen Bedarfslage geboten. Leasing ist ein sehr individuelles Produkt, das sowohl Investitions- als auch Finanzierungsentscheidungen berührt. Es gibt viele Gründe, sich anstelle klassischer Erwerbs- oder auch Mietstrukturen bewusst für eine Leasinggestaltung zu entscheiden. Die statistischen Daten belegen dies ungebrochen und ordnen Leasingfinanzierungen eine unverändert bedeutende Rolle im Finanzierungsportfolio des deutschen Mittelstandes zu. Sucht man isolierbare Argumente pro Leasing, so ist sicherlich die Möglichkeit einer bilanzneutralen Finanzierung der betreffenden Investition zu benennen. Darüberhinaus kommen Leasinglösungen oft auch in hochtechnisierten Branchen zur Anwendung, die einen permanenten, technologisch bedingten Austausch produktiver Assets erfordern. Angesichts dieser wettbewerbsgetriebenen Notwendigkeit machen klassische Erwerbstrukturen hier wenig Sinn.

Leasing versteht sich schon lange als Instrument der Absatzfinanzierung, allerdings hat sich der Trend, es als solches zu nutzen, in den letzten Jahren extrem verstärkt.
Nils Jacholke, Corporate Finance NORD/LB

Eine neue Form ist die Absatzfinanzierung mit Hilfe von Leasing. Was ist daran besonders und inwiefern scheint das Interesse an dieser Form der Absatzfinanzierung zu steigen?

JacholkeLeasing versteht sich schon lange als Instrument der Absatzfinanzierung, allerdings hat sich der Trend, es als solches zu nutzen, in den letzten Jahren extrem verstärkt. Unsere Kunden gewinnen ihre Aufträge oftmals damit, dass sie die Finanzierung ihrer abzusetzenden Waren gleich mitliefern. Für viele Abnehmer oder Endverbraucher ist dieses insbesondere bei kapitalintensiven Investitionen schon seit langer Zeit ein zentrales Entscheidungskriterium. Will der Hersteller diese Finanzierungsfunktion nicht übernehmen, so gilt es nach Alternativen in Form der Absatzfinanzierung zu suchen. Ein konkretes Beispiel hierfür ist unser Kunde E-Plus, mit dem wir ein bilanzneutrales Instrument zur Absatzfinanzierung von Smartphones umgesetzt haben. Diese werden über unsere Leasingstruktur aus der Bilanz von E-Plus herausgelöst und bieten dem Unternehmen so die Möglichkeit, den eigenen Absatz weiterhin mit absatzfördernden Finanzierungsstrukturen zu versehen.

Welche Erfahrungen und Deals haben Sie und Ihr Team der NORD/LB bereits begleitet?

JacholkeDer Bereich Corporate Finance der NORD/LB verfügt über langjährige Erfahrungen in der Refinanzierung corporategetragener Leasingstrukturen. Wir agieren seit 2007 als produktverantwortlicher Bereich für alle firmenkundenorientierten Leasingstrukturen unserer Marktbereiche. In dieser Zeit haben wir eine Vielzahl von Transaktionen begleiten können. Das Asset- und Bedarfsspektrum reicht hierbei vom Software Lease über die Anschaffung hochmoderner Druckmaschinen und die Finanzierung kompletter Produktionsstätten hin zur großvolumigen Absatzfinanzierung von Mobile Devices im Telekommunikationsbereich.

Welche Erkenntnisse und Erfahrungen ziehen Sie daraus? Was ist den Kunden heute wichtig?

JacholkeWichtig ist vor allem die zentrale Erkenntnis, dass es keine Blaupausen oder Schablonen gibt, die sich über unsere Kunden und ihre jeweiligen Bedarfslagen legen ließen. Unsere Unternehmen sehen sich immer komplexeren Bedarfslagen gegenüber und erwarten bedarfsgerechte aber auch verlässliche Lösungsansätze. Hierfür ist es unerlässlich, die unternehmensseitigen Wertschöpfungsketten zu verstehen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass unsere Kunden positiv und konstruktiv auf diesen ganzheitlichen Ansatz reagieren, um letztes Endes eine auf Ihren Bedarf abgestimmte individuelle Lösung zu entwickeln.

Linkliste