Deutsche Textilindustrie: Heute hier, morgen dort

Die deutsche Textil- und Modeindustrie ist schon seit langem auf Globalisierung programmiert und gilt damit als einer der Vorreiter in Sachen Internationalisierung.

Weniger als 5 Prozent der in Deutschland verkauften Bekleidung stammen noch aus heimischen Produktionsstätten.

Früh übt sich. Auf die ungemütlicher werdenden Zeiten des freien Welthandels hat die deutsche Textil- und Modeindustrie sofort reagiert und ebenso wie französische, englische oder skandinavische Hersteller bereits vor Jahrzehnten damit begonnen, ihre Produktion schrittweise ins Ausland zu verlagern – zuerst durch die Lohnkonfektionierung und später durch die Übergabe der gesamten Fertigung an Fremdhersteller. Allen voran die Bekleidungsindustrie. Was in Deutschland selbst noch verblieb, waren im Regelfall Musterfertigung, Design, Vertrieb und Verwaltung. „In diesem Prozess, den wir heute Globalisierung nennen, war sie aber nicht alleine“, ergänzt Dr. Hartmut Spiesecke. „Auch die Automobil- und Elektroindustrie begann sich bereits in den fünfziger Jahren zu internationalisieren, Volkswagen beispielsweise eröffnete 1953 in Brasilien eine erste Fabrik“, so der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie e. V., Berlin. „Die Textilindustrie gehört auf jeden Fall zu den Vorreitern und gab dabei auch wichtige Impulse für die Ansiedlung von Folgeindustrien wie  Maschinenbau und Chemie.“

Weltmarktführer bei technischen Textilien

In Konsequenz läutete diese frühzeitig einsetzende Internationalisierung einen geradezu dramatischen Schrumpfungsprozess ein. Laut Bundeswirtschaftsministerium waren 1970 hierzulande in der gesamten Textil- und Bekleidungsindustrie 7.704 Betriebe aktiv, 2013 gab es nur noch 545 – ein Rückgang von mehr als 90 Prozent. Parallel dazu reduzierte sich die Zahl der Beschäftigten in der Branche im selben Zeitraum von 869.911 auf 79.934. Heute lassen allenfalls eine Handvoll Unternehmen aus der Bekleidungsindustrie wie Trigema, Falke oder Bruno Banani – zumindest einen Teil ihrer Kollektionen – noch in Deutschland fertigen. Dabei steht eigentlich weniger die Effizienz im Vordergrund als vielmehr das Bekenntnis zur Heimat aus Imagegründen. Weniger als 5 Prozent der in Deutschland verkauften Bekleidung stammen noch aus heimischen Produktionsstätten. Dabei handelt es sich vor allem um qualitativ hochwertige Erzeugnisse oder aber um Kleinserien. Und die Textilindustrie? Die begann ihr Heil außerhalb des Massengeschäfts zu suchen und setzte auf Qualität und technologischen Fortschritt. Offenbar mit recht großem Erfolg: Längst ist Deutschland zum Weltmarktführer bei technischen Textilien aufgestiegen. „Der Umsatz deutscher Produzenten in diesem Segment liegt bei 16 Milliarden Euro, und ein Großteil davon ist Made in Germany“, so Spiesecke nicht ohne Stolz.

Die globale Produktionskarawane zieht weiter

Zuerst wanderte die Textilkarawane von den nördlichen Industrieländern in südlichere Gefilde wie Portugal oder Jugoslawien. Dann kamen Mittel- und Südamerika an die Reihe, von dort ging es weiter nach China und Indien. Zuletzt zogen die Unternehmen aufgrund des Preis- und Konkurrenzdrucks nach Vietnam, Bangladesch, Kambodscha und Indonesien. Dabei handelte sich die Branche oftmals den Vorwurf ein, dass sie immer nur dort produziert, wo es gerade am billigsten ist. Entsprechend seien die sozialen Standards niedrig und Arbeitsschutz ein Fremdwort. „Die Annahme, dass Unternehmen sofort wegziehen, wenn sie einen Standort entdeckt haben, wo es sich noch billiger produzieren lässt, ist ein weit verbreiteter Irrglaube“, versucht Spiesecke das Bild zu korrigieren. „So steigen seit Jahren die Löhne in China erheblich. Trotzdem werden dort weiterhin Textilien für die Weltmärkte hergestellt und bestehende Produktionskapazitäten erweitert.“

Initialzündung durch Textilindustrie

Auch hinterlässt die Textilindustrie keine verbrannte Erde, wenn einzelne Unternehmen ihre Produktionsstandorte verlagern. Eher das Gegenteil ist der Fall. Denn in vielen Entwicklungsländern hat sie ganz klar die Rolle eines Geburtshelfers bei der Industrialisierung gespielt. Zuvor rein landwirtschaftlich strukturierte Länder, die vormals ökonomisch eher an der Peripherie lagen, begannen sich dank der Ansiedlung von Unternehmen aus der Textil- und Bekleidungsindustrie in die Weltwirtschaft zu integrieren. Das hatte positive Auswirkungen auf die Infrastruktur und beschleunigte die weitere Entwicklung. Der Staat greift manchmal regulierend in das Wirtschaftsgeschehen ein, um den Privatsektor aufzubauen – wie einst in Südkorea. Andere Industriezweige siedeln sich ebenfalls an, die Kommunikationsstrukturen kommen in Schwung. „Bangladesch ist dafür ein recht gutes Beispiel“, weiß der Experte zu berichten. „Das Bruttoinlandsprodukt wächst dort jedes Jahr um mehr als 6 Prozent und der Wohlstand hat sich – wenn auch von einem niedrigen Niveau – in den letzten zwölf Jahren etwa verdoppelt. Es gibt zwar noch immer zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten, heute aber gehört Bangladesch zu den größten Exporteuren von Bekleidung weltweit, und darauf lässt sich aufbauen.“

Afrika kommt groß in Mode

Doch der Grat zwischen billig und fair ist manchmal schmal. Zudem gehen der Textil- und Bekleidungsindustrie langsam aber sicher die Billiglohnländer aus. Nicht nur in China, sondern überall in Asien ziehen die Löhne an. Während andere Branchen wie die Elektroindustrie durch zunehmende Automatisierung entsprechende Kostensteigerungen aufzufangen versuchen, ist es bei Hemden oder Hosen schwer möglich, die Handarbeit zu ersetzen. Deshalb ist bereits von Afrika als neuem Standort die Rede, insbesondere von Äthiopien, wo in den kommenden Jahren knapp 200 neue Textilfabriken entstehen sollen. Mode-Gigant H&M testet bereits die Fertigung vor Ort. Vor allem die Chinesen sind aktiv und verlagern ihre Produktion dorthin, ebenso Schuhhersteller aus Taiwan, Hongkong oder sogar der Türkei. Deutsche Unternehmen zeigen bis dato wenig Flagge. „Das mag in Einzelfällen stimmen, aber eine Trendbewegung Richtung Afrika kann ich nicht erkennen“, so Verbandsmann Spiesecke.

„Der Motor des wirtschaftlichen Fortschritts"

Ein Gespräch mit Dr. Hartmut Spiesecke, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie e. V., Berlin.

Die Textilindustrie begann bereits vor rund 50 Jahren mit der Auslagerung ihrer Produktion in andere Länder. War sie damit so etwas wie die Avantgarde der Internationalisierung?

SpieseckeDie Textilindustrie hat schon sehr früh angefangen, in anderen Ländern produzieren zu lassen. In diesem Prozess, den wir heute Globalisierung nennen, war sie aber nicht allein. Auch die Automobil- und Elektroindustrie begann bereits in den Fünfzigerjahren sich zu internationalisieren, Volkswagen beispielsweise eröffnete 1953 in Brasilien eine erste Fabrik. Die Textilindustrie gehört auf jeden Fall zu den Vorreitern und gab dabei auch wichtige Impulse für Ansiedlung von Folgeindustrien wie Maschinenbau und Chemie.

Kann man die Textilindustrie auch als eine Art Geburtshelfer bei der Industrialisierung von Entwicklungsländern betrachten?

SpieseckeSchon sehr häufig hat sich die Textilindustrie als ein Motor des wirtschaftlichen Fortschritts erwiesen. Bangladesch ist dafür ein recht gutes Beispiel. Das Bruttoinlandsprodukt wächst dort jedes Jahr um mehr als sechs Prozent und der Wohlstand hat sich – wenn auch von einem niedrigen Niveau – in den letzten zwölf Jahren etwa verdoppelt. Es gibt zwar noch immer zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten, heute aber gehört Bangladesch zu den größten Exporteuren von Bekleidung weltweit, und darauf lässt sich aufbauen.

Die Annahme, dass Unternehmen sofort wegziehen, wenn sie einen Standort entdeckt haben, wo es sich noch billiger produzieren lässt, ist ein weit verbreiteter Irrglaube.

Im Rahmen dieser Internationalisierung ging die Textilindustrie zuerst ins südliche Europa, dann nach Fernost. Ziehen die Unternehmen immer sofort dahin weiter, wo die Löhne noch niedriger sind?

SpieseckeDie Annahme, dass Unternehmen sofort wegziehen, wenn sie einen Standort entdeckt haben, wo es sich noch billiger produzieren lässt, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. So steigen seit Jahren die Löhne in China erheblich. Trotzdem werden dort weiterhin Textilien für die Weltmärkte hergestellt und bestehende Produktionskapazitäten erweitert. Zudem wandert nicht die Textilindustrie als solche in andere Länder, sondern es treffen immer nur einzelne Unternehmen Standortentscheidungen. Ausschlaggebend für eine solche Entscheidung sind in der Regel nicht die Löhne, sondern vielmehr eine ganze Palette von Faktoren, wie beispielsweise die Infrastruktur oder die ausreichende Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern.

Mittlerweile kommen auch Regionen und Länder als Produktionsstandort ins Gespräch, an die früher nie jemand gedacht hatte, so zum Beispiel Afrika. Wie realistisch erscheint Ihnen das?

SpieseckeDas mag in Einzelfällen stimmen, aber eine Trendbewegung Richtung Afrika kann ich nicht erkennen. An traditionellen Standorten wie Marokko und Tunesien wird schon seit längerem produziert. Allerdings ist aufgrund seines politischen Wandels auch Myanmar stark ins Blickfeld gerückt. Das ehemalige Burma hat gute Chancen, sich in Asien zu einem wichtigen Produzenten zu entwickeln. Im Rahmen des EU-Projekts SMART Myanmar unterstützen auch wir als Verband dort den Aufbau einer nachhaltigen Textil- und Bekleidungsindustrie, die von Anfang an soziale und ökologische Standards im Blick hat.

Spielt in Zeiten sich immer schneller drehender Kollektionskarussells nicht auch die geografische Nähe zum Kunden wieder verstärkt eine Rolle?

SpieseckeMit wenigen Ausnahmen lassen die meisten deutschen Mittelständler vor allem in Osteuropa, der Türkei oder Südostasien produzieren. Das wird sich auch in Zukunft kaum ändern. Schnelle Kollektionswechsel sind kein Grund für eine Verlagerung der Produktion nach Deutschland. Wenn überhaupt, dann motiviert eine Vereinfachung komplexer logistischer Herausforderungen Unternehmen zu diesem Schritt.

Und welche Chancen hat Deutschland noch als Produktionsstandort für die Textilindustrie?

SpieseckeRund 28 Milliarden Euro setzt die deutsche Textil- und Modeindustrie im Jahr um. Knapp 40 Prozent davon entfallen auf das Geschäft mit Bekleidung. Längst aber ist Deutschland zum Weltmarktführer in den Bereichen Textilien und technische Textilien aufgestiegen. Der Umsatz deutscher Produzenten in diesem Segment liegt bei 16 Milliarden Euro und ein Großteil davon ist „Made in Germany“. Die kapital- und wissensintensive Produktion findet auch in Zukunft hier statt.

... ist Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie und hatte zuvor verschiedene Leitungsaufgaben in Politik und Wirtschaft inne. Der Gesamtverband repräsentiert rund 1.400 Unternehmen mit 31 Milliarden Euro Jahresumsatz und ca. 130.000 Beschäftigten in Deutschland.

„Heute entscheidet der Preis oder die Marke über den Kauf“

Ein Interview mit Hans Redlefsen, Finanzvorstand des Hamburger High-Fashion-Labels Closed, über den deutschen Modemarkt.

Herr Redlefsen, die Textilbranche war eine der ersten, die vor über 40 Jahren Deutschland in Sachen Produktion den Rücken zukehrte. Wie wichtig ist der Sektor für die deutsche Industrie überhaupt noch?

RedlefsenFür die Modeindustrie hat die Produktion in Deutschland wirklich keinerlei Bedeutung mehr, denn „Made in Germany“ existiert im Bereich Fashion nicht mehr. Nach der Wende sind im Osten einige sehr spezialisierte Betriebe erhalten geblieben, bei denen wir zum Teil auch produzieren lassen, aber dies ist ein ganz kleiner Ausschnitt. Diese Firmen haben langjährige Erfahrung, eine sehr hohe technische Kompetenz und sie haben den Vorteil, dass ihre Mitarbeiter deutschsprachig sind. Aber man kann sie natürlich nur für spezielle Produkte einsetzen. Die Vollproduktion für modische Artikel hingegen gibt es in Deutschland nicht mehr. Dies ist inzwischen auch eine Frage des Know-hows, über das wir in Deutschland gar nicht mehr verfügen. Italien, Spanien und Portugal hingegen konnten dieses Wissen aufgrund der nach wie vor starken Textilindustrie für sich erhalten.

Welche Rolle spielt China in der globalen Produktion?

RedlefsenAus deutscher Sicht wird China häufig über einen Kamm geschert. Aber man darf nicht vergessen, dass es letztlich ein riesiges Land mit sehr großen Unterschieden in der Fähigkeit zur Produktion von Textilien ist. Wirklich State-of-the-Art im Sinne eines hochwertigen Anspruchs ist eigentlich nur die Produktion in Shenzhen an der Grenze zu Hongkong. Da aber auch die Produktion im Landesinneren immer teurer wird, findet die Produktion der großen Vertriebsketten heute zusehends in anderen Ländern wie Bangladesch oder Indien statt.

Für die Modeindustrie hat die Produktion in Deutschland wirklich keinerlei Bedeutung mehr, denn 'Made in Germany' existiert im Bereich Fashion nicht mehr.

Unternehmenspleiten deutscher Mittelständler waren in den letzten Jahren an der Tagesordnung. Haben diese Unternehmen aus Deutschland im Modesegment überhaupt eine Überlebenschance? Was kennzeichnet den Markt derzeit in diesem Bereich?

RedlefsenDer entscheidende Faktor ist sicherlich, dass sich das Käuferverhalten komplett gewandelt hat. Heute entscheidet entweder der Preis oder die Marke über den Kauf. Während bei den großen Vertriebsketten der möglichst niedrige Preis ausschlaggebend ist, dürfen Markenprodukte etwas teurer sein – allerdings nur innerhalb der Wahrnehmungsgrenze. Und genau dies ist das Problem der mittelpreisigen Anbieter. Sie werden nur bedingt als Marken wahrgenommen, sind in Sachen Preiswettbewerb dann aber zu teuer. Viele der Marken in diesem Segment aus Deutschland, die mit Problemen kämpfen, haben aus meiner Sicht nicht hinreichend für sich selbst geklärt, ob sie sich als Vertriebs- oder Bekleidungsmarke verstehen. Das wäre aber das entscheidende Ausgangskriterium.

Wie steht Closed in diesem Umfeld da?

RedlefsenWie gesagt hat sich insbesondere das Einkaufsverhalten der jungen Käuferschicht in den letzten zehn Jahren komplett verändert. Unsere Kunden kaufen bei Closed, Zara, aber auch Gucci und mischen dann die Kleidungsstücke – von daher sind wir Teil eines überaus attraktiven Sets. Dieser Trend zum Mischen wiederum ist in den letzten zehn Jahren entstanden, die Leute sampeln mehr und Kleidung wird heute eher für den Moment denn für die Ewigkeit gekauft. Bei Closed produzieren wir sehr hochwertige Artikel, die nach zwei bis drei Jahren auch diesem neuen Modezyklus unterliegen. Aber selbst bei den absoluten Top-Labels ist es inzwischen so, dass sie kaum mehr Klassiker produzieren. Closed steht für eine Mode, die sehr stark vom Zeitgeist geprägt ist – und der Kunde kommt auch genau mit dieser Erwartungshaltung zu uns in den Laden.

Was verändert sich derzeit noch auf dem Markt?

RedlefsenDie Digitalisierung ist sicherlich mit der größte Trend, den es gibt. Haupttreiber dieser Veränderung ist heute das Internet, wo Marken auch durch Blogger und andere Informationen quasi „gemacht“ werden. Die mittelpreisigen Marken haben an dieser Stelle auch deshalb stark anUmsatz verloren, weil sie diese Entwicklung nicht mitmachen konnten. Hinzu kommt der Trend zu den sogenannten Mono-Marken-Stores, in denen der Kunde ausschließlich die Kollektion und Erlebniswelt eines einzigen Herstellers findet. Diese Stores spielen eine große Rolle bei der Markenbildung.

Wie verhält es sich dann mit der Mischung aus Einkauf im Store und im Internet?

RedlefsenUnser Ansatz ist hier folgender: Selbst wenn der Kunde im Laden nichts kauft, nimmt er durchaus den Style wahr und kauft später eventuell im Internet. Direkt damit verbunden ist leider der Niedergang des Einzelhandels in Deutschland, wie es ihn vor 30 Jahren noch gab. Während die klassischen mittelständischen Einzelhändler in Deutschland untergegangen sind, haben es nur einige große Ketten verstanden, attraktive Vertriebsschienen zu etablieren. Sie bedienen auch die Ansprüche der neuen, jungen Kundschaft, die den Trend setzt und heute zum „chatten, shoppen, chillen“ in die Stadt geht und dabei durch die großen Stores streift. Sie verstehen es sehr gut, diese Ansprüche zu bedienen, ebenso wie dies den großen Vertriebsketten wie Zara und H&M gelingt. Letztere haben es zudem sehr gut verstanden, sich einen modischen Anstrich zu geben. Der Bedarf bzw. Kaufanreiz wird heute eben ganz anders geweckt und man muss sozusagen anders mit den Kunden kommunizieren.

Wie wichtig sind Blogger für Trends?

RedlefsenTestimonials und Blogger spielen heute eine große Rolle, sie können die Popularität einzelner Teile einer Kollektion extrem steigern. Allerdings nur, wenn es echte und keine gekauften Testimonials sind, weil die Kunden heute sehr genau unterscheiden bzw. intuitiv sehr genau wissen, welche Marke zu welchem Promi passt. Gekaufte Testimonials sind letztlich nicht nachhaltig, weil es irgendwann immer durchsickert, dass ein Promi eine bestimmte Jacke gegen Bezahlung getragen hat.

Wie sehen Sie Deutschland als Standort für international verkaufbare Mode?

RedlefsenDeutschland war nie wirklich ein Modeland. Zwar gibt es natürlich mit Firmen wie Bogner, Boss oder Escada – Unternehmen aus Deutschland, die international sehr erfolgreich sind. Aber insgesamt ist die Branche im Vergleich zu Frankreich oder Italien doch recht klein. Zudem kommen die Vorreiter nach wie vor aus Frankreich, Großbritannien oder Japan. Auch die Berlin Fashion Week spielt international letztlich keine Rolle. Ich glaube, man nimmt es uns Deutschen nicht richtig ab, verrückt oder exzentrisch genug zu sein für modische Avantgarde – in Sachen Technik und Ingenieurwesen haben wir ja international kein Problem, aber Mode hat eben diesen irrationalen Touch. Die Amerikaner wiederum verstehen es besser als wir, Trends zu kommerzialisieren; da könnten wir glatt noch etwas lernen! Mode muss eben am Anfang eher spitz sein, wenn sie Trends setzen will. In Deutschland sind wir aber eher die Follower.

... ist geschäftsführender Gesellschafter (Sprecher des Vorstands) der CLOSED Holding AG, Hamburg. Er verantwortet die Bereiche Strategie, Finanzen/Controlling, EDV, Personal und Logistik. Nach seinem Businessstudium in London (EBS) arbeitete Hans Redlefsen vier Jahre beim Bankhaus Lampe als Kreditsachbearbeiter, Kundenbetreuer und Assistent der Geschäftsleitung.

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